14.07.2000, 17:26 Uhr

Flirt mit der Wissenschaft

100 renommierte Wissenschaftler aus aller Welt trafen sich Anfang der Woche auf der Expo, um mit einem engagierten Publikum über die Technik der Zukunft zu debattieren.

Fußball soll Vorbild für die Wissenschaft werden – jedenfalls in der Vermarktung. Das forderte Bundeswissenschaftsministerien Edelgard Bulmahn zum Auftakt der internationalen Wissenschaftskonferenz, „Global Dialogue Science and Technology – Thinking the Future“, die Anfang dieser Woche auf der Expo in Hannover stattfand.
Bulmahn selbst will künftig mit einem Wissenschafts-Dialog über die Lande ziehen und Marktplätze für Physik und Technik schaffen, die zum Mitspielen einladen. Vielleicht holt sich Deutschland dann in dieser Arena wieder das goldene Trikot, hoffte Fraunhofer-Chef Warnecke.
Die Performance der acht Wissenschafts-Organisationen, die für den international ausgestrahlten „Dialog“ von der Weltausstellung verantwortlich zeichnen, ist schon jetzt deutlich besser als die des deutschen Fußballs. Über 100 international renommierte Wissenschaftler waren geladen, um aus Profi-Sicht mögliche Zukunfts-Szenarien in Hannover vorzustellen. Und die Mehrheit leistete ihren Part mit Bravour: Kurzweilig, allgemein verständlich und offen für Einwände aus dem Publikum, boten sie ihre Thesen dar. Das Publikum wiederum schöpfte seine Rolle voll aus und spornte den Dialog mit Fragen an.
Es war ein Heimspiel zwar für die Wissenschaft, aber eines mit gut informierten Gegenspielern. Gespannt verfolgen sie die geistigen Ausflüge in wissenschaftliche Paradigmenwechsel, zum Beispiel in der Mensch-Maschine-Interaktion. MIT-Professor Neil Gershenfeld prognostizierte, dass dieser Wandel die Gesellschaft insgesamt erfassen werde. Die Informationstechnik (IT) werde sich vollständig vom Computer befreien, Dinge selber „denken“ lassen. Gegenstände würden zu Tools, die jeder nach seinen Bedürfnissen einsetzen könne.
Wohin Technik und Wissenschaft wirklich laufen, blieb ungewiss. Dass sie die Gesellschaft verändern werden, war dagegen allgemeiner Konsens. Denn seit der ersten technischen Revolution spielen sich in regelmäßigen Zyklen dieselben Phänomene immer wieder ab. Rund um Schlüssel-Innovationen formiert sich der wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel. „Die weit reichende Bedeutung der „Pille“ war von mir nicht intendiert“, gestand der Erfinder Carl Djerassi in Hannover. Doch das Verhütungsmittel hat die Gesellschaft insgesamt umorientiert. Frauen leben seit dem selbstbestimmter, mischen Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Politik auf.
Leo Nefiodow, Forscher der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) in Sankt Augustin, erklärte diese Wellen mit Kondratief-Zyklen. „Die Informations-Technologie, in deren Zyklus wir augenblicklich stecken, ist nach Dampfmaschine, Stahlherstellung, E-Technik/Chemie und Automobilien die fünfte der langen Wirtschaftswellen, seitdem es Statistiken gibt.“ Rund um IT konzentriere sich Kapital, Arbeit und Konsum. Doch der Wechsel zu einem neuen Schlüssel-Zyklus künde sich schon an: Die steigende Nachfrage nach Gesundheit ebne der Biotechnologie ihren großen Auftritt. IT hätte den Zenit wohl überschritten, Banken und Industrie investierten in Biotech und Gesundheitsvorsorge.
Das Publikum lauschte gespannt. Man hörte quasi Börsenkurse durch die Köpfe tickern. Doch der eigentliche Besuchermagnet des Global Dialogue waren die Exponate, Forschungsprojekte zum Anfassen und Staunen. Zur Videokonferenz mit der deutschen Forschungsstation in der Antarktis drängte sich ein Pulk von Jugendlichen. So nah wie in dieser „Live ins Eis“-Schaltung schienen sie die Forscher noch nie erlebt zu haben.
Diese sinnlichen Flirts mit Wissenschaft und Technik waren kalkuliert. Sie sollten junge Expo-BesucherInnen für Naturwissenschaft und Technik begeistern. Bewundert würden Forscher ohnehin, behauptete Tony Blairs wissenschaftlicher Chefberater Sir Robert May. Nun müssten Naturwissenschaft und Technik nur noch geliebt werden wie der Fußball. Noch aber fürchtet über die Hälfte die Folgen der Forschung. RUTH KUNTZ-BRUNNER
Die Welt am Draht: Die internationale Wissenschaftskonferenz international ausgestrahlt.

Macher des Global Dialogue

Acht Wissenschaftsorganisationen stehen hinter dem Global Dialogue, den Wissenschaftskonferenzen auf der Expo. Dazu zählen die Fraunhofer- und die Max- Planck-Gesellschaft, die Hermann-von-Helmholtz-Gemeinschaft, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried-Wilhelm-Leibniz, die Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften sowie der Wissenschaftsrat und die Hochschulrektorenkonferenz. Ziel der Dialoge ist es, ein Forum einzurichten, in dem über das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft debattiert werden kann.- RKB

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