Forschung 28.01.2005, 18:36 Uhr

Ein buntes Spektrum von Innovationen

VDI nachrichten, Düsseldorf, 28. 1. 05 -Es muss nicht unbedingt Hightech sein. Neben Innovationen aus den Bereichen Medizin und Sensorik wurden 2004 im „IdeenReich“ auch Einfälle aus dem Bereich Inneneinrichtung oder Freizeitsport vorgestellt. Die Nach- frage ist groß – eine Bilanz mit Verwertungstipps vom Experten.

Ein wenig kurios, praktisch oder einfach genial – was freie Erfinder in Deutschland alles aushecken, lässt sich mit wenigen Worten kaum beschreiben. Einen kleinen Ausschnitt aus ihrer unerschöpflichen Kreativität zeigte das „IdeenReich“. Die Aktion der VDI nachrichten und der Insti-Erfinderclubs endet nun. Insgesamt wurden in anderthalb Jahren rund 70 Innovationen auf dieser Seite vorgestellt. 2004 waren es 43. Deren Bilanz: Nur ein Dutzend Produkte riefen bisher keine weiteren Reaktionen hervor. Bei drei Erfindungen hingegen sind bereits Lizenzen vergeben, bei 13 laufen derzeit noch die Verhandlungen. Der Rest erhielt nach Veröffentlichung vermehrt Anfragen oder konnte erhöhte Auftragseingänge verbuchen. „Die Statistik kann sich noch weiter verbessern“, ist Beate Treu, Leiterin der Insti-Erfinderclubs überzeugt. „Einige Ideen sind schließlich gerade erst veröffentlicht worden. Außerdem können alle Erfindungen weiterhin im Internet eingesehen werden.“
Ein Beispiel für eine erfolgreiche Innovation ist das KeyQ-System von Egon Kupferschmid. Der württembergische Schreinermeister lässt Schlüsselköpfe, die unschön aus dem Türschloss ragen, mit Hilfe von Design-Zylindern verschwinden (www.keyq.de). „Nach dem Bericht in den VDI nachrichten meldete sich eine Vertriebsgruppe mit Niederlassungen in Deutschland, Belgien und Luxemburg. Der Verkauf läuft jetzt an. Eine Fertigungslizenz habe ich nicht vergeben. Ein Unternehmen aus Spaichingen, meinem Heimatort, stellt die Systeme derzeit her.“
Erfolgreich durchstarten konnte auch Dirk Andreas aus Eisenach mit seinen fliegenden CD-Hüllen. Er hat die klassische Verpackung der Silberscheiben in Form und Design verändert. Dadurch wurde sie zum Sportgerät („Frisbee“) und zeitgleich zum Reklameträger. Eine Mediengesellschaft wurde durch den Bericht in den VDI nachrichten darauf aufmerksam und bestellte 100 000 Stück. Drei weitere Firmen äußerten bereits konkretes Interesse. Andreas, der hauptberuflich ein Ingenieurbüro leitet, will künftig 30 % seines Umsatzes mit Erfindungen machen.
In Verhandlungen mit potenziellen Lizenznehmern steht Achim Limbeck aus Bad Münstereifel. Seine blutstillende Wundauflage wurde am 18. Juni vorgestellt. „Noch am selben Tag rief ein Unternehmen aus der Schweiz an“, so der 31-Jährige. „Inzwischen haben sich über zehn Firmen aus dem Pharma- Bereich bei mir gemeldet.“ Klinische Tests seien abgeschlossen, die Zertifizierung erreicht. „Einer breiten Vermarktung steht nun nichts mehr im Wege.“ Den Zuschlag erhalte, wer den besten Vertrieb hat. „Menschen auf der ganzen Welt sollen von dem negativ geladenen Verbandmaterial aus Polytetraflourethylen profitieren.“
Gleich mit zwei Erfindungen bereicherte Wilfried Brings aus Vettweiß-Sievernich das IdeenReich. Sowohl die Veröffentlichung zum Injektionssystem für Knochenzement als auch der Bericht über den High-Voltage-Flashbooster mündeten in Lizenzverhandlungen. „Nach dem Abdruck in den VDI nachrichten traten sofort Interessenten an mich heran: Verschiedene Medizintechnik-Firmen sind begeistert vom Injektor, der etwa in der plastischen Chirurgie oder bei Osteoporose-Patienten genutzt werden kann. Den Booster, der berührungslos den Gasdruck und das Gasgemisch in vakuumierten Glasgefäßen messen kann, möchte ein großer Automobilhersteller nutzen. Ich bin sehr optimistisch, hier bald zu einem Abschluss zu kommen.“
Die Höhe der Lizenzeinnahmen wird bestimmt durch viele Faktoren. Wolfgang Müller, Leiter des Steinbeis Transferzentrums Infothek in Villingen Schwenningen und Vorstand von Insti Innovation e.V., einem Netzwerk zur Innovationsberatung, erklärt: „Maßgeblichen Einfluss hat sicherlich die Branche, in der die Erfindung platziert werden soll.“ Im Baugewerbe beispielsweise werde gerade wenig in Innovationen investiert. „Auch entscheidend ist die Situation auf dem Käufermarkt. Gibt es viele Interessenten, so kann der Preis hochgeschraubt werden. Das setzt allerdings entsprechendes Verhandlungsgeschick und Marktkenntnis beim Erfinder voraus.“ Außerdem spiele die Regionalität eine Rolle. „Einen neuen Schlitten etwa kann man nur in Schneegebieten vermarkten.“ Generell gilt: Je größer das Gebiet, in dem die Idee vermarktet werden soll, desto höher können die Lizenzgebühren veranschlagt werden.
Erster Schritt bei Vertragsanbahnung ist in aller Regel eine Option für den Lizenznehmer. Er darf das Marktpotenzial der Erfindung über eine gewisse Zeit exklusiv testen. Zahlen muss er dafür eine einmalige Gebühr – oft um die 1000  €. Verläuft der Test für ihn zufrieden stellend, wird ein Lizenzvertrag aufgesetzt. Der darin geregelte Verdienst des Erfinders besteht meist aus zwei Teilen: einer einmaligen und einer stückabhängigen, kontinuierlichen Zahlung. Beide Größen sind Verhandlungssache. 
Müller rät, sich vor Lizenzgesprächen über die Zielfirma und den dortigen Ansprechpartner zu informieren. „Ein Techniker will schließlich anders überzeugt werden als ein Kaufmann.“ Außerdem sollte der Erfinder sein Produkt genau kennen. „Vorteile gegenüber Ideen von Wettbewerbern sollten klar benannt, potenzielle Schwächen offen angesprochen und Lösungen dazu präsentiert werden.“  S . ASCHE

Ein Beitrag von:

  • Stefan Asche

    Stefan Asche

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: 3-D-Druck/Additive Fertigung, Konstruktion/Engineering, Logistik, Werkzeugmaschinen, Laser

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