Innovationspolitik 13.03.2009, 19:40 Uhr

Forschung sollte steuerlich gefördert werden  

Zaudern bei der Einführung steuerlicher Forschungsförderung wirft die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission zu Forschung und Innovation den deutschen Politikern vor. Die Kommission stellte in der vergangenen Woche ihren jährlichen Bericht vor. Sie warnte zudem vor einem Einbruch der Forschungsanstrengungen der Industrie in der aktuellen Krise. VDI nachrichten, Berlin, 13. 3. 09, moc

„Die Aufgaben für die Forschungs- und Innovationspolitik Deutschlands liegen vor allem im Umbau des Bildungssystems, des Steuersystems und der Innovationsfinanzierung.“

Zu diesem Schluss kommt die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission in ihrem „Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit“, das vergangene Woche vorgestellt wurde.

Das Gutachten anerkennt durchaus die Stärken der deutschen Innovationslandschaft: Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind international durchaus wettbewerbsfähig, deutsche Unternehmen innovationsstark – und nicht zuletzt hat auch die Bundesregierung ihre Ausgaben für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung von 11,1 Mrd. € im Jahr 2005 auf knapp 14,5 Mrd. € bis heute angehoben.

Aber die sich abzeichnenden Mängel des deutschen Forschungs- und Innovationssystems machen den Autoren des Gutachtens doch ganz erhebliche Sorgen – allem voran die Tatsache, dass Deutschland noch immer keine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung eingeführt hat: „Hier mangelt es der deutschen Politik an Entschlossenheit.“

Die Folge: Die Fördermaßnahmen der Forschungs- und Innovationspolitik laufen ins Leere, weil sie durch ein „innovationsfeindliches Steuersystem konterkariert werden“.

In vielen Industrienationen ist steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung mittlerweile wichtiger als die direkte Forschungsförderung – so in Kanada, den Niederlanden und Österreich. Legt man den gesamten staatlichen Finanzierungsbeitrag – steuerliche wie direkte Forschungsförderung – zugrunde, fällt Deutschland auf einen der Schlussplätze zurück, so das Gutachten.

Erschwerend kommt hinzu, dass das Fehlen steuerlicher Förderung von Forschung kleine und mittlere Unternehmen (KMU) besonders hart trifft.

Denn KMU haben in der Regel eine nur „mäßige Eigenkapitalausstattung“, zudem ist der deutsche Markt für Wagniskapital im internationalen Vergleich bestenfalls schwach entwickelt.

All das könnte sich bald negativ auf einen derzeit noch positiven Trend auswirken: So steigt derzeit die Zahl der Forschung und Entwicklung treibenden kleinen und mittleren Unternehmen stetig, wie der Mittelstandsmonitor 2009 ermittelt hat. Und je jünger die KMU sind, desto intensiver investieren sie in Forschung.

Die Forderung nach steuerlicher Forschungsförderung ist nicht neu. Wissenschaftliche Gremien wie die Forschungsunion, aber auch Verbände wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) unterstützen sie.

Bisher aber ist sie nicht zuletzt am Widerstand des Bundesfinanzministeriums gescheitert, weil die Gegenfinanzierung fehlte. Andererseits hat etwa der BDI immer wieder gefordert, dass die steuerliche Förderung zu der klassischen, direkten Forschungsförderung hinzukommen sollte – was dann erhebliche Steuereinbußen nach sich ziehen würde.

Doch diese Probleme und die sich abzeichnende Gefährdung der Innovationsfähigkeit der KMU – in denen immerhin gut 71 % aller gewerblich Beschäftigten arbeiten – sind nicht alles.

Auch die Schwächen des Bildungssystems, wiederholt dokumentiert in Pisa-Studien, könnten „mittelfristig zu einer existenziellen Bedrohung der Innovationsfähigkeit“ werden, so das Gutachten.

Dazu kämen die mit über 30 % überdurchschnittlich hohen Abbruchquoten in den Natur- und Ingenieurwissenschaften und die zunehmenden Studienabbrüche in den Fächern Physik, Informatik, Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie und Mathematik.

Die aktuelle Krise deckt zudem eine „gefährliche Inflexibilität“, so das Gutachten, der deutschen Forschungslandschaft auf – ihre große Abhängigkeit von der Automobilbranche.

In dieser Branche arbeiten gut 30 % alle Industrieforscher, gut ein Drittel aller Forschungsausgaben der Industrie (2008: 56,8 Mrd. €) kommen aus dieser Branche. Über Jahrzehnte war die Automobilbranche damit das Flaggschiff der deutschen Forschungs- und Innovationslandschaft. Wenn diese Branche nun angeschlagen ist, kann das Folgen für die gesamte Innovationsfähigkeit Deutschlands haben. moc

Von Wolfgang Mock

Stellenangebote im Bereich Forschung & Entwicklung

Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen Entwicklungsingenieur Leistungselektronik und elektrische Motoren (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
Fresenius Kabi Deutschland GmbH-Firmenlogo
Fresenius Kabi Deutschland GmbH Entwicklungsingenieur / Innovation & Development Engineer (m/w/d) Bad Hersfeld
B. Braun Avitum AG-Firmenlogo
B. Braun Avitum AG Entwicklungsingenieur Elektrotechnik (m/w/d) Melsungen
XENIOS AG-Firmenlogo
XENIOS AG Projektleiter R&D (m/w/d) im Bereich Neuproduktentwicklung Heilbronn
ADMEDES GmbH-Firmenlogo
ADMEDES GmbH Werkstoffwissenschaftler (m/w/d) Für den Bereich Technologie und Innovation Raum Pforzheim
Murrelektronik GmbH-Firmenlogo
Murrelektronik GmbH Senior Konstrukteur (m/w/d) Oppenweiler
KOSTAL-Firmenlogo
KOSTAL Entwickler für Leistungselektroniken (m/w/d) Dortmund
KOSTAL-Firmenlogo
KOSTAL Systemingenieur / Designer Elektromobilität (m/w/d) Dortmund
KOSTAL-Firmenlogo
KOSTAL Testingenieur für Elektromobilität (m/w/d) Dortmund
Carl Zeiss AG-Firmenlogo
Carl Zeiss AG Leiter der Gruppe Mechanical Design (m/w/x)

Alle Forschung & Entwicklung Jobs

Top 5 Forschung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.