Gift zerstört Organe 28.10.2015, 12:19 Uhr

Endlich: Forscher finden Methode Quecksilber sicher zu entfernen

Mehr als 1000 Tonnen Quecksilber gelangen jährlich in die Atmosphäre. Das flüssige Schwermetall reichert sich in Gewässern und Böden, sodass es von Tieren aufgenommen wird. Damit wird es zur Gefahr für den Menschen. Aus Schwefel und Abfällen der saftverarbeitenden Industrie haben Forscher eine Art Schwamm entwickelt, der das Gift aufsaugt und nicht mehr hergibt. 

Ein Kind zeigt seine Hände in der Goldmine Poushgin in Zorgho in Burkina Faso. Mit Henna versuchen die Kinder die Haut zu schützen, die durch das Arbeiten mit Quecksilber stark in Mitleidenschaft gezogen werden. 

Ein Kind zeigt seine Hände in der Goldmine Poushgin in Zorgho in Burkina Faso. Mit Henna versuchen die Kinder die Haut zu schützen, die durch das Arbeiten mit Quecksilber stark in Mitleidenschaft gezogen werden. 

Foto: Jens Kalaene/dpa

Wenn man die Schalen von Zitrusfrüchten knickt spritzt eine Flüssigkeit heraus, die brennt, wenn ihr Ziel eine Kerzenflamme ist, ein beliebtes Spiel nicht nur von Kindern. Genau diese Flüssigkeit wird künftig helfen, eins der größten Umweltprobleme zu lösen: die zunehmende Verseuchung von Wasser und Böden durch Quecksilber.

Forscher der Flinders University in South Australia haben daraus eine Art Schwamm entwickelt, der das Gift aufsaugt und nicht mehr hergibt, selbst dann nicht, wenn Wasser darüber fließt. Zweiter Bestandteil des Materials ist Schwefel. Beides sind Abfälle, die die saftverarbeitende Industrie und Raffinerien entsorgen müssen. Jährlich fallen tausende Tonnen Schalen von Zitrusfrüchten und Millionen Tonnen Schwefel an, der weitgehend aus Treibstoffen entfernt werden muss.

Quecksilberentferner ähnelt einem Radiergummi

Justin Chalker, Dozent für Chemie an der Flinders University, der das Forscherteam leitet, nennt das Material nach seinen Inhaltsstoffen Schwefel-Limonen-Polysulasulfid (Sulfur-Limonene-Polysilfid, kurz SLP). Wobei Limonene die Flüssigkeit aus den Schalen von Zitrusfrüchten ist. „Um SLP herzustellen schmelzen wir Schwefel und fügen das ätherische Öl aus Limonenschalen hinzu“, sagt Chalker. Die Flüssigkeit, die eine Temperatur von mindestens 115 °C hat, lässt sich in Formen gießen oder auf Unterlagen sprühen. Nach dem Erkalten hat sie eine radiergummiähnliche Konsistenz.

Der australische Chemiker Chalker (li.) und sein Mitarbeiter Max Worthington präsentieren SLP, eine Substanz, die Quecksilber bindet.

Der australische Chemiker Chalker (li.) und sein Mitarbeiter Max Worthington präsentieren SLP, eine Substanz, die Quecksilber bindet.

Foto: Flinders University

Bei der Einlagerung von Quecksilberatomen verfärbt sich das Material, das anfangs rot ist, hin zu gelb. Das ist ein Zeichen dafür, dass es gesättigt ist und durch frisches SLP ersetzt werden muss. Wegen der signifikanten Farbänderung kann das Material auch genutzt werden, um verdächtige Böden und Gewässer auf Quecksilberverseuchung zu überprüfen.

Mit Quecksilber verseuchtes Wasser gibt es vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern

Chalkers Team hat SLP an Wasser aus Flüssen und Seen getestet. Außerdem überprüfte es Bodenproben, die mit Wasser versetzt waren. Dass mit Quecksilber gesättigte SLP muss als Sondermüll gelagert werden. Derzeit suchen die Australier nach einem Industriepartner, mit dem sie SLP zur Serienreife bringen können.

Quecksilberverseuchtes Wasser gibt es vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern. Doch auch in Deutschland gibt es hin und wieder Alarm, beispielsweise im Bodenseegebiet. Das flüssige Schwermetall, das Organe zerstört und das Gehirn angreift, wird vor allem bei der Verbrennung von Kohle frei. In Deutschland waren es 2012 rund sieben Tonnen. Weltweit waren es nach Angaben der Vereinten Nationen 1960 Tonnen, eine Zahl aus dem Jahr 2010.

Goldschürfer und Kraftwerke sind Hauptverursacher

Hauptverursacher mit 37 % sind kleingewerbliche Goldschürfer. Sie waschen das Edelmetall mit Quecksilber aus dem Gestein. Nachdem das Gift verdunstet, also in die Atmosphäre gelangt ist, liegt reines Gold vor. Zweitwichtigste Verursacher sind Kraftwerke vor allem in China und Indien, die die meiste Kohle verbrennen.

Von Wolfgang Kempkens

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