Forscher geben Irrtum zu 03.02.2015, 13:49 Uhr

Doch keinen Blick auf Anfang des Weltalls erhascht

Ein Wissenschaftlerteam glaubte, einen Blick auf die Entstehung des Universums geworfen zu haben. Daten des europäischen Weltraumteleskops an Bord des Satelliten Planck zeigen, dass das nicht stimmt. Es waren nur Gravitationswellen, ausgelöst von Milchstraßenstaub.

Forscher hatten geglaubt mit Aufnahmen des Teleskops Bicep2 einen ersten direkten Beleg für das blitzartige Ausdehnen des Alls gefunden zu haben. 

Forscher hatten geglaubt mit Aufnahmen des Teleskops Bicep2 einen ersten direkten Beleg für das blitzartige Ausdehnen des Alls gefunden zu haben. 

Foto: Steffen Richter/Harvard University/dpa

Ein internationales Forscherteam glaubte vor knapp einem Jahr, einen ultrakurzen Blick auf den Anfang des Weltalles erhascht zu haben, den Urknall. Er schickte das, was heute Sterne, Planeten und Kometen sind, mit unvorstellbarer Geschwindigkeit auf die Reise. Licht kam im Vergleich dazu nur wie ein lahmer Ackergaul voran.

Die Daten des Teleskops Bicep2, das in der Antarktis steht, schienen die Theorie von der Inflation des Universums, wie Astrophysiker das Auseinanderdriften der gigantischen Materialmassen nach dem Urknall nennen, zu bestätigen.

Forscher geben ihren Irrtum zu

Stimmt gar nicht, sagt ein anderes Forscherteam, das Daten eines Weltraumteleskops ausgewertet hat. Staub aus der Milchstraße habe die Bicep2-Kollegen in die Irre geführt. Das haben diese jetzt auch zugegeben. Das Weltraumteleskop befindet sich an Bord des Satelliten Planck, den die europäischen Raumfahrtagentur ESA 2009 ins All schießen ließ, um die so genannte kosmische Hintergrundstrahlung zu ergründen. 2012 stellte der Himmelsspion seine Arbeit planmäßig ein, als das Kühlmittel verbraucht war.

Nachdem Forscher die Aufnahmen des 2012 in den Ruhestand gegangenen Planck-Teleskops ausgewertet hatten, stand für sie fest: Staub aus der Milchstraße hat die Gravitationswellen ausgelöst.

Nachdem Forscher die Aufnahmen des 2012 in den Ruhestand gegangenen Planck-Teleskops ausgewertet hatten, stand für sie fest: Staub aus der Milchstraße hat die Gravitationswellen ausgelöst.

Foto: ESA

Die Bicep2-Forscher glaubten, Gravitationswellen nachgewiesen zu haben. Die entstanden beim Urknall. Man könne sie sich vorstellen wie „eine Art Faltenwurf der Raumzeit“, so die Süddeutsche Zeitung, also eine massive Störung der nach allen menschlichen Erfahrungen stets gleichmäßig ablaufenden Zeit, die den Lebensrhythmus bestimmt.

Falschen Verursacher der Wellen identifiziert

Diese Wellen bilden die kosmische Hintergrundstrahlung, denen beide Wissenschaftlerteams auf der Spur waren. Nur: Der Urknall war nicht der einzige Auslöser derartiger Wellen.

Die Kunst der Astrophysiker ist es, die unterschiedlichen Verursacher zu identifizieren, was dem Team um John Kovac von der Harvard University in Cambridge, Massachusetts, einem der leitenden Wissenschaftler von Bicep2, offenbar gründlich misslungen ist.

Schlampige Arbeit oder unterschätzte Stärke

Ob sie schlampig gearbeitet haben oder die Stärke der Milchstraßen-Wellen einfach unterschätzt haben, lässt sich nicht sagen. Nach neuesten Erkenntnissen sind diese jedenfalls so dominant, dass sie andere überlagern. Diese Erkenntnis basiert auf Datenauswertungen, die beide Teams gemeinsam machten.

„Leider konnten wir nicht bestätigen, dass es sich bei dem Signal um einen Hinweis auf die Inflationsphase des Kosmos handelt“, so Jean-Loup Puget vom Institut d’Astrophysique Spatiale im französischen Orsay, der für das Experiment an Bord von Planck verantwortliche Wissenschaftler. Die erste Sekunde nach dem Urknall bleibt demnach im Dunkeln. Die Astrophysiker tröstet nur eins: Einen Beweis, dass die Inflation des Universums nicht wie angenommen stattgefunden hat, gibt es auch nicht.

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