Forschung 18.02.2005, 18:37 Uhr

Eckpfeiler der Innovation in Deutschland

VDI nachrichten, Berlin, 18. 2. 05 – Deutsche Hersteller optischer Technik liefern 40 % der am Weltmarkt gehandelten Produkte dieser Branche . Nicht zuletzt durch die Maßnahmen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Industrie und Forschungsinstitute zusammenzubringen, konnten sich die deutschen Unternehmen einen hervorragenden Platz im internationalen Wettbewerb erobern. Bundesministerin Edelgard Bulmahn skizziert im folgenden Interview die Bedeutung der Branche.

VDI nachrichten: In Reden werden „Optische Technologien“ gern als Zukunftstechnologien bezeichnet? Was bedeutet das konkret?
Bulmahn: Klassische Technologien stoßen seit geraumer Zeit an ihre Grenzen – was zum Beispiel Geschwindigkeit oder Genauigkeit betrifft. Licht hat einzigartige Eigenschaften. Es kann Informationen so rasch wie kein anderes Medium über weite Strecken übertragen. Im medizinischen Bereich kann Licht sehr sanft lebendes Gewebe behandeln. Licht ist außerdem ein präzises Werkzeug. Es lässt sich bis auf den Bereich eines Nanometers bündeln – den millionsten Teil eines Millimeters. Mit einem Laser kann man Worte auf ein Haar schreiben. Diese Eigenschaften des Lichts beginnen wir dank moderner Forschung jetzt in vollem Umfang zu nutzen. Optische Technologien sind besonders auch deshalb Zukunftstechnologien, weil sie saubere, interessante und hoch qualifizierte Arbeitsplätze schaffen und die Umwelt nachhaltig entlasten.
VDI nachrichten: Wie groß ist denn der Markt weltweit, in der EU, in Deutschland?
Bulmahn: Allein die Optoelektronik hat einen Weltmarkt von 100 Mrd. €. Die Beleuchtungstechnik wird gegenwärtig mit 80 Mrd. € beziffert. Laser für die Materialbearbeitung haben ein Weltmarktvolumen von rund 10 Mrd. €. Doch man muss bei der Interpretation solcher Zahlen genau hinschauen. Ohne ein kleines optisches System im Wert von ganzen 3 € kann ein DVD-Spieler im Wert von 100 € zum Beispiel überhaupt nicht funktionieren. Die Optischen Technologien haben also eine erheblich größere Hebelwirkung als solche Marktzahlen es ausdrücken können. Wichtig ist auch, dass die Branche in Deutschland im ersten Halbjahr 2004 ein Umsatzwachstum von 19 % zu verzeichnen hatte, das sich in etwa dieser Größenordnung fortgesetzt hat.
VDI nachrichten: Was bedeutet das für die Arbeitsplätze in Deutschland?
Bulmahn: 110 000 Menschen finden in den Optischen Technologien derzeit Arbeit. Allein die rund 1000 mittelständischen Unternehmen erwarten bis zum Jahr 2010 ein Beschäftigungswachstum um über 40 %. Dazu kommen zahlreiche Arbeitsplätze bei den Anwendern der Optischen Technologien. Insgesamt schätzen wir, dass im verarbeitenden Gewerbe rund eine Million Arbeitsplätze in Deutschland durch die Optischen Technologien beeinflusst werden.
VDI nachrichten: Welche Rolle spielt das BMBF bei Optischen Technologien?
Bulmahn: Der Erfolg der Optischen Technologien in Deutschland ist nur durch ein exzellentes Zusammenspiel zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik möglich geworden. Die Förderung des BMBF hat dabei oft die Rolle eines Geburtshelfers gespielt. Ende der 90er-Jahre hat mein Haus einen Strategieprozess moderiert, den Unternehmen und Forschungseinrichtungen geführt haben. Ziel war, das Potenzial der Optischen Technologien für Deutschland zu bewerten. Über 400 Unternehmen und Forschungseinrichtungen haben sich beteiligt und Empfehlungen an alle Akteure des Innovationsprozesses ausgearbeitet. Wirtschaft und Wissenschaft haben daraufhin reagiert. Mein Haus hat dann 2002 ein entsprechendes Förderprogramm vorgestellt und mit rund 280 Mio. € ausgestattet.
VDI nachrichten: Ziehen auch mittelständische Unternehmen Nutzen aus den BMBF-Aktivitäten oder sind diese eher für Forschungsinstitute interessant?
Bulmahn: Etwa die Hälfte der Mittel im Förderprogramm Optische Technologien gehen an Unternehmen, von denen wiederum 50 % KMU sind. Viele der heute am Markt erhältlichen Laser beispielsweise konnten nur mit Ergebnissen aus Förderprojekten des Bundesforschungsministeriums entstehen. Ein Beispiel für eine Entwicklung, die gerade in die Anwendung überführt wird, ist das Herzstück für einen neuartigen Zahnbohrer. Mit diesem Laserbohrer würde nicht nur der Wunsch vieler Menschen nach einer schmerzfreien Kariesbehandlung wahr, sondern der behandelnde Arzt könnte den Karies auch viel präziser behandeln und gesunde Bereiche des Zahns damit schonen.
VDI nachrichten: Welche Rolle spielt Deutschland im Bereich der Optischen Technologien?
Bulmahn: Deutschland hat sich eine hervorragende Ausgangsposition bei den Optischen Technologien gesichert. Waren wir beispielsweise Mitte der 80er-Jahre Importeur von Lasertechnik, sind wir heute Exportweltmeister. 40 % aller Laserstrahlquellen für die Materialbearbeitung kommen von deutschen Unternehmen. In der Optischen Lithographie für die Halbleiterfertigung hat die Carl Zeiss AG mit der niederländischen ASML als Systemführer vor einigen Jahren die Führung am Weltmarkt übernommen und dabei zwei japanische Unternehmen in den Schatten gestellt. Allerdings haben auch andere Länder die Chancen der Optischen Technologien erkannt, vor allem die USA, Japan, China und Korea. Wir dürfen uns auf unseren Lorbeeren nicht ausruhen, sondern müssen unsere Anstrengungen intensivieren.
VDI nachrichten: Erst wird die Produktion ins Ausland verlagert, dann folgt die Forschung, dann fehlt der Nachschub an den Unis. Wo steht die Forschung für Optische Technologien in Deutschland im Vergleich?
Bulmahn: Die Produktion im Bereich der Optischen Technologien wird nicht ins Ausland verlagert. Die Produktion und mit ihr die Zahl der Arbeitsplätze in Deutschland wächst.
Deutsche Forschungseinrichtungen sind auch durch ihre engen Verzahnungen mit der Industrie im Bereich der Optischen Technologien führend. Gerade haben wir eine Bestandsaufnahme gemacht. Es gibt in Deutschland über 400 Weiterbildungsveranstaltungen und 61 Studiengänge zu Optischen Technologien. All diese Fakten zeigen, dass die Optischen Technologien ein fundamentaler Eckpfeiler der Innovation in Deutschland sind.rus

Von Rudolf Schulze
Von Rudolf Schulze

Stellenangebote im Bereich Forschung & Entwicklung

Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Campus Süd-Firmenlogo
Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Campus Süd W3-Professur für Prozessdatenverarbeitung und Elektronik Karlsruhe
PerkinElmer Cellular Technologies Germany GmbH-Firmenlogo
PerkinElmer Cellular Technologies Germany GmbH Sr. Electronics Design Engineer (m/w/d) Hamburg
pmdtechnologies ag-Firmenlogo
pmdtechnologies ag Machine Learning/Deep Learning Engineer (m/w/d) R&D Siegen
Diehl Defence GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Diehl Defence GmbH & Co. KG Trainee (m/w/d) für das Technische Traineeprogramm Entwicklung | Produktion | Produktmanagement deutschlandweit
Jungheinrich Norderstedt AG & Co KG-Firmenlogo
Jungheinrich Norderstedt AG & Co KG Entwicklungsingenieur (m/w/d) Elektrotechnik / Mechatronik Norderstedt
BAM - Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung-Firmenlogo
BAM - Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung Promovierte*r wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (m/w/d) der Fachrichtung Bauingenieurwesen, physikalische Ingenieurwissenschaft, Maschinenbau, Werkstoffwissenschaften oder einer vglb. Fachrichtung Berlin-Steglitz
Viessmann Group-Firmenlogo
Viessmann Group Leiter Entwicklung Großwärmepumpen (m/w/d) Dresden, Allendorf (Eder)
h.a.l.m. elektronik gmbh-Firmenlogo
h.a.l.m. elektronik gmbh Senior Entwicklungsingenieur (m/w/d) in der Elektronikentwicklung Frankfurt / Main
VDI Technologiezentrum-Firmenlogo
VDI Technologiezentrum Betriebswirt / Verwaltungswirt (w/m/d) für die Forschungsförderung Düsseldorf
SimonsVoss Technologies GmbH-Firmenlogo
SimonsVoss Technologies GmbH Entwicklungsingenieur Feinmechanik (m/w/d) Unterföhring bei München

Alle Forschung & Entwicklung Jobs

Top 5 Forschung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.