Forschung 17.06.2005, 18:39 Uhr

Die „schleichende Revolution“  

VDI nachrichten, Zürich, 17. 6. 05 – Schlaue Alltagsgegenstände, die miteinander kommunizieren und autonom im Hintergrund agieren und damit den Menschen das Leben erleichtern – diese Vision einer allgegenwärtigen, alles durchdringenden Rechenkraft hatten Forscher Anfang der 1990er Jahre. Heute winkt so mancher müde ab, wenn Stichworte wie „Ubiquitous Computing“, „Pervasive Computing“ oder „Ambient Intelligence“ fallen. Die VDI nachrichten sprachen mit Prof. Friedemann Mattern, Leiter des Instituts für Pervasive Computing an der ETH Zürich, über die mögliche Verwirklichung des „Pervasive Computing“ und die Fallstricke in der Praxis.

Mattern: Man darf einer solchen Aussage in einer so allgemeinen Form auch nicht unbedingt Glauben schenken. Aber durch Elektronik und Computer wurde in der Vergangenheit tatsächlich schon manches einfacher: Man denke an das Fotografieren mit Autofokus oder an das Bremsen auf einer rutschigen Straße mit ABS.

Die Hoffnung ist, dass sich durch eingebettete und vernetzte Informationstechnik noch mehr Prozesse vereinfachen lassen. Zum Beispiel könnte ein Schlüsselanhänger oder auch ein Koffer eine Homepage im Internet haben. So kann ich nachsehen, wo er ist, wenn ich ihn vermisse. Oder eine smarte Brille blendet mir als Navigationshilfe einen „roten Teppich“ ein, dem ich nur folgen muss, um zum Ziel zu gelangen.

Ob allerdings jetzt nicht vorhersehbare Sekundäreffekte dann nicht vieles doch hektischer und damit komplizierter als heute machen werden, weiß niemand.

VDI nachrichten: Welches sind die großen technologischen Herausforderungen für die Zukunft?

Mattern: Da gibt es einige! So sollen sich die eingebetteten Systeme etwa mit viel weniger Energie begnügen: Man möchte bei den vielen „schlauen“ Gegenständen ja nicht dauernd die Batterie wechseln oder den Akku aufladen. Außerdem sollen sie deutlich kleiner und billiger werden. Es sind aber auch Standards nötig, damit smarte Dinge tatsächlich miteinander kooperieren können. Schließlich stellt auch die notwendige Softwareinfrastruktur eine gewaltige Herausforderung dar.

VDI nachrichten: Völlig nutzlos, technologischer Absolutismus, Gefahr der Überwachung, Verlust der Kontrolle, Verletzung der Privatsphäre – das sind nur einige Argumente, die Kritiker einwenden. Haben sie recht?

Mattern: Auf vieles können wir sicherlich verzichten, aber manches macht das Leben eben doch angenehmer, interessanter, sicherer oder einfacher. Und wenn Kranken oder Behinderten damit geholfen werden kann, teilweise ein selbstbestimmteres und leichteres Leben zu führen, dann dürfte die Technik eher positiv gesehen werden.

Aber die Gefahr der Überwachung und des Kontrollverlustes besteht – zumindest auf lange Sicht – tatsächlich. Wenn es irgendwann einmal allerkleinste, billige und einfach zu benutzende Lokationssensoren gibt, die mir ihren momentanen Aufenthaltsort zufunken, dann ist mancher vor der Neugier anderer nicht mehr sicher. Und warum sollte ein entsprechend disponierter Staat so etwas zum Beispiel Ausländern „zum eigenen Schutz“ nicht in den Pass integrieren?

VDI nachrichten: Mittlerweile gibt es an vielen Hochschulen Lehrstühle für Pervasive Computing. Auch die Industrie versucht, mit Forschungskooperationen dieses noch junge Gebiet der Informatik voranzubringen. Wann wird denn nun diese Vision Wirklichkeit werden?

Mattern: Beim Pervasive Computing handelt es sich um ein Bündel unterschiedlicher Technologien, die zusammen als „schleichende“ Revolution wirken: In vielen Bereichen wie der drahtlosen Kommunikation, der Energieeffizienz von Mikroprozessoren, der Leistungsfähigkeit von GPS oder den Materialwissenschaften werden laufend kleine Fortschritte erzielt, die für sich genommen oft gar nicht spektakulär sind.

Zum Beispiel die „drahtlosen Sensornetze“: Diese bestehen aus kleinsten Mikroprozessoren mit integrierten Sensoren, die drahtlos kommunizieren und sich vor allem spontan untereinander vernetzen können. Zwar klingen die Anwendungen für solche Sensornetze noch visionär – man denkt dabei beispielsweise an großräumiges Umweltmonitoring oder die autonome Überwachung von Wasserleitungsnetzen – aber Prototypen werden bereits entwickelt.

Generell sind die mit dem Pervasive Computing verbundenen Erwartungen so vielfältig und unterschiedlich, dass man keinen genauen Zeitpunkt für die Realisierung angeben kann. Ich glaube aber, dass manches davon in den nächsten fünf bis 15 Jahren nach und nach verwirklicht werden wird.

EVDOXIA TSAKIRIDOU

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