Forschung 13.02.2009, 19:39 Uhr

Forscher-Elite für Elite-Unis gesucht  

Die Exzellenzinitiative hat zu neuen Hierarchien unter deutschen Hochschulen geführt. Was nicht heißen soll, dass Forscher aus aller Welt den „exzellenten“ Unis nun die Türen einrennen. Laut einer Studie ist das Gros der Stellen noch unbesetzt. VDI nachrichten, düsseldorf, 13. 2. 09, ws

Einen Wettbewerb zu gewinnen, ist eine Sache; die Preisgelder bestmöglich anzulegen, eine andere. Ein Beispiel ist die Exzellenzinitiative, die der universitären Forschung über die drei Förderlinien Zukunftskonzepte („Elite-Universitäten“), Graduiertenschulen und Exzellenzcluster Rückenwind verschaffen soll.

Insbesondere bei der Rekrutierung exzellenter Wissenschaftler gibt es etliche Hürden, denen sich die prämierten Universitäten gegenübersehen. Die Überwindung dieser Hindernisse ist zuweilen schwerer als erwartet, lautet ein Zwischenfazit, das das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IfQ) auf Basis von jüngst erhobenen Daten nach der „Implementierungsphase“ der Exzellenzinitiative zog.

Bis April 2008 konnten für die rund 4000 beantragten Stellen und Stipendien erst 1503 Personen mit Mitteln der Initiative gewonnen werden. Bei der Rekrutierung wichen die Universitäten nicht selten von eingetretenen Pfaden ab. Dadurch sei nicht zuletzt die Zahl weiblicher Forscher gestiegen, hebt das IfQ einen erfreulichen Aspekt hervor.

Der Wandel auf dem universitären Arbeitsmarkt aber macht mancher Hochschule zu schaffen. Konkurrierten nach der ersten Runde der Initiative nur drei Elite-Universitäten – darunter zwei technisch orientierte – untereinander um die heiß begehrten klugen Köpfe, hat sich der Wettbewerb in der zweiten Runde mit sechs weiteren „Elite-Unis“ und insgesamt 39 Graduiertenschulen sowie 37 Exzellenzclustern verschärft.

Dramatisch sei die Situation zwar nicht, meint Tom In der Rieden, Geschäftsführer des Informatik-Exzellenzclusters „Multimodal Computing and Interaction“ an der Universität des Saarlandes, aber beim Personal sei „es wie bei Fußballstars: Spitzenleute haben viele Angebote und viele Möglichkeiten“.

In Saarbrücken reagiert man darauf, indem die Nachwuchsgruppen finanziell auf eigene Beine gestellt werden. In der Rieden: „Die Gruppenleiter beziehen ein Gehalt, das üblicherweise dem eines Junior-Professors oder Professors entspricht. Diese Gehälter und Ausstattungen sind durchaus attraktiv wenn man unseren direkten Konkurrenten, die USA, sieht, so liegen die Durchschnittsgehälter für vergleichbare Positionen im Schnitt deutlich niedriger.“

Das Geschäft, die richtigen Kandidaten zu finden, sei hart, hat auch Olaf Gockel erkannt. Der Leiter Projektteam Exzellenzinitiative an der RWTH Aachen hat bislang 65 % der Stellen für das Zukunftskonzept besetzt. „Es gab Fälle, bei denen die Qualität der Bewerber nicht mit unseren Vorstellungen übereinstimmte, sodass wir die Stelle neu ausschreiben mussten“, kommentiert Gockel die oftmals schwierige Suche.

Die fünfjährige Dauer des Förderprogramms setze alle Beteiligten unter immensen Zeitdruck, zumal die gesuchten Leute – nicht selten Wissenschaftler aus dem Ausland – nicht von heute auf morgen zur Verfügung stünden und gewisse Anlaufzeiten brauchten. Es bedeute erheblichen Aufwand, parallel zur Personalsuche nachhaltige Strukturen aufzubauen, die die Unabhängigkeit von weiteren Fördergeldern der Exzellenzinitiative gewährleisteten. „Um wirklich die Früchte ernten zu können“, so Gockel, „müsste das Förderprogramm verlängert werden.“

Eine Forderung, der auch die TU München zustimmt. „Maßgebende zukunftsweisende Projekte brauchen länger als drei oder fünf Jahre, um sich voll zu entfalten und nachhaltige Wirkung zu erzielen“, meint Pressesprecher Ulrich Marsch. Gerade die Zukunftskonzepte benötigten Zeit zur Reife.

Und Perspektiven wollen auch die Wissenschaftler sehen, die sich für ein Projekt in die bayerische Metropole begeben. An der TU München sind zwar mittlerweile über 80 % der Wissenschaftlerstellen im Rahmen der Exzellenz-Initiative besetzt, aber auch Marsch weiß, dass die Industrie trotz „Exzellenz-Labels“ seiner Uni vor allem mit dem Pfund höherer Gehälter wuchern kann.

Der wirtschaftliche und politische Wandel in den USA soll deutsche Forschung beleben

Auch die Rufe anderer Hochschulen nach TUM-Wissenschaftlern seien mit der Exzellenzinitiative deutlich lauter geworden. „Bei Angeboten an unsere Spitzenkräfte, die wir halten wollen, konnten wir bisher aber gut kontern und die Bleibeverhandlungen erfolgreich abschließen.“ Andererseits hätten „herausragende Persönlichkeiten“ den Weg nach München gefunden.

Über die Schwierigkeiten, qualifizierte Kandidaten für die Graduiertenschule „School of Advanced Optical Technologies“ (SAOT) zu gewinnen, berichtet Thomas A. H. Schöck, Kanzler der Universität Erlangen-Nürnberg. Auch hier sitzt einer Hochschule die industrielle Konkurrenz im Nacken. Schöck: „Bei SAOT bestehen starke Unterschiede zwischen Kandidaten in den Ingenieurwissenschaften und den Naturwissenschaften. Für erstere sind die angebotenen Stipendien finanziell wenig attraktiv.“

Schöck erwartet, dass nach dem Regierungswechsel in den USA und der „als wissenschaftsfeindlich empfundenen Politik“ der Ära Bush Leben auf den globalen Akademiker-Arbeitsmarkt kommt. Es gäbe bereits „deutliche Anzeichen“ dafür, dass der Negativ-Effekt „nicht nur verschwinden, sondern sich möglicherweise sogar umkehren wird“.

Weniger der politische Wandel in den USA als vielmehr der ökonomische könnte zu einer Wende führen, meint Tom In der Rieden von der Uni Saarland: „Die Finanzkrise hat in den USA deutliche Auswirkungen auf die akademische Welt. Viele Förderanträge werden abgelehnt, selbst Förderzusagen werden auf unbestimmte Zeit zurückgezogen.“

Die Folge: In den USA werden weniger Stellen für High-Potentials zur Verfügung gestellt, was wiederum zu mehr Bewerbern hierzulande führt. In der Rieden: „Interessanterweise bewerben sich nun auch Kandidaten, die sich klassischerweise in den USA bewerben würden.“ WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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