Forschung 17.06.2005, 18:39 Uhr

„F&E-Standort Deutschland ist ohne Alternative“  

Oberflächeninspektion ist ein Wachstumsmarkt. Technologisch gehört Deutschland zu den führenden Ländern. Die Basler Vision Technologies AG in Ahrensburg gehört zu den heimischen Vorzeigefirmen. Wie das Unternehmen künftig wachsen will, erläutert Finanzvorstand Peter Krumhoff.

VDI nachrichten: Herr Krumhoff, Anbieter von Oberflächeninspektion gibt es viele. Was kann Basler besonders gut?

Krumhoff: Wir sind überall dort gut, wo es auf eine sehr hohe Performance ankommt, d.h. komplexe Beurteilungsaufgaben in hoher Auflösung bei hoher Geschwindigkeit zuverlässig zu lösen. Beispielsweise inspizieren wir im Bereich der Herstellung von TFT-Flachdisplays das Rohglas. Fehler ab einer Größe von 15 µm werden bei sehr hoher Geschwindigkeit gefunden und klassifiziert. Das ist die Anforderung, um dem Betreiber vernünftige Rückschlüsse auf die erkannten Fehler zu geben und um einen zuverlässigen Aussortierprozess in die Wege zu leiten.

Die Rechner, die wir in diesen Anlagen betreiben, haben einen Datendurchsatz von bis zu 5 GB pro Sekunde, das entspricht der Datenmenge von 60 DVDs in der Minute.

VDI nachrichten: Wobei nicht die Hochleistungsrechner ihre besondere Expertise sind¿

Krumhoff: In dieser Anwendung differenzieren wir uns neben der Systemkompetenz wesentlich über unsere eigene Bildverarbeitungsrechner-Technologie. Es gibt zurzeit keine im Handel verfügbaren Rechner, die diese Rechenleistung zu den von uns geforderten Zielkosten bereitstellen können. Daher haben wir diese Rechnerarchitektur selbst entwickelt.

VDI nachrichten: Wo stößt Ihre Technologie an Grenzen? Bei einer maximalen Produktionsgeschwindigkeit?

Krumhoff: Aus unserer Erfahrung verschieben sich die Grenzen des Machbaren immer weiter nach oben. Wir bewegen uns als Innovationsführer dabei häufig an dieser Grenze.

VDI nachrichten: Konkurrieren Sie in der Oberflächeninspektion mit anderen Technologien?

Krumhoff: Wo heute eine automatische Kontrolle von Oberflächen erfolgt, ist die Vision Technology das Werkzeug der Wahl. Sie hat sich in den letzten Jahren gegenüber der früher dominierenden Lasermesstechnik durchgesetzt.

VDI nachrichten: Warum brauchen die Anwender dafür Basler? Besteht nicht die Gefahr, dass Ihre Kunden Ihre Technologie integrieren?

Krumhoff: Nein, es ist eher umgekehrt. Wir haben etwa bei der Flachbildschirminspektion eine hersteller-eigene Lösung ersetzt. Vision Technology ist für diesen Kunden zu aufwändig geworden. Er konnte auf diesem Feld mit der technischen Entwicklung nicht Schritt halten.

Die Gefahr der Integration unserer Technologie durch den Endkunden ist also verhältnismäßig gering. Bei unseren OEM-Kunden – typischerweise sind dies Maschinen- und Anlagenbauer – ist die Integration in deren Produkt ausdrücklich erwünscht. In jedem der beiden Fälle bleiben wir der Lösungspartner, entweder für den gesamten Vision-Teil oder für die Komponentenprodukte, wie z.B. Kameras.

VDI nachrichten: Wie wollen Sie wachsen?

Krumhoff: Wir sind da sehr unvoreingenommen. Wir haben die gleiche Affinität zu internem wie zu externem Wachstum. Im Zentrum steht, dass es sich vernünftig rechnen muss. Wir stellen an ein Projekt für einen neuen Geschäftsbereich drei Anforderungen. Erstens soll in überschaubarer Zeit eine prominente Marktposition erreichbar sein. Das muss nicht unbedingt immer die Nummer eins bedeuten. Zweitens muss der Markt ein attraktives Wachstum und eine Technologie-Affinität aufweisen, er darf also nicht zu reif sein. Und drittens muss das Projekt einen Rückfluss auf das eingesetzte Kapital von mindestens 17 % bringen.

VDI nachrichten: Was sind die Anwendungen und Märkte der Zukunft?

Krumhoff: Wir sehen die größeren Chancen in Märkten, in denen das Produkt an sich schon eine verhältnismäßig hohe Wertschöpfung hat wie bei den Flachbildschirmen. Die Potenziale zur Anwendung der Vision Technology sind selbst in dem heute dominierenden Bereich der Massenproduktion bei weitem noch nicht ausgereizt. Wir haben einige Sachen in der Prüfung, aber es wäre noch zu früh, darüber jetzt zu sprechen.

VDI nachrichten: Regen Sie unsere Phantasie doch schon mal ein wenig an…

Krumhoff: Es gibt auch auf anderen Sektoren etliche interessante Anwendungen, zum Beispiel im Gesundheitsbereich. Wir haben eine eigene Einheit im Unternehmen, die sich mit dem Identifizieren und Analysieren von möglichen Anwendungen beschäftigt.

VDI nachrichten: Um neue Anwendungsfelder zu erschließen, könnten Sie auch Firmen zukaufen. In Deutschland gibt es schließlich noch Anbieter wie Isra Vision oder Parsytec…

Krumhoff: Wir sind mit beiden Firmen heute nicht im Wettbewerb. Wir sind auch mit beiden Firmen nicht im Gespräch. Wenn man in ganz verschiedenen Nischen ist und eine andere Technologieplattform hat, ergeben sich häufig unterschiedliche Strategien.

VDI nachrichten: 2004 haben Sie zwei Drittel Ihres Umsatzes mit Produkten erwirtschaftet, die jünger als zwei Jahre waren. Nutzen Sie den Lebenszyklus Ihrer einzelnen Produkte überhaupt aus?

Krumhoff: Der Zyklus würde, wenn man es jedes Jahr so machte, nicht ausgenutzt. Über alle Produkte gesehen, haben wir 2004 natürlich den Lebenszyklus ausgenutzt. Es sind nur sehr viele neue Produkte neu zum Umsatz gekommen. Das macht diesen untypisch hohen Wert aus.

Langfristig gesehen wäre ein Innovationsgrad von 50 % rechnerisch angemessen. Das wird von Jahr zu Jahr schwanken, aber das ist die Richtschnur.

VDI nachrichten: Sie betonen im Geschäftsbericht die hohe Bedeutung Ihrer Zulieferer – warum?

Krumhoff: Ein Merkmal unserer Zielmärkte ist eine relativ hohe Schwankung. Das heißt, wir müssen eine sehr saubere Bestandsführung machen, damit wir keine Überbestände und damit unnötig viel Kapital binden. Da sind wir in enger Abstimmung mit unseren Lieferanten.

VDI nachrichten: Wie abhängig sind Sie von Zulieferern?

Krumhoff: Mit unseren verbauten Elektronikteilen ist eine gewisse Abhängigkeit verbunden. Es gibt eben Bauteile, die einen unsicheren Lebenszyklus haben, zum Beispiel sämtliche Halbleiterbauelemente. Das ist aber Normalität in vielen Märkten. Da kommt es darauf an, alternative Bezugsquellen aufzubauen. Vor allem aber müssen wir, wenn Bauteile abgekündigt sind, sehr schnell eine Umkonstruktion zuwege bringen können. Dann kann man sich große Last-buy-Mengen ersparen, die wieder Kapital binden würden.

VDI nachrichten: Für solche Umkonstruktionen brauchen Sie hoch qualifiziertes Personal. Wie setzt sich Ihre Belegschaft zusammen?

Krumhoff: Rund 40 % unserer Mitarbeiter sind in Forschung und Entwicklung tätig. Dort haben wir einen überwiegenden Anteil an Ingenieuren, sowohl in der Software-Entwicklung als auch in der Elektronik. Wir haben aber auch immer wieder Bedarf an guten Leuten. Eine seltene Disziplin, für uns aber sehr wichtig, ist etwa die der optischen Rechner.

VDI nachrichten: Mit Ihrer Belegschaft haben Sie recht flexible Arbeitszeiten ausgehandelt. Wie hat das funktioniert?

Krumhoff: Wir sind weder in einem Arbeitgeberverband, noch ist unser Betriebsrat gewerkschaftlich orientiert. In diesen verkrusteten, übergeordneten Strukturen könnte unser Unternehmen nicht agieren. Wir haben eine Arbeitszeitregelung, die einen maximalen Satz von 150 Über- bzw. Minus-Stunden vorsieht. In diesem Bereich können wir gut atmen.

VDI nachrichten: Asien ist wichtig als Wachstumsmarkt für Sie. Müssen Sie da nicht noch näher zum Kunden?

Krumhoff: Wir denken natürlich darüber nach, Wertschöpfungsbestandteile näher zum Kunden zu bringen. Wenn eine Sache nahe zum Kunden gehört, dann wird sie da auch erledigt. Dem tragen wir mit unserer heutigen Struktur bereits Rechnung, indem die Funktionen Vertrieb und Service im Wesentlichen vor Ort geregelt sind.

VDI nachrichten: Werden Sie Produktion oder Entwicklung verlagern?

Krumhoff: Im Moment ist das kein Thema. Und wenn es eins würde, wäre es kein Kostenthema sondern eines der Qualifikationen. In Deutschland hat die automatische Bildverarbeitung eine lange wissenschaftliche Tradition. Daher kommen unsere Ingenieure im Wesentlichen aus Deutschland. An den Universitäten im Ausland – mit Ausnahme von Israel und den USA – ist diese Disziplin auch nicht so ausgeprägt. Insofern gibt es zum F&E-Standort Deutschland für uns keine absehbare Alternative. MARTIN VOLMER

Die Basler AG

– Das Ahrensburger Unternehmen setzte 2004 mit 338 Mitarbeitern rund 52,3 Mio. € um. 2005 erwartet Basler einen Umsatz von 48 Mio. € und einen Vorsteuergewinn von 5 Mio. €.

– Basler bearbeitet den Markt für die automatisierte visuelle Oberflächeninspektion mit zwei Bereichen: Vision Systems entwickelt/vermarktet schlüsselfertige Systeme zum Einsatz in der Massenproduktion, z.B. in der Herstellung von DVDs, Folien oder Flachbildschirmen. Der Bereich Components entwickelt und vertreibt hochauflösende, digitale Industriekameras.

– Die Inspektionssysteme erkennen z.B. in der Flachbildschirmfertigung in Produktionsgeschwindigkeit Fehler ab 12mµ Größe. „Das ist so, als ob das menschliche Auge innerhalb von 20 Sekunden eine Fläche von 10 km2 absuchen und alle Fehler ab einer Größe von 1cm² zuverlässig erkennen müsste“, veranschaulicht Krumhoff.mav

www.baslerweb.com

Peter Krumhoff

Der Absolvent der European Business School in Oestrich Winkel verantwortet seit Oktober 2001 als Vorstand die Bereiche Finanzen, Controlling und Investor Relations bei der Basler AG. Davor leitete der 44-Jährige bei der Leica Camera AG den Bereich Controlling & Finanzen.mav

Von Martin Volmer

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