Forschung 24.06.2005, 18:39 Uhr

Forschungsstation kommt auf Stelzen daher  

VDI nachrichten, Bremerhaven, 24. 6. 05 – Deutschland plant ab 2007 die Errichtung einer neuen Antarktisstation. Mit Neumayer III betritt man technisches Neuland, denn das rund 26 Mio. € teure Labor wird auf hydraulischen Stempeln stehen. Diese sollen trotz permanenten Schneefalls in der Antarktis dafür sorgen, dass die Station nicht immer tiefer im Schnee versinkt. Die Ausschreibung startet im August. Das Konzept wurde jetzt von den Partnerstaaten des Antarktisvertrages auf deren Konferenz in Stockholm erteilt.

Metertief liegen die beiden Röhren der deutschen Forschungsstation Neumayer II inzwischen unter antarktischem Eis begraben, nur die Eingangstürme ragen noch über die Oberfläche hinaus. Jedes Jahr fallen im Dronning-Maud-Land, dem atlantischen Teil der Antarktis, 80 cm Schnee und bleiben liegen.

Für das gute Dutzend permanenter Forschungsstationen in diesem Teil des Polarkontinents ist das ein Problem. Sie versinken langsam im Schnee und müssen daher in relativ kurzen Abständen erneuert werden.

Bei der zwölf Jahre alten deutschen Station auf dem Ekström-Schelf sind so rund 7 m Eis zusammengekommen, die auf die Röhren drücken. Sie werden dem Druck der Schneemassen spätestens 2008 nachgeben werden.

2007 soll deshalb die Nachfolgestation 10 km weiter landeinwärts errichtet werden. Rund 26 Mio. € will das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven in den Neubau investieren, auf weitere 2,5 Mio. € wird der Abbau der derzeitigen Station veranschlagt.

Im Internationalen Polarjahr 2007/ 2008 soll Neumayer III dann betriebsbereit sein. Sie ist der Ausgangspunkt für das umfangreiche deutsche Forschungsprogramm und spielt zudem eine wichtige Rolle im internationalen Logistiknetz der Antarktisforschung. Auf der Konferenz der Antarktisvertragsstaaten, die in der vergangenen Woche in Stockholm tagte, wurde das Konzept positiv bewertet. Im Oktober wird das Umweltbundesamt über die Umweltverträglichkeit entscheiden.

„Die Station wird besser mit dem Schneefall klarkommen, daher rechnen wir mit einer wesentlich längeren Betriebszeit von 25 Jahren“, erklärt AWI-Logistikchef Hartwig Gernandt. Neumayer III wird eine auf Stelzen gebaute Plattform sein, kein Röhrensystem wie ihre Vorgänger.

Geplant ist, das zweistöckige, 82 m lange und 26 m breite Gebäude auf 20 Beinen 11 m über dem Fundament aufzuständern. Die Stelzen können hydraulisch teilweise eingezogen werden, was einmal im Jahr reihum geschehen soll, damit die Station auf ein entsprechend erhöhtes Fundament aus Eis und Schnee gesetzt werden kann.

Die Hydraulik wird wesentlich zur verlängerten Lebensdauer der Station beitragen. Die Füße stehen in einer 5 m tiefen und ebenfalls 82 m langen und 26 m breiten Grube im Eis. Sie wird abgedeckt und als Garage für die Fahrzeuge und Geräte der Station genutzt.

Erstmals sollen alle Arbeits- und Lagerräume unter einem Dach liegen. Auch die Expeditionsgruppen im antarktischen Sommer, die manchmal mit 40 Personen und mehr anrücken, sollen nicht mehr in den „Tomaten“ genannten roten Iglus auf der Eisoberfläche übernachten, sondern in einem eigenen Stationsteil. Er wird im Winter, wenn nur neun Personen die Station bewohnen, stillgelegt. H.KROKER/ber

Die Wanderung der Eisstationen
Alle drei deutschen Forschungsstationen mit dem Namen Neumayer liegen im Ekström-Schelf, einem mit nur rund 200 m im Jahr langsam in Richtung Meer fließenden Eisschild. Doch selbst die älteste Station hat seit ihrem Bau 1981 erst 4,5 km zurückgelegt und ist noch knappe 10 km von der Schelfeiskante entfernt. Schon jetzt ist die Station unter 20 m dickem Eis begraben. Wenn sie also in rund 50 Jahren an der Schelfkante ankommt, wird sie nicht viel mehr sein als eine komplett zerquetschte Blechbüchse, die mit dem Eis zusammen abbricht und langsam in den antarktischen Ozean hinausdriftet, wo sie irgendwann einmal im Meer versinkt. hk

Von Kroker/Ber Hk

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