Forschung 24.10.2003, 18:27 Uhr

Ein ideales Sprungbrett für ambitionierte Forschergeister

Ihre Einrichtungen sind für die Mitarbeiter meist nur Durchgangsstationen. Ebenso klar aber ist: Sie sind hervorragende Sprungbretter.

Der Münchner Gelehrte Joseph von Fraunhofer (1787-1826) wäre begeistert gewesen, hätte der Namenspatron der Forschungsgesellschaft am vergangenen Montag gesehen, wie viele angehende Physiker und Ingenieure an einer Mitarbeit in „seinen“ Instituten interessiert sind.
Das war allerdings nicht immer so. Anfang der 90er Jahre, als die Zahl der Ingenieurstudenten rapide in den Keller ging, „haben wir die Selektionskriterien stark herunterschrauben müssen“, um überhaupt noch Nachwuchs zu bekommen, berichtete Prof. Reinhart Poprawe, Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT. Die Forschungseinrichtung darf sich inzwischen ebenso wie ihre beiden Aachener Schwestern, das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT sowie das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME, über eine Trendwende freuen. Die bunte Info-Veranstaltung in der RWTH Aachen, moderiert vom Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar (Quarks & Co.), war Beleg für die steigende Attraktivität. Mit rund 800 Studierenden war die Aula bis auf den letzten Platz gefüllt. „Mit der größeren Selektionsbreite steigt zwangsläufig auch die Qualität unserer Forschung und unserer Angebote“, betonte Poprawe.
Der Personalberater Heiko Mell legte den jungen Zuhörern schonungslos offen, welche Härten das Berufsleben für sie bereithält. Letztlich komme es darauf an, das Ziel zu kennen, das man erreichen wolle. Die Wege dorthin seien zahlreich. Finanzielle Vorstellungen taugten nicht als maßgebliche Richtschnur. Dieses Zuspiel nahm Fraunhofer-Präsident Prof. Hans-Jörg Bullinger gerne auf. Die 58 bundesweit gestreuten Institute lockten mit eigenverantwortlicher Arbeit, der Möglichkeit zur Promotion sowie ausgezeichneten Kontakten in die unterschiedlichsten Bereiche der Industrie, könnten aber den (finanziellen) Reizen großer Unternehmen zeitlich nur begrenzt Paroli bieten. Rund fünf, höchstens aber zehn Jahre bleiben die Fraunhofer-Mitabeiter in der Regel ihrem Arbeitgeber treu, dann zieht es sie in die Wirtschaftswelt. Oder sie entscheiden sich für die eigene berufliche Existenz. Bullinger: „Über unsere zahlreichen Kontakte lernen unsere Forscher mögliche Auftraggeber kennen und gründen ihr eigenes Unternehmen. Manchmal bedeutet dieser Schritt das Ausscheiden einer ganzen Mitarbeitergruppe. Das ist schon ein erheblicher Aderlass“ – der aber durchaus gewollt ist, wie Prof. Fritz Klocke vom IPT unterstrich. „Die Fluktuation ist hoch, 95 % unserer Mitarbeiter gehen in die Industrie.“ Die Folge: Das Institut muss sich um neue, frische Kräfte bemühen, während die alten die Wirtschaft ankurbeln.
Wie etwa Matthias Popp, dessen Karriere dem gut geknüpften Aachener „Kneipennetzwerk“ entspringt. „Ich wusste damals nur eins: Ich will nicht zu einem Konzern.“ Der talentierte Maschinenbauer landete im IPT und machte sich anschließend mit der Cerobear GmbH, einem Hersteller von keramischen Wälzlagern, selbstständig. „Neben der spannenden Forschungsarbeit hat mich damals auch der Kontakt zu mittelständischen Unternehmen gereizt, den ich später für meine Selbstständigkeit nutzen konnte. Die Kundennähe ist enorm wichtig, man erkennt den Markt. Außerdem habe ich für mein Unternehmen einige Fraunhofer-Strukturen übernommen.“
Als ehemaliger Vorstand von DaimlerChrysler weiß der Senatsvorsitzende der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Klaus-Dieter Vöhringer, um die Sprungbrettfunktion der Institute: „Die Industrie weiß um die exzellenten Fähigkeiten der Fraunhofer-Mitarbeiter.“

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Schmitz

    Wolfgang Schmitz

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Bildung, Karriere, Management, Gesellschaft

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