Forschung 09.05.2008, 19:34 Uhr

Forscher trainieren Forscher  

VDI nachrichten, Velbert, 9. 5. 08, ws – Tempus, ein Hochschulkooperationsprogramm der Europäischen Union, bringt europäische Hochschulen mit Partnerländern zusammen und hilft diesen, sich zu modernisieren. Deutsche Hochschulen beteiligen sich gerne am Programm, wie die Hydrologen an der RWTH Aachen.

Hani Sewilam, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehr- und Forschungsgebiet Ingenieurhydrologie (LFI) der RWTH Aachen, fliegt derzeit oft nach Ägypten. Der 39-jährige Hydrologe koordiniert neben seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit in Aachen noch zwei Projekte, in denen er eng mit Ägyptern zusammenarbeitet. Beide Projekte werden über das „Tempus“-Programm der Europäischen Union (EU) gefördert.

Im Projekt „Totwat“ (Training-of-Trainers Program in Interdisciplinary Water Management) schulen europäische Partner Hochschuldozenten in Ägypten, die am Ende des Projekts selbst als Trainer arbeiten sollen. Ziel ist es, dass die ägyptischen Trainer unter anderem Mitarbeiter des Wasserministeriums in Kairo schulen können.

Ein anderes Projekt etabliert einen Masterstudiengang an zwei ägyptischen Universitäten. Beide Projekte starteten in Kairo im März 2007.

Die EU, die Tempus das „Flaggschiff“ für die Zusammenarbeit mit den Nachbarländern Europas im Hochschulbereich nennt, will damit Hochschulsysteme in verschiedenen Partnerländern modernisieren helfen, im Fokus stehen vor allem Staaten des westlichen Balkans und der Mittelmeer-Region sowie Länder in Osteuropa und Zentralasien.

Nach Angaben der Nationalen Tempus-Kontaktstelle beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) wurden in Tempus III (2000 bis 2006) von der EU 787 Projekte mit etwa 315 Mio. € gefördert. Deutschland war der erfolgreichste Antragsteller und Projektpartner.

Deutsche Hochschulen waren in den sieben Jahren in 156 Projekten Vertragsnehmer und an 267 Projekten beteiligt. Allein im Jahr 2007 warben deutsche Hochschulen laut DAAD über Tempus 15 Mio. € ein. Aktuell sind deutsche Hochschulen an 159 europäischen Tempus-Projekten beteiligt 26 davon beschäftigen sich mit ingenieurwissenschaftlichen Themen. Wie Hani Sewilams Masterstudiengang werden in vielen deutschen Tempus-Projekten Lehrpläne entwickelt und Partnerländer im Bologna-Reformprozess unterstützt.

Seit 2008 sind die Zielländer den EU-Ländern partnerschaftlich gleichgestellt. Jetzt darf etwa auch Ägypten als Antragsteller und Vertragsnehmer auftreten. Die Zielländer formulieren nationale Prioritäten, die für den Antragsteller verbindlich sind. Das können Themen sein wie Internationalisierung oder Hochschulmanagement, aber auch Schwerpunkte wie Ingenieurwissenschaften.

Außerdem stellt die EU pro Projekt mehr Geld bereit. Der EU-Zuschuss kann bis zu 1,5 Mio. € betragen.

Hani Sewilam bringt im Totwat-Projekt zwei europäische mit drei ägyptischen Partnern und bei der Etablierung des Masterstudiengangs in Ägypten zwei europäische mit zwei ägyptischen Partnern zusammen. Die Koordinierung dieses Netzwerkes bedeutet für ihn und die RWTH Aachen einen hohen administrativen Aufwand.

Dr. Heribert Nacken, Professor am LFI und Projektverantwortlicher der beiden Tempus-Projekte, gibt zu, dass beide Projekte ohne Sewilam nicht stattgefunden hätten: „Das ist personenbezogen. Hani Sewilam wollte gern ein Projekt mit seiner alten Hochschule zusammen machen.“ Erst im nächsten Schritt habe sich das LFI über die Fördermöglichkeiten des Projektes erkundigt und Tempus gefunden.

Sewilam: „Die Arbeit macht mir viel Spaß, weil ich eine Brückenrolle übernehme. Als gebürtiger Ägypter, der unter anderem in Aachen studiert hat und jetzt hier arbeitet, bringe ich Verständnis für die Mentalität der Deutschen und der Ägypter mit. Diese Mittlerrolle kann ich in das Projekt einbringen.“

Solche großen Netzwerke zu organisieren, ist eine gewaltige Aufgabe, insbesondere für die noch ungeübten Zielländer. „Es ist sicher für einen Anfänger schwierig, ein großes Hochschulnetzwerk mit einem Fördervolumen von 1,5 Mio. € zusammenzuhalten. Dieses zu organisieren, ist unproblematischer, wenn sich die Partner gut kennen“, sagt Angelika Sachsenröder, Leiterin der Nationalen Tempus- Kontaktstelle. Sie hofft jetzt auf einige Anträge aus Ägypten. CHRISTIANE KRÜGER

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