Forschung 28.07.2006, 19:23 Uhr

Forschungsprämie für mittelstandsorientierte Professoren  

VDI nachrichten, Bonn, 28. 7. 06, rus – „Wir brauchen neuen Schwung für Forschung im Mittelstand. Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft muss auch wieder die Speerspitze der Innovation werden.“ Diese These begründet in ihrem folgenden Text Ilse Aigner. Die Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung verweist darauf, dass diese Weiterentwicklung keine rein staatliche Angelegenheit ist.

Hightech ist unsere Schicksalsfrage. Ob Deutschland in der Weltspitze eine Rolle spielt oder sich in der Liga der Qualifikanten bewegt, hängt davon ab, ob wir ein Land der Ideen bleiben. Deshalb investiert die Bundesregierung trotz extrem schwierigem finanziellen Umfeld bis zum Ende der Legislaturperiode 6 Mrd. € zusätzlich in Forschung und Entwicklung.

Wirtschaft und Länder sollten das Signal aufnehmen und die Hightech-Strategie zu einem gemeinsamen Projekt machen, einem Zukunftsprogramm für die Deutschland AG.

Wir brauchen neuen Schwung für Forschung im Mittelstand. Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft muss auch wieder die Speerspitze der Innovation werden.

Anders als die Großindustrie kooperieren kleinere und mittlere Unternehmen nur wenig mit der Wissenschaft. Der Mittelstand weiß oft gar nicht, dass Hochschulen und Forschungseinrichtungen ihm helfen könnten. Dies ist aber nicht in erster Linie eine Holschuld, sondern eine Bringschuld der öffentlich geförderten Forschung.

Hochschulen und Universitäten müssen sich öffnen und auf die mittelständischen Unternehmen zugehen. Um Anreize zu schaffen, setzt sich die CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die Forschungsprämie ein. Wir haben den Vorschlag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) weiterentwickelt und auf den Mittelstand fokussiert.

Hochschulen und Forschungseinrichtungen sollen eine Prämie in Höhe von rund 25 % des Auftragswertes erhalten, wenn sie mit der mittelständischen Wirtschaft kooperieren.

Schätzungsweise werden in den ersten Jahren rund 30 bis 40 Mio. € gebraucht. Die Details werden gerade ausgearbeitet. Die Forschungsprämie ist ein Kernstück der Hightech-Strategie.

Ein weiteres großes Hemmnis für kleinere und mittelgroße Unternehmen ist fehlendes Kapital. Besonders gravierend sind die Finanzierungsprobleme in der Gründungsphase.

Nach der neuesten Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW, Mannheim) sind die Hightech-Gründungen in Deutschland allein 2005 um 16 % zurückgegangen. Die Banken handeln weitgehend sachwertorientiert, Geld für Ideen gibt es kaum. Ohne staatliche Unterstützung, z. B. in Form des Hightech-Gründerfonds, geht es also nicht.

Der Hightech-Gründerfonds darf aber keine rein staatliche Angelegenheit bleiben. Wir wollen ihn zu einer breiten Public-Private-Partnership-Initiative ausbauen. Sichere Renditeerwartungen können nicht geboten werden in diesem Marktsegment. Aber etablierte Unternehmen erhalten über die Beteiligung am Fonds Einblicke in neue Technologien und es eröffnen sich ihnen Kooperationsmöglichkeiten.

Manager sollten nicht immer nur an den kurzfristigen Cashflow denken. Neue Technologien etablieren sich über neue Unternehmen. Wer nachhaltig erfolgreich sein will, muss am Ball bleiben.

Business Angels spielen in der Gründungsphase eine wichtige Rolle. Zur Belebung der Szene wird eine steuerliche Variante gebraucht. Die Besteuerung des Veräußerungsgewinns für Business Angels muss günstiger werden. Wir brauchen einen stärkeren Anreiz in der Frühphase der Unternehmensentwicklung.

Das wichtigste Kapital, das in Deutschland knapp zu werden droht, sind allerdings die Fachkräfte. Gut 50 000 Studienanfänger zählen heute die Ingenieurwissenschaften, 1990 waren es allein im damaligen Westdeutschland noch über 60 000.

Die Faszination, Technik zu gestalten, muss in der Schule angefacht werden. Nur hier können Jugendliche interessiert und vor allem auch fit gemacht werden für ein anspruchsvolles Studium. Auch Wirtschaft, Verbände und der Bund müssen mit ihren Aktionen und Angeboten ins Schulalter.

Die Wissenschaftsjahre sind eine tolle Einrichtung von Bundesregierung und Forschungsorganisationen.

Bund und Länder bereiten aktuell einen Hochschulpakt vor, um die in den nächsten Jahren noch einmal ansteigende Zahl der Studierenden qualitativ gut auszubilden.

Die Versuchung ist gegeben, die Studienkapazitäten allein in den kostengünstigen Buchwissenschaften auszubauen. Das darf nicht geschehen. Der Bund sollte deshalb bei seiner Linie bleiben, vor allem die Forschung zu stärken, denn damit gewinnen insbesondere die Natur- und Ingenieurwissenschaften.

Es geht nicht darum, dass der Bund einfach einen Teil der Grundfinanzierung der Hochschulen übernimmt. Wenn er sich beteiligt, dann muss dies einen Mehrwert bringen. Nach dem Modell des schon laufenden Exzellenzwettbewerbs sollte es einen Wettbewerb um die beste Lehre geben. Dabei können insbesondere auch die Fachhochschulen und die Hochschulen in den neuen Ländern punkten.

Ebenso wichtig ist es, unser System der dualen Ausbildung leistungsfähig zu halten.

In den öffentlichen Diskussionen geht es derzeit vor allem um die Zahl der Ausbildungsplätze. Aber gleichzeitig müssen wir weiterdenken und die Berufsbildung strukturell modernisieren.

Die duale Ausbildung hat heute in der Erstqualifikation einen enorm hohen Anspruch, bricht dann aber ab. Die Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion setzt sich für eine stärkere Stufung ein.

Die Hürden am Anfang der Berufsausbildung dürfen nicht so hoch liegen, dass viele Ausbildungen nur noch Abiturienten offen stehen. Viele Real- und Hauptschüler haben Entwicklungspotenzial und verdienen eine Chance in modernen forschungsnahen Berufen.

Nach oben hin muss die Durchlässigkeit zur Hochschulbildung optimiert werden, etwa durch verbindliche Anrechnungsmöglichkeiten.

Entscheidend ist, dass Ausbildung und Studium in Zukunft immer nur als ersten Aufschlag fürs lebenslange Lernen begriffen werden. ILSE AIGNER

„Die Banken handeln weitgehend sachwertorientiert, Geld für Ideen gibt es kaum. Ohne staatliche Unterstützung, z. B. in Form des Hightech-Gründerfonds, geht es also nicht.“ Ilse Aigner

Von Ilse Aigner

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