Forschung 02.04.1999, 17:21 Uhr

Ein Tag im 21. Jahrhundert

In der Ausstellung „Zukunft leben“ bietet die Fraunhofer-Gesellschaft eine Zeitreise in das Jahr 2020. Der Besucher trifft echte Forscher, virtuelle Haifische und sympathische Roboter.

Schon im Foyer des Deutschen Museums locken Objekte der Fraunhofer-Forscher die Besucherscharen an: Eine merkwürdig, silbrig glitzernde Autokarrosserie weckt die Neugier. Nur ein genauer Blick entlarvt das Geheimnis dieser neuartigen Aluminium-Konstruktion des Cabrioherstellers Karmann.
Einige Teile bestehen aus Aluminiumschaum. Diese neuen Metallschäume wurden am Bremer Fraunhofer-Institut für Angewandte Materialforschung entwickelt. Die leichten, aber extrem steifen Materialien könnten ein altes Dilemma im Fahrzeugbau lösen. Die Autos der Zukunft sollen gleichzeitig leicht und stabil, sparsam und sicher sein.
Ein riesiges Display mit über 100 000 winzigen Leuchtdioden weist den Weg zur Sonderausstellung. Diese weltweit einzigartige Hinweistafel deutet die Zukunft der Beleuchtung an. Denn Edisons alte Glühbirne wird in wenigen Jahren durch Leuchtdioden ersetzt werden. Möglich wurde diese kalte Beleuchtungstechnik, die Lichtdesignern völlig neue Möglichkeiten eröffnet, durch eine Erfindung aus dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF.
Rot-, grün- oder gelbgrün-leuchtende LEDs gibt es schon länger. Nun können auch weiße Leuchtdioden einfach hergestellt werden. Das IAF kombinierte dazu eine blaue LED mit gelben Leuchtstoffen. Die Mischung von blauem und gelbem Licht ergibt Weiß. Während Glühlampen mehr Wärme als Licht erzeugen, wandeln Leuchtdioden Strom direkt in Licht um. Sie sind klein, leicht, robust, langlebig und leistungsstark. Bei einer Lebensdauer von etwa 100 000 Stunden leuchten sie selbst bei 24-Stunden- Betrieb länger als zehn Jahre.
Bevor sich der Besucher auf die Zeitreise aufmacht, demonstrieren Roboter, welche Bequemlichkeiten die Zukunft bietet. Ein Tankroboter füllt automatisch den Tank eines Autos und ein Sektroboter schenkt auf Knopfdruck Sekt aus. Dieser automatische Kellner ist bei den Besuchern besonders beliebt, nicht nur wegen der kostenlosen Getränke, sondern weil er so präzise die Gläser füllt, aufräumt und zwischendurch mit dem Staubwedel alles schön putzt.
So angeheitert, wagen sich die Gäste mutiger auf die Reise in die Zukunft. Futuristisch gekleidete Stadtführer empfangen die Gäste zur Sigth-seeing-Tour. Doch zunächst müssen sie einen Zeittunnel durchqueren. Auf der anderen Seite erwartet sie dann die Silhouette einer Stadt im Jahr 2020. Die geschulten Stadtführe begleiten die kleinen Gruppen auf dem Weg durch die verschiedenen Sphären der Alltagswelt.
Es beginnt mit dem Leben zu Hause: Die Besucher erfahren, mit welchen Techniken Wohnungen, Gesundheitszentren und Büros von morgen ausgestattet sein könnten. Fenster denken mit und färben sich ein, wenn im Sommer zuviel Sonnenstrahlen eindringen könnten – eine Sonnenbrille für Häuser und Fassaden.
Neuartige Hochleistungssolarzellen versorgen Handys und andere Kleingeräte mit Strom. Oder der Zugang zu Häusern und Sicherheitszonen in Gebäuden: Ein Wort, und die Tür öffnet sich. Bio-ID untersucht Gesicht und Stimme des Besuchers und läßt nur Zugangsberechtigte herein. Nie mehr den Hausschlüssel vergessen, nie mehr Sorge vor Türschloßknackern.
Bei der Führung durch den Alltag werden immer konkrete Fraunhofer-Projekte dargestellt, die schon jetzt – etwa als Prototyp – realisiert sind, aber vermutlich erst in einigen Jahren Eingang in unseren Alltag finden werden. „Die Exponate werden im Rahmen einer spannenden Geschichte präsentiert, die den roten Faden für die Führung bildet“, erläutert Birgit von zur Mühlen, Abteilungsleiterin Öffentlichkeitsarbeit.
Während die Forschungsprojekte reale Prototypen zum Ausprobieren sind, besteht die Stadt der Zukunft nur aus Kulissen und projizierten Bildern. „Wie die Zukunft wird, wissen wir nicht, das weiß niemand“, erklärt Prof. Hans-Jürgen Warnecke, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, „aber wir zeigen an konkreten Entwürfen und Prototypen, wie sie sein könnte.“ Der Blick in die Zukunft soll einen Vorgeschmack auf Entwicklungen des nächsten Jahrhunderts geben. „Wir müssen uns damit befassen, was auf uns zukommen könnte. Denn nur dann können wir Zukunft gestalten, können entscheiden, welche Entwicklung wir wollen und welche nicht“, so Warnecke. Die Beispiele der Fraunhofer-Forschung werden mit Unterstützung der Partner aus der Industrie präsentiert, denn all diese Zukunftsprojekte werden in wenigen Jahren marktreif sein.
Ein besonderes Highlight der Ausstellung ist die Cave (Cave Automated Virtual Environment) – ein zimmergroßer Würfel, auf dessen Wände virtuelle Welten projiziert werden. In der Cave können sich mehrere Menschen gleichzeitig in dreidimensionalen Bildern bewegen. Sie können die einmaligen Höhlen im chinesischen Dunhuang – ein Weltkulturerbe, das vom Zerfall bedroht ist – besichtigen, die Unterwasserwelt der Ozeane erforschen und dort virtuellen Haifischen begegnen oder die Montage von Automobilen verfolgen.
Ein anderes Highlight der Ausstellung ist eine CMOS-Kamera: Sie erreicht eine bislang unbekannte Helligkeitsdynamik. Der neuartige Kamerachip kann eine Million verschiedene Helligkeitsstufen unterscheiden und liefert hervorragende Bildkontraste. Für die Entwicklung dieser Kamera werden die Fraunhofer-Forscher im Juni den Philip-Morris-Forschungspreis erhalten.
Wer mehr über virtuelle Welten wissen will, kann auch direkt die Forscher befragen. Er kann aber auch in der Cave in virtuellen Welten versinken und im Ozean zwischen Haien und Kugelfischen schwimmen. Er sollte nur aufpassen, daß er rechtzeitig wieder in den Time-Tunnel steigt, denn schließlich wartet draußen im Jahr 1999 wieder die reale Welt.
FRANZ MILLER
Flexibel, kommunikativ und digital soll das Büro der Zukunft sein. Hierarchien werden abgelöst durch Prozesse der Wissensverarbeitung.
Hans-Jürgen Warnecke, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft: „Wir zeigen die Zukunft, wie sie sein könnte.“

Von Franz Miller
Von Franz Miller

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