Forschung 18.07.2008, 19:36 Uhr

Einblick in die Lebenswelt der Ozeane  

VDI nachrichten, Berlin, 18. 7. 08, has – Einen touristischen Boom soll das neue avantgardistische Ozeaneum in Stralsund in der Region auslösen. Das Museum zeigt das Leben in Nord- und Ostsee, die Bedrohung der Meere durch den Menschen zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die Ausstellung. Ein Abschnitt wurde in Zusammenarbeit mit Greenpeace erstellt.

Zur Eröffnung des Ozeaneums in Stralsund am vergangenen Wochenende ist oft der Begriff „Bilbao-Effekt“ gefallen. Gemeint ist damit die Hoffnung, dass die neue, architektonisch auffällige Filiale des Deutschen Meeresmuseums auf der Hafeninsel – direkt an der Stralsunder „Waterkant“ – der geschichtsträchtigen, aber wirtschaftsschwachen Hansestadt einen ähnlichen Boom verschaffen möge wie vor Jahren das hypermoderne Guggenheim-Museum der baskischen Metropole.

In den ersten Tagen nach der Eröffnung geben die langen Warteschlangen vor dem Eingang des 60 Mio. € teuren Neubaus dieser Hoffnung weitere Nahrung. Das Meeresmuseum, dessen Schätze seit 1951 in einer ehemaligen Klosterkirche in der Altstadt gezeigt werden, gehört schon jetzt zu den Publikumsmagneten unter den deutschen Museen. 600 000 Besucher pro Jahr werden gezählt. Nachdem nun das vom Stuttgarter Büro Behnisch Architekten geplante Ozeaneum hinzugekommen ist, dürften es künftig durchaus noch mehr werden.

Der Vergleich mit Bilbao hat aber auch in ästhetischer Hinsicht seine Berechtigung. Beide Museen ähneln sich durch ihre Einfügung in ein früheres Gewerbeumfeld, und beide Museen zeichnen sich durch eine Außenhaut aus, die sich wie ein breites, gewundenes Band um organisch geformte Säle im Inneren legen. In Stralsund spielt das Motiv deutlich auf die Lage des Hauses am Hafen an, wo es sich zwischen ehemalige Lagerhäuser aus Backstein zwängt. Die Form des Gebäudes erinnert an Wellen, die sich um einen Felsen brechen.

Hinter der weißen Schale aus Stahlplatten verbergen sich vier Teilgebäude, die durch Brücken, Rolltreppen und Durchgänge verbunden sind. Auf seinem Rundgang kreuzt der Besucher immer wieder das von einem Glasdach abgedeckte Atrium.

Der Rundgang beginnt mit zwei Sälen, die auf vergleichsweise konventionelle Weise einen Einblick in die Lebenswelt der Ozeane und, entsprechend dem thematischen Schwerpunkt des Ozeaneums, der Ostsee geben. Infotafeln und lebendig gestaltete Dioramen schildern die Bedeutung der Meere für das Leben auf der Erde. Von Anfang an ist ein ökologischer Ansatz spürbar, die Bedrohung der Meere durch den Menschen durchzieht als Thema die gesamte Ausstellung.

Über eine Brücke gelangen die Besucher dann in die beiden Gebäudeteile, in denen insgesamt 39 Großaquarien mit Fischen, Krebsen und Pflanzen aus Nord- und Ostsee zu sehen sind. Sie sind derzeit zum Teil noch im Aufbau.

Die Aquarien sind der Clou des Ozeaneums. Das Besondere ist, dass sie nicht, wie viele andere Einrichtungen dieser Art, den Blick auf exotische Fische aus fernen Gewässern richten, sondern im Detail genau die Lebensräume vorstellen, die vor den deutschen Küsten existieren. Das beginnt schon mit dem Hafenbecken von Stralsund: Ein 126 000 l fassendes, 3,60 m hohes Aquarium rekonstruiert das kleine Ökosystem, das sich unmittelbar vor dem Museum selbst befindet – einschließlich der Eichenpfähle, die der Mensch zur Gründung des Museums in den Meeresboden getrieben hat, und eines verrostenden Fahrrads, das irgendwann einmal im Hafenbecken gelandet ist. Dazwischen wühlen sich kleine Flundern in den Sand, Strandkrabben, Schollen, Aale und Flussbarsche bevölkern das Becken.

Die flachen Gewässer der Bodden, das Schärenmeer in der nordöstlichen Ostsee oder das Kattegat, in dem sich Ost- und Nordsee treffen, sind in solchen Aquarien dargestellt. Hier wird für den Besucher begreifbar, worin der Reichtum der vor unserer eigenen Haustür gelegenen Meere besteht. Und darin ist das Ozeaneum in der Tat einzigartig.

Die „Riesen der Meere“ stehen am Ende des Rundgangs, ein Abschnitt der Ausstellung, der in Zusammenarbeit mit Greenpeace gestaltet wurde. Das lebensgroße Modell eines riesigen Pottwals, das unter die Decke gehängt wurde und über mehrere Stockwerke reicht, dominiert die Halle. Symbolisch steigt der Besucher hinab auf den Meeresgrund. Lichtspiele an der Decke stellen die Meeresoberfläche dar, aus Lautsprechern gluckert das Wasser und erklingen Walgesänge. Das ist recht gefühlig, aber ganz nebenbei erfährt man z. B., dass die größten Pflanzen im Meer bis zu 60 m hohe Braunalgen sind, die pro Tag 30 cm bis 60 cm wachsen können. Sie heißen Kelp, man findet sie überwiegend im Pazifik.

Die Meere stecken voller Sensationen. Mit dem Ozeaneum haben sie ein neues, prächtiges Schaufenster bekommen. JOHANNES WENDLAND

Ozeaneum auf der Hafeninsel in Stralsund, ganzjährig geöffnet von Montag bis Sonntag, 9.30 Uhr bis 19 Uhr, von Juni bis September bis 21 Uhr.

 

Von Johannes Wendland

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