Forschung 03.02.2006, 18:42 Uhr

FH-Forschung im Schatten der Universitäten  

VDI nachrichten, Hannover, 3. 2. 06, ws – Die Fachhochschulen sind von der Exzellenzinitiative weitgehend ausgeschlossen. Das wollen viele FH-Professoren nicht kommentarlos hinnehmen. Sie pochen auf angemessene Würdigung der Fachhochschul-Qualitäten.

Welche Hochschule auch immer das Label „Elite“ tragen wird – ein Exzellenzwettbewerb lässt stets Frustrierte zurück. In Deutschland aber schürt die Exzellenzinitiative zusätzlich alte Ressentiments bei Fachhochschulen. Denn sie bleiben Zaungast beim Countdown der Besten.

Doch FH-Professoren prophezeien: Spätestens wenn sich erweise, dass Grundlagenforschung allein der Wirtschaft noch keinen Spitzenplatz erobere, werde man sich wieder an die Exzellenz der Fachhochschulen erinnern. Fachhochschulen und nicht die Universitäten bauten die Brücke zwischen Forschung und wirtschaftlichem Erfolg, betont Wulf Fischer, Gründungsrektor der FH Bonn-Rhein-Sieg. Ihre angewandte Forschung und exzellente Lehre stärke den Mittelstand, Triebkraft deutscher Wirtschaft. Fischer irritiert, dass politische Entscheider nur der Grundlagenforschung selig machendes Exzellenzpotenzial zuwiesen und dass die Lehre, die gute Forschung erst ermögliche, nicht einbezogen werde.

Tatsächlich dürfen sich Fachhochschulen nicht im Alleingang ohne Universitäten beteiligen. Und als Partner in Forschungsclustern waren sie von den Universitäten nicht gefragt. Die liierten sich lieber mit renommierten Forschungszentren, deren Namen bereits Exzellenz verspricht.

„Fachhochschulen haben nicht den Ehrgeiz, zu den zehn deutschen Top-Hochschulen zu zählen“, sagt Nicolai Müller-Bromley, Präsident des Hochschullehrerbundes, Zusammenschluss der Fachhochschul-Professoren. „Dass wir aber weder bei Forschungsnetzwerken, noch bei der Förderung von Graduiertenschulen ins Boot geholt wurden, finden wir unangemessen.“

Geht es ums Prestige? Vielleicht weil der Bologna-Prozess die Studienabschlüsse von Universitäten und Fachhochschulen formal auf gleiche Augenhöhe stellt? Als nicht optimal für die Fachhochschulen wertet Müller-Bromley auch, dass die Begutachtung erst ganz der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstellt war. Denn DFG und Fachhochschulen lebten in unterschiedlichen Kulturen auch Annäherungsversuche der DFG brachten keinen Durchbruch. Während Fachhochschulen stolz darauf sind, Sponsoren für ihre Forschung zu finden, wertet das die DFG als nicht förderungsfähige Auftragsforschung. Was aber in Deutschland unter Auftragsforschung firmiert, betreiben in den USA zum Teil auch Elite-Universitäten.

„Wie im Mittelalter die Zünfte“, etikettiert Reinhard Thümer, Präsident der Technischen Fachhochschule Berlin, das deutsche Kästchendenken. Deutsche Hochschulen verteidigten ihre angestammten Reiche, derweil die internationale Konkurrenz Durchlässigkeit als Wettbewerbsvorteil werte. „Wenn wir an der Fachhochschule herausragende Kandidaten haben, ist es für sie einfacher, im Ausland als an der Nachbaruniversität zu promovieren.“

Leise schürt der Exzellenzhype alten Argwohn. Da hilft auch die Aussicht wenig, dass sich beide Hochschultypen heute beweisen müssten, statt auf Besitzstand zu pochen, wie Detlef Müller-Böling, Chef des Centrums für Hochschulentwicklung, kommentiert. Fusionen lägen ohnehin im Trend, wie Nachbar Holland zeige. Dass dabei einige Fachhochschulen dem Leistungsdruck ganz zum Opfer fallen könnten, scheint durchaus erwünscht. NRW-Innovationsminister Andreas Pinkwart jedenfalls rechnet mit einem Ausleseprozess: Künftig können autonome NRW-Hochschulen auch pleite gehen.

Einstweilen aber erwarten die Fachhochschulen einen Ausgleich für die Exzellenzinitiative – z. B. eine weitere Runde. Auch in angewandter Forschung soll Exzellenz prämiert werden, fordert Alfred Leidig, Präsident der FH Rosenheim. Zumindest erwartet Müller-Bromley mehr Unterstützung: „Im letzten Jahr lag die Förderquote im BMBF-Programm FH3 mangels Mittel unter 10 % das bedeutet, dass nicht einmal jeder zehnte förderungswürdige Forschungsantrag der Fachhochschulen auch gefördert wurde.“ RUTH KUNTZ-BRUNNER

www.hlb.de

Von Ruth Kuntz-Brunner

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