Exzellenzinitiative 12.03.2010, 19:45 Uhr

Forschung droht „Generationenstau“  

Das Projekt zur Förderung deutscher Hochschulen habe eine große Motivationswelle zur Folge, haben Wissenschaftler festgestellt. Bei den Vergaberunden seien die Ingenieurwissenschaften aber zu kurz gekommen, sagten sie am Montag in Berlin. VDI nachrichten, Berlin, 12. 3. 10, ws

Die Exzellenzinitiative zur Förderung der deutschen Hochschulen muss fortgeführt und auf die angewandte Forschung und die universitäre Lehre ausgeweitet werden. Dies fordert der Politikwissenschaftler Stephan Leibfried, der zusammen mit weiteren 13 Wissenschaftlern im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften die Auswirkungen der Exzellenzinitiative untersucht hat.

Insgesamt zieht die Akademie eine positive Zwischenbilanz für das Förderinstrument von Bund und Ländern. Von 2005 an sind in zwei Runden knapp 2 Mrd. € an zusätzlichen Mitteln für ausgewählte Hochschulen aufgewandt worden. Von 2012 bis 2017 werden in einer zweiten Programmphase noch einmal rund 2,7 Mrd. € ausgeschüttet.

Die Exzellenzinitiative habe eine große Mobilisierungswirkung gehabt und viele institutionelle Neuerungen gebracht, so das Fazit der Akademie. Die Sorge, dass die Förderung der Spitzenforschung über Exzellenzcluster und Graduiertenschulen auf Kosten der Lehre gehen würde, habe sich nicht bewahrheitet. „Im Gegenteil – die Initiative hat vielerorts zusätzliche Lehre gebracht“, sagt der Politologe Michael Zürn, der an der Untersuchung beteiligt war.

Große Sprünge könnten die geförderten Hochschulen aber nicht machen. Die Summen, die sie zusätzlich erhalten haben, würden den jeweiligen Etat um 5 % bis 10 % aufstocken. „Das, was wir über fünf Jahre in die gesamte deutsche Hochschullandschaft an zusätzlichen Mitteln einspeisen, entspricht einem einzigen Jahreshaushalt der Stanford University“, rechnet Günter Stock, der Präsident der Akademie, vor. Die US-Spitzenuniversitäten oder die ETH Zürich, die als führende forschende Hochschule in Europa gilt, seien nicht in zehn Jahren, sondern eher in 100 Jahren exzellent geworden. Die Forscher fordern daher eine Verstetigung der Exzellenzinitiative auch über 2017 hinaus.

Positiv bewerten die Forscher, dass die Exzellenzinitiative von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Wissenschaftsrat geleitet wird. Damit hätten wissenschaftliche und nicht politische Kriterien den Ausschlag für die Zuwendungen gegeben.

Deutliche Kritik äußern die Forscher am offensichtlichen Ungleichgewicht der Förderungen. Darunter haben etwa die Ingenieurwissenschaften stark gelitten. Zusammen mit den Sozialwissenschaften seien sie unterdurchschnittlich vertreten, so die Untersuchung.

Um diesem Missstand abzuhelfen, schlagen die Forscher eine Änderung des Antragsverfahrens vor. So sollten zunächst innerhalb der einzelnen Wissenschaftsbereiche – Lebens-, Natur-, Ingenieur- und Sozialwissenschaften – eigene Ranglisten ermittelt werden. Sind dann noch Ressourcen frei für weitere Projekte, könnten diese in einer Schlussrunde durch einen Abgleich aus allen Bereichen „ohne feste Quotenvergaben“ (Zürn) verteilt werden. Ein solches Verfahren könne „viel dazu beitragen, um das Problem der bloßen Fiktion der Vergleichbarkeit des Verfahrens über Fächergruppen hinweg zu lindern“.

Die Forscher beschreiben auch eine Reihe von nicht beabsichtigten Nebeneffekten der Exzellenzinitiative, die bei künftigen Ausschreibungen berücksichtigt werden sollten. So würden die neu entstandenen Exzellenzcluster – thematisch orientierte Spitzenforschung an einzelnen Hochschulen – zwar eine große Anziehungskraft auf junge Wissenschaftler ausüben da die Cluster aber befristet sind, drohe nach deren Auslaufen durch das Ausscheiden der Forscher ein neuer Generationenstau.

Die Cluster könnten auch zu Überspezialisierung führen. Zudem drohe ein Ungleichgewicht zwischen geförderten und nicht geförderten Hochschulen, etwa bei der Anerkennung und Bewertung von Abschlüssen. Außerdem seien kleine Fächer in der Exzellenzinitiative systematisch benachteiligt.

„Der Reformbedarf der deutschen Hochschullandschaft ist weiterhin massiv“, so Akademiepräsident Stock. Angesichts der schlechten Rahmenbedingungen habe die Exzellenzinitiative respektable Ergebnisse erbracht. Doch der Anspruch, mit der Initiative könnten die deutschen Hochschulen mit den internationalen Spitzenuniversitäten vor allem in den USA gleichziehen, sei anmaßend und unrealistisch. J. WENDLAND

Die Studie liegt ab Mitte April in Druckform vor: Stephan Leibfried (Hrsg.): „Die Exzellenzinitiative“, Campus Verlag, Frankfurt a. M. 2010, 313 S., 19,90 €.

Von J. Wendland

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