Forschung 03.10.2008, 19:37 Uhr

Forschen für steigenden Energiebedarf  

VDI nachrichten, Oldenburg, 2. 10. 08, mg – Mit erneuerbaren Energien, Effizienz und Speicherung befasst sich Next Energy, das EWE-Forschungszentrum für Energietechnologie. Derzeit wird auf dem Gelände der Universität Oldenburg ein Neubau errichtet, der den Ausbauplänen gerecht werden soll. Prof. Dr. Carsten Agert, Leiter des Forschungszentrums, erläutert die Aufgaben und Perspektiven.

Agert: Zunächst haben wir uns auf drei Bereiche festgelegt: die erneuerbaren Energien, die Energieeffizienz und die Energiespeicherung – in Analogie zu den EWE-Bullensee-Thesen, einer Vision der künftigen Energieversorgung. In jedem dieser Bereiche wird unser Fokus auf einem Technologiefeld liegen, in dem wir den bestehenden Forschungsbedarf für besonders groß halten. Im Ergebnis wollen wir uns bei den Erneuerbaren auf die Silizium-Dünnschichtphotovoltaik, bei der Effizienz auf die Kraft-Wärme-Kopplung mit Schwerpunkt Brennstoffzellen und bei der Energiespeicherung auf die Stromspeicher konzentrieren.

VDI nachrichten: Aber es wird doch auf diesen Sektoren auch an Hochschulen und Institutionen in anderen Bundesländern geforscht. Sind nicht schon alle Felder besetzt und gibt es Überschneidungen?

Agert: Die Nachfrage nach Forschung und Entwicklung im Energiesektor steigt derzeit stark an, so dass eine Ausweitung auf der Angebotsseite für den Sektor insgesamt vorteilhaft ist. Vor dem Hintergrund würde ich auch potenzielle Überschneidungen zu anderen Institutionen nicht für problematisch halten. Ich bin sicher, dass Next Energy aufgrund seiner starken Anwendungsorientierung ein wertvoller Partner der Industrie sein wird.

VDI nachrichten: Nun zu den Forschungsschwerpunkten bei Next Energy. Warum Dünnschichtphotovoltaik?

Agert: Wir halten die Dünnschichtphotovoltaik auf Basis von Silizium aus mehreren Gründen für zukunftsweisend. Der Rohstoff Silizium ist stets verfügbar und ökologisch unbedenklich. Die Zellen kommen mit wenig Material aus, da die Schichten nur wenige Mikrometer dick sind. Es lassen sich große Einheiten fertigen – bei niedrigen Temperaturen und mit preiswerten Substraten, also z. B. Glas, Kunststoff oder Metall. Wir stimmen daher mit dem europäischen Solarbranchenverband EPIA überein, der in den kommenden Jahren ein stark überproportionales Wachstum im Bereich der Dünnschicht-Technologie erwartet. Wir wollen die Wirkungsgrade von Silizium-Dünnschichtzellen verbessern, indem wir neue Materialien untersuchen. Und wir wollen die Produktionskosten durch neue Verfahrensschritte senken.

VDI nachrichten: Warum auch Forschung bei Brennstoffzellen?

Agert: Besonders bei der gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Wärme, der Kraft-Wärme-Kopplung, können Brennstoffzellen ihre Stärken ausspielen. Ihre elektrischen Wirkungsgrade liegen in weiten Leistungsbereichen über denen von Gasmotoren oder -turbinen. Wir wollen uns auf erdgasbasierte Systeme für die Hausenergieversorgung konzentrieren und dabei das Spektrum von der Erforschung elektrochemischer Komponenten bis zur optimierten Betriebsführung abdecken.

VDI nachrichten: Ihr dritter Schwerpunkt sind die Stromspeicher.

Agert: Es wird in Zukunft immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien geben, der nicht immer dann erzeugt wird, wenn auch ein Bedarf besteht. Speichertechnologien sind also zwingend notwendig. Zugleich wird die Zahl der zumindest teilweise elektrisch angetriebenen Fahrzeuge zunehmen, deren Akkus als Energiespeicher dienen können. Wir wollen daran arbeiten, diese Fahrzeuge und die Stromnetze optimal zu koppeln. Im Einzelnen geht es dabei etwa um das Lademanagement oder um Schnittstellen zwischen Fahrzeugen und Netzen. Zum anderen wollen wir Speichersysteme für den stationären Einsatz erforschen, zum Beispiel die so genannten Redox-Flow-Systeme.

VDI nachrichten: Warum wurde Next Energy überhaupt gegründet?

Agert: Auf künftige Fragen des steigenden Energiebedarfs und des Klimaschutzes finden wir nur dann Antworten, wenn wir heute intensiv forschen und entwickeln. An Hochschulen und mittleren Unternehmen fehlen aber dafür oft die Mittel. Deshalb haben u. a. die Universität Oldenburg, das Land Niedersachsen und der Energieversorger EWE AG einen Verein gegründet, der unser Forschungszentrum trägt. Er wird maßgeblich von der hier ansässigen EWE AG gefördert.

VDI nachrichten: Warum wird Ihr neues Forschungszentrum in Oldenburg errichtet und warum auf dem Gelände der Universität?

Agert: Hier in der Region bauen Hochschulen und Wirtschaft ihre Zusammenarbeit seit Jahren erfolgreich aus. Die Universität Oldenburg hat starke Kompetenzen in der Energieforschung, da auf diesem Gebiet hier an der Universität bereits über ein Vierteljahrhundert geforscht wird. Dies kommt auch regionalen Energiefirmen wie EWE zugute.

VDI nachrichten: Bei Next Energy sollen in relativ kurzer Zeit bereits 50 Wissenschaftler und zahlreiche Studenten zusammen arbeiten. Was werden die nächsten Ziele sein?

Agert: Unser größter Anspruch an uns selber ist es, ein wertvoller Partner der Unternehmen zu sein, die mit uns zusammenarbeiten. Vor diesem Hintergrund ist es mein Ziel, rasch möglichst viele Ideen aus unserem Institut in erfolgreichen Produkten unserer Auftraggeber wiederzufinden.

M. GROTELÜSCHEN

Von M. Grotelüschen

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