Forschung 14.04.2000, 17:25 Uhr

Einschlagende Geistesblitze in erfolgreiche Produkte umgeleitet

Ideen haben sie reichlich. Doch es mangelt am Know-how zur Umsetzung. Mittelständler ohne eigene F&E-Abteilung verlieren den Innovationswettlauf gegen Großbetriebe. Rückenwind gaben bisher nur Technologie-Transferstellen. Jetzt gibt es Zusatzangebote.

Der Klappmechanismus unseres kleinen Büroflur-Flitzers sollte einfach, robust und funktional sein. Wir hatten schon genaue Vorstellungen – zumindest in der Theorie. Bei der Umsetzung aber haperte es.“ Kein Mitarbeiter der Hudora GmbH konnte das Problem einer einfachen Demontage ihres neuen Minirollers lösen. „Immer bestand die Gefahr, dass sich der Nutzer irgendwie klemmt“, erinnert sich Evelyn Dornseif, Geschäftsführerin des Roll- und Schlittschuhherstellers. Es mangelte an mechanischem Know-how – die Remscheider lassen seit Jahren ausschließlich in Fern-Ost fertigen.
Viele kleine und mittelständische Unternehmen teilen das Schicksal der Hudora GmbH. Zwar haben sie viele wettbewerbsfähige Ideen, deren Realisierung aber scheitert an technischen Problemen. Und eine eigene F&E-Abteilung können sie sich nicht leisten. Da ist guter Rat teuer, oder?
„Nein, das muss nicht sein.“ Dass es auch kostengünstig und nebenbei schnell geht, beweist der „heiße Draht zu Innovationsexperten“: Prof. Dr.-Ing. Reinhard Zulauf und sein Team der Stiftung Innovation entwickelten eine Kontaktbörse für Wissenschaft und Wirtschaft: „Der iXpertFinder ist eine für jeden zugängliche Internet-Datenbank. Etwa 4000 Experten sind gespeichert. Dabei handelt es sich um Hochschullehrer, die auf dem Gebiet der Innovation von Produkten und Fertigungsprozessen sowie der Optimierung von organisatorischen Abläufen weit reichende Kenntnisse besitzen.“
Die Nutzung des Zulauf-Angebots ist unkompliziert. Hilfesuchende Firmen können nach Aufruf der Webseite (www.ixpertfinder.de) nach fachlichen und gegebenenfalls regionalen Kriterien selektieren. „Wir haben verschiedene Suchbegriffe eingegeben“, erinnert sich Dornseif. „Die Ergebnisse waren aber zu wenig konkret. Wir haben dann bei der Stiftung angerufen. Die haben uns umgehend mit der Universität Wuppertal verbunden. Prof. Dr.-Ing. Horst-W. Grollius aus dem Fachbereich Maschinentechnik hat sich des Problems angenommen. Bereits eine Woche später hatten wir Konstruktionsskizzen auf dem Schreibtisch. Erste Prototypen sind fertig. Die Serienproduktion wird vorbereitet.“
Dornseif ist von dem Service der Bochumer überzeugt. „Unternehmensberatungen sind zu kompliziert oder zu theoretisch. Hier ging es ohne Umwege an die Lösung des Problems. Und preiswerter ist die Stiftung sowieso.“ Erst beim Abruf konkreter Expertenadressen wird ein Kosten deckendes Nutzungsentgelt berechnet. Für 150 Euro können bis zu drei Ansprechpartner zu Rate gezogen werden. Teurer ist die „VIP-Suche“: 500 Euro muss berappen, wer nicht selbst aktiv wird sondern erfolgreich suchen lässt. Dornseif: „Guter Rat ist eben teuer. Schlechter Rat ist aber noch teurer.“ Derzeit überlegt Hudora, ein weiteres Problem in die Mühlen des iXpertFinders zu geben.
Seit August vergangenen Jahres ist der „Expertenfinder“ regulär in Betrieb. Bereits knapp 1000 Fachleute konnten vermittelt werden. „Damit sind wir aber noch nicht zufrieden“, räumt Zulauf ein. „Der Bedarf nach Beratung im Mittelstand ist unserer Einschätzung nach viel größer. Wir müssen noch kräftig Berührungsängste abbauen – auch auf der Seite der Professoren. Da ist noch ein dickes Brett zu bohren.“

Wissensaustausch bietet Vorteile für beide Seiten

Dabei bietet der Service für beide Parteien Vorteile. „Die Unternehmen bekommen praktikable Lösungen zu günstigen Konditionen.“ Visionen können schneller umgesetzt, ein Marktvorsprung realisiert werden. „Die Professoren behalten auf einem praktischen Untersuchungsfeld den Draht zur Wirtschaft. Außerdem können sie ihre Studenten mit interessanten Aufgabenstellungen und Diplomarbeitsthemen versorgen.“ Finanziell soll sich das Engagement auch lohnen. „Es wäre blauäugig zu glauben, es ginge ganz ohne Bezahlung.“ Die Unterstützung der Wirtschaft zähle nicht zu den originären Aufgaben der Hochschullehrer. „Sie ist eine Nebentätigkeit, die in der Freizeit erbracht werden muss.“ Je nach Aufgabe und Marktlage seien Honorare zwischen 250 Euro und deutlich über 1000 Euro pro Manntag denkbar.
„Wir wollen keine Konkurrenz zu Technologie-Transferstellen sein“, erklärt Zulauf. „Wir wollen mit ihnen kooperieren. Die unterschiedlichen Institutionen sind herzlich eingeladen, unser Werkzeug zu nutzen.“ Der iXpertFinder habe gegenüber der traditionellen Vermittlung an Universitäten entscheidende Vorteile: „Der Unternehmer tritt nicht als Bittsteller, sondern als Kunde auf. Er kann von vornherein davon ausgehen, dass die kontaktierte Person zur Kooperation bereit und befähigt ist. Außerdem bleiben seine Pläne geheim. Nur der Experte erfährt von seinem Vorhaben. Keine Verwaltung ist zwischengeschaltet.“
Das Angebot klassischer Transferstellen erweitern will auch das Projekt „Technologie-hunter“ der Unternehmensberatung von Braunschweig & Partner, Genf/Köln (www.technology-transfer.de). „Die in Deutschland bisher bestehenden Angebote vertreten in der Regel bestimmte Regionen oder Institutionen“, so Dr.-Ing. Georg H. von Braunschweig. „Sie sind weniger nach Spezialgebieten als nach regionalpolitischen und institutionellen Gesichtspunkten geordnet.“ Hilfesuchende würden hauptsächlich an die nächstgelegene Hochschule oder Forschungseinrichtung verwiesen. Eine kundenbezogene, optimale Lösung werde nicht immer gefunden. „Wir hingegen agieren unabhängig, europaweit und sind nur dem Unternehmer verpflichtet. Unsere Consultants bedienen sich ihrer nationalen und internationalen Kontakte sowie ihres Verständnisses von industrieller Praxis. Dienlich ist ihnen dabei unsere aus langjähriger Erfahrung entwickelte Datenbank.“
In Deutschland hat der Technologie-hunter – anders als in der Schweiz – bisher keinen Experten vermitteln können. „Noch sondieren wir den Markt“, erläutert Dr.-Ing. Hermann Hildenbrand, Partner bei von Braunschweig. Per Direktansprache sowie bei Seminaren in Kammern und Verbänden solle noch für das Konzept geworben werden. Die Kosten des Services werden mit rund 1000 Euro pro Manntag beziffert. Darin enthalten seien sowohl die Vermittlungsgebühren als auch die Expertenhilfe selbst. Zweifel am Erfolg ihrer Dienstleistung haben die Berater nicht. „Der Bedarf in Deutschland an zielgenauer und kundenorientierter Wissens-Vermittlung ist riesig.“
Brandneu ist das Angebot der Berliner Technology Mall (http://www.technologymall.com ). „Wir sind eine Kontaktbörse für Technologienehmer und -geber“, erklärt Vorstand Dieter Schinagel. „Nach Eingabe des betreffenden Industriesektors und eines Schlüsselbegriffs durchsuchen wir unsere Datenbank. Gespeist wird sie von verschiedenen Organisationen, etwa den Fraunhofer Instituten oder dem National Center for Manufacturing Sciences, USA.“ In der Startphase sind knapp 100 Erfindungen abrufbar. „Bis Mitte des Jahres soll der Bestand auf etwa 1000 anwachsen.“ Ideenlieferanten zahlen für ihre Offerte pro Quartal zwischen 200 und 400 Dollar. „Für die Abnehmer entstehen erst Kosten, wenn sie Detailinformationen abrufen.“ Einen groben Überblick gibt es gratis. „Für das Abfragen von Kontaktadressen, Bildern und Konstruktionsskizzen berechnen wir bis zu 100 Dollar.“ STEFAN ASCHE
Eine Auflistung verschiedener Technologie-Transferstellen ist im Internet abgelegt unter der Adresse: http://de.dir.yahoo.com/Handel_und_Wirtschaft/Wirtschaftsfoerderung/Technologietransfer/
Getroffen – und nun? Mittelständlern mangelt es nicht an Geistesblitzen. Was fehlt ist das Know-how zur Umsetzung. Neue Angebote helfen unabhängig und unbürokratisch.

Ein Beitrag von:

  • Stefan Asche

    Stefan Asche

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: 3-D-Druck/Additive Fertigung, Konstruktion/Engineering, Logistik, Werkzeugmaschinen, Laser

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