5893 Gaslecks entdeckt 21.01.2014, 09:04 Uhr

Explosionsgefahr: Marode Erdgasleitungen in Washington

Aus veralteten und maroden Leitungen unter der amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. strömt Erdgas in großen Mengen. Wissenschaftler entdeckten rund 5900 Lecks, zwölf davon mit gefährlich hohen Konzentrationen an Methangas. 

An manchen Orten in Washington D.C. strömt Methangas (CH4) aus Lecks in der Erdgasleitung. Während von den allermeisten undichten Stellen keine Gefahr ausgeht, fanden die Wissenschaftler zwölf Einstiegsschächte, in denen die Methangaskonzentration so hoch war, dass Explosionsgefahr herrschte. 

An manchen Orten in Washington D.C. strömt Methangas (CH4) aus Lecks in der Erdgasleitung. Während von den allermeisten undichten Stellen keine Gefahr ausgeht, fanden die Wissenschaftler zwölf Einstiegsschächte, in denen die Methangaskonzentration so hoch war, dass Explosionsgefahr herrschte. 

Foto: Screenshot ingenieur.de/Duke University

Der beunruhigende Zustand des Erdgasnetzes unter Washington D.C. schreckte amerikanische Wissenschaftler und die Öffentlichkeit gleich in zweifacher Hinsicht auf. Ein Forscherteam der Duke University (North Carolina) und der Boston University (Massachusetts) war damit beauftragt worden das Gasleitungsnetz unter der Hauptstadt Straße für Straße abzufahren. Die Fachleute fanden knapp 5900 Lecks. Darunter waren zwölf Einstiegschächte, in denen sich so hohe Konzentrationen an Methangas angesammelt hatten, dass Explosionsgefahr bestand. Die Wissenschaftler informierten „Washington Gas“, den Betreiber des Netzes, über die gefährlichen Lecks. Vier Monate später, nach einer erneuten Überprüfung, war die Gaskonzentration an neun Lecks immer noch hochexplosiv.

2400 Straßenkilometer mit dem Messwagen abgefahren

„Dass wir vier Monate, nachdem wir die Behörden unterrichtet hatten, immer noch gefährliche Konzentrationen an Methan gefunden haben, hat uns doch sehr überrascht“, sagte Umweltwissenschaftler Robert B. Jackson, der Leiter der Studie. Er und seine Kollegen veröffentlichten ihre Ergebnisse nun im Journal Environmental Science & Technology. „Ich will hier keine Panik bei den Menschen schüren, aber wenn diese Lecks endlich repariert würden, käme das der Gesundheit und der Sicherheit der Bevölkerung zugute und würde außerdem Geld sparen“, so Jackson. Nach offiziellen Angaben verursachen kaputte Gasleitungen und Explosionen in den USA jährlich 17 Todesfälle, 68 Verletzungen und Sachschäden in Höhe von 133 Millionen US-Dollar. Wie in vielen anderen Städten tragen auch in Washington die Kunden den Verlust an Gas, der entlang des Leitungssystems entsteht. Gasmengen im Wert von bis zu drei Milliarden Dollar sollen nach Angaben der amerikanischen Energy Information Administration jedes Jahr ungenutzt in die Luft strömen.

Aus manchen Lecks auf Straßenniveau strömten zwischen 9200 und 38.300 Litern pro Tag.

Aus manchen Lecks auf Straßenniveau strömten zwischen 9200 und 38.300 Litern pro Tag.

Foto: Screeshot ingenieur.de/Duke University

Für die Washingtoner Studie war das Team von Robert Jackson, gemeinsam mit dem Unternehmen „Gas Safety“ die 2400 Straßenkilometer innerhalb der Stadt abgefahren. An Bord des Messwagens mit GPS befand sich das hochempfindliche Gasspektrometer „Picarro G2301“, mit dem die Zusammensetzung des Gases ermittelt werden konnte. Im Durchschnitt war die Methangaskonzentration an den undichten Stellen zweieinhalb Mal höher als an unbelasteten Orten der Stadt. An den größten Lecks betrug die Konzentration 89 parts per million, das ist 45 Mal so hoch wie die normale Umgebungsluft. Aus manchen Lecks auf Straßenniveau strömten zwischen 9200 und 38.300 Litern pro Tag, was einem Tagesverbrauch an Erdgas von zwei bis sieben Haushalten entspricht.

Gusseiserne Leitungen sollen durch solche aus PVC ersetzt werden

Völlig überraschend kommen die Gasleitungslecks für die Wissenschaftler allerdings nicht. Schon im vergangenen Jahr hatte eine ähnliche Studie in Boston rund 3300 undichte Stellen erkannt. „Durchschnittlich haben wir ähnlich viele Lecks pro Kilometer in beiden Städten“, so Nathan G. Phillips, Professor an der Universität Boston. „Aber in Washington ist die Methangaskonzentration höher.“ So wie in Boston und Washington gibt es in Amerika viele Städte, die ein veraltetes Leitungssystem haben, dessen Rohre oft noch aus Gusseisen bestehen. Aus einer älteren Studie aus dem Jahr 2009 geht hervor, dass die alten Leitungen zwar nur drei Prozent des Netzes der USA ausmachen, aber für ein Drittel des gesamten Gasverlustes verantwortlich sind.

Aber die Gaslecks mit dem ausströmenden Methan sind nicht nur ein potenzielles Sicherheitsrisiko und Geldverschwendung, sondern sie tragen auch einen nicht unerheblichen Anteil zur Umweltbelastung bei. Methan gehört zusammen mit Kohlendioxid, das wesentlich häufiger vorkommt, zu den Treibhausgasen. Dabei ist Methan wesentlich klimawirksamer und trägt speziell in Metropolen zusammen mit anderen Luftschadstoffen zur Bildung von Ozon bei.

„Washington Gas“ wollte sich bislang zur Studie nicht äußern. Eric Grant, ein Unternehmenssprecher, betonte aber, dass Washington Gas auf jede Meldung von Gasgeruch sofort reagieren würde, „sieben Tage die Woche, 24 Stunden täglich, 365 Tage im Jahr“. Tatsächlich wäre es unrealistisch zu behaupten, dass es in einem Leitungsnetz von über 20.000 Kilometern keine undichten Stellen gebe, so Grant. Die alte Infrastruktur in Washington sei eine Herausforderung. Washington Gas ist zurzeit damit beschäftigt, die Verbindungsstücke innerhalb des Gasleitungsnetzes auszutauschen. Auch die gusseisernen Röhren sollen nach und nach durch PVC-Röhren ersetzt werden.

Von Gudrun von Schoenebeck Tags: ,
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