Industrie 09.04.2010, 19:46 Uhr

Einfallsreiche Unternehmen zeigen in Hannover überraschende Neuentwicklungen  

Diesmal lohnt es sich umso mehr, auf der Hannover Messe vom 19. bis 23. April genauer hinzuschauen. Zwischen den 4000 vom Veranstalter angekündigten Innovationen werden einige sein, mit denen die Aussteller in neue Märkte vordringen wollen. Jetzt zeigt sich, wie die freien Entwicklungskapazitäten in den vergangenen Monaten genutzt wurden. VDI nachrichten, Düsseldorf, 9. 4. 10, ciu

Es klingt banal und könnte sich dennoch als Trend erweisen. „Unsere Entwickler hatten noch Kapazitäten für ein neues Produkt“, sagte kürzlich Jörg Westhoff, Geschäftsführer von Igel Elektronik, bei einer Präsentation in Karlsruhe. So hat der Hersteller von Antriebs- und Mittelspannungstechnik einen kontinuierlichen kathodischen Korrosionsschutz entwickelt, der z. B. für Gasleitungen eingesetzt werden kann.

Die Entwickler hatten beobachtet, dass beim aktiven Schutz gegen Sauerstoffkorrosion bisher entweder mit einer Opferanode oder Fremdstrom gearbeitet wird. Dabei muss die Opferanode regelmäßig erneuert werden und auch der Gleichstrom wird bisher in festgelegten Abständen an wechselnde Bedingungen angepasst, um die Ionenwanderung und damit Korrosion gezielt zu verhindern.

„Die Steuerungstechnik, mit der auf Veränderungen der Verhältnisse reagiert werden kann, ist der in der Antriebstechnik sehr ähnlich“, stellte Westhoff fest. Außerdem konnten Leistungskomponenten aus der Antriebstechnik genutzt werden. Um sich von Wettbewerbsprodukten zu unterscheiden, sollte damit ein Schutzstromgerät entwickelt werden, welches durch Zusatzfunktionen einen Mehrwert für Kunden bietet und das sich in Leit- und Kommunikationstechnik einbinden lässt, um den Serviceaufwand vor Ort zu vermeiden.

Das Ergebnis ist ein robustes Gerät, das automatisch Vergleichsmessungen vornimmt und den Strom entsprechend regelt sowie weitere Regelungsmöglichkeiten erlaubt. „Wir können damit schnell auf wechselnde Umgebungsbedingungen reagieren. Gleichzeitig ist ein Fernzugriff über GSM/GPRS-Funkmodule oder RS232/RS485-Schnittstellen möglich“, freut sich der Igel-Geschäftsführer. Auf Wunsch könne das Schutzstromgerät IKS-D inzwischen auch als Komplettlösung im Schaltschrank geliefert werden. Westhoff: „Das erleichtert die Inbetriebnahme vor Ort.“

Zur Hannover Messe im April soll das Gerät nahezu fertig entwickelt sein. „Wir gehen davon aus, dass eine Serienproduktion innerhalb von drei Monaten möglich ist“, sagte der Firmenchef auf Anfrage.

Etwas komplett Neues will auch Igus aus Köln mit seinem Gelenkbaukasten für humanoide Roboter zur Hannover Messe zeigen. Der Hersteller von Energieführungssystemen und Gleitlagern verknüpft seine Kompetenz in Hochleitungspolymeren jetzt mit intelligenter Steuerungstechnik. „Wir werden in Hannover elastische Arme zeigen, in die Magnetsensoren zur Winkelpositionsmessung der Gelenke integriert sind. So lassen sich Funktionen an einem Leichtbauroboter sofort ,teachen“, ohne dass ein Programm geschrieben werden muss“, erklärte Frank Blase, Geschäftsführer des Unternehmens.

Die Elastizität, die Leichtigkeit und die Möglichkeit des zentralen Antriebs sei eine echte Neuheit auf dem Gebiet der Low-cost-Robotik. Bewegt werden die Mehrachsgelenke aus tribologisch optimiertem Kunststoff über Seilzüge, die in der Führung verschleißtechnisch weiterentwickelt wurden. Hinzu kommen neue Materialien für die Arme – je nach Anwendungsfall Kohle-, Glasfaser oder Aluminium. Auch wurde der Übergang vom Gelenk zum Arm angepasst. Ein bionisch gestaltetes Innenprofil unterstützt die Drehmomentübertragung.

Flexibler Robotereinsatz ist ebenfalls Thema beim Lagerspezialisten SSI Schäfer, Neunkirchen: „Unser Kommissioniersystem ,Robo Pick“ hat auf der Hannover Messe Premiere in Deutschland und ist ein technisches Highlight“, betonte Markus Schlagbauer, Produktmanager beim gleichnamigen Tochterunternehmen in Graz. Dabei handele es sich um ein Kommissioniersystem, das eine enorme Vielfalt an Artikeln unterschiedlichster Größe, Form und Gewicht bis zu 60 kg in kürzester Zeit präzise kommissioniere. Zudem sei das System in fast jeder Branche einsetzbar.

„Der Robo Pick leistet bis zu 2400 Picks bzw. Stück pro Stunde, während herkömmliche Systeme weniger als die Hälfte bewältigten“, ergänzte Schlagbauer. In weniger als 1 s identifiziere die Bildverarbeitungszelle beim Blick in ein vorbeifahrendes Tablar mit Artikeln die Position der zu kommissionierenden Waren und steuere den universellen Pickroboter. Schlagbauer: „Die Artikel werden sofort gemäß Bestellanforderung schonend in den entsprechenden Behälter kommissioniert. Dabei können je nach Auftragsstruktur 10 bis 20 Aufträge gleichzeitig bearbeitet werden.“ Darüber hinaus reduziere das System die Fehlerrate der Pickquote gegenüber der manuellen Kommissionierung um den Faktor 10 bis 100, hebt man bei SSI Schäfer hervor. Ein weiterer Vorteil: „Der Greifer des Roboters lässt sich entsprechend den Anforderungen der zu kommissionierenden Waren austauschen“, erläuterte der Produktmanager. Dem Einsatz des Robo Picks seien damit kaum Grenzen gesetzt – und auch der Mensch werde entlastet.

M. CIUPEK/D. KIPPELS

 

Von M. Ciupek/D. Kippels

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