Forschung 13.05.2005, 18:38 Uhr

Die klugen Köpfe hinter den großen Leistungen  

Die finnische Stiftung Millennium Prize vergibt den mit 1 Mio. € am höchsten dotierten Technikpreis. Damit soll deutlich gemacht werden, dass für die Weiterentwicklung von Technik ständig investiert werden muss, so der Stiftungsvorsitzende Jaakko Ihamuotila.

Ingenieure sind in der öffentlichen Wahrnehmung die großen Unbekannten. Während sich kulturelle Schöpfungen und die universitäre Wissenschaft und Grundlagenforschung in der Regel mit Namen verbinden lassen, verschwinden die kreativen Köpfe in Technik, angewandter Forschung und Industrie zumeist hinter ihren technologischen Leistungen.

Warum ist das so? Und muss das so sein?

Offenbar nimmt die Öffentlichkeit Großleistungen im Ingenieurwesen als Selbstverständlichkeit hin. Die Ingenieure machen eben ihren Job, etwa wenn sie ein neues Großraumflugzeug konstruieren, mit dem sich die Passagierzahlen im Handumdrehen verdoppeln lassen. Irgendwann steigt man in einen solchen Flieger, staunt ein wenig – und geht zur Tagesordnung über.

Eine Möglichkeit, die individuellen Leistungen auch in der Technik stärker herauszustreichen und an Namen und Köpfe zu binden, bieten Auszeichnungen. Doch bei Preisen für Ingenieure, deren Auswahl und Verleihung die Öffentlichkeit spürbar bewegen, hapert es hierzulande noch. Dabei macht es eine aufstrebende technologiefreundliche Nation geradezu mustergültig vor, wie es gehen könnte: die Finnen.

Im kommenden Jahr wird in Finnland zum zweiten Mal der zweijährlich ausgelobte Millennium Technology Prize vergeben – für eine bedeutende Innovation, die die Lebensqualität weltweit verbessert, wie es in der Ausschreibung heißt. Mit seiner Dotierung von 1 Mio. € ist es der größte Technologiepreis der Welt. Die Verleihung nimmt daher auch niemand anders vor als die Staatspräsidentin. Aus den Händen von Tarja Halonen durfte 2004 Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web, als erster Preisträger die Statuette „Spitze“ in Empfang nehmen, die aus einem Silikonkristall gefertigt ist.

Think big! Um den Preis und mit ihm auch das Thema Technologie nachdrücklich im öffentlichen Bewusstsein zu verankern, durfte nicht gekleckert, sondern geklotzt werden. So sieht es auch Jaakko Ihamuotila, der frühere Vorstandsvorsitzende des finnischen Energie- und Chemiekonzerns Neste und Vorsitzender der Stiftung Millennium Prize: „Der Preis soll die Rolle, die Technologie im Alltag spielt, bewusst machen und ein Verständnis dafür wecken, dass in die Weiterentwicklung der Technologien kontinuierlich investiert werden muss.“ Eine besondere Zielgruppe für diese Botschaft, so fügt er hinzu, seien jüngere Menschen. Auch in Finnland ist die Zahl derjenigen rückläufig, die ein Studium an einer Technischen Hochschule beginnen.

In einer Private Public Partnership ist der Preis in einem Zeitraum von zehn Jahren entwickelt worden. Industrie- und Ingenieurverbände, Technologiestiftungen, Akademien und die staatliche Nationale Technologieagentur (TEKES) haben die Stiftung gegründet, die die Preisträger in einem langwierigen Auswahlverfahren bestimmt. Die Stiftung ist unabhängig von den Interessen des Staats und der Unternehmen, nimmt zugleich aber beide Seiten in die Pflicht.

Durch seine weltweite Ausrichtung und die hohe Dotierung könnte der Millennium Technology Prize mit der Zeit zu einer Art Nobelpreis für Ingenieure werden. Zu den Auszeichnungen, die jährlich in Stockholm und Oslo an Chemiker, Physiker und Mediziner vergeben werden, sieht sich Ihamuotila indes nicht in Konkurrenz: „Wir wollen komplementär zu den Nobelpreisen sein.“

Warum ist gerade in Finnland die Idee geboren worden, technologische Leistungen mit einem solchen Preis zu belohnen? „Unser Land ist sehr technologiefreundlich“, erklärt Ihamuotila. „Bei uns werden Innovationen sehr schnell in den Alltag übernommen. Außerdem besteht in Finnland keine große Kluft zwischen Hochschulen und Unternehmen, was dafür sorgt, dass Forschungsergebnisse sehr schnell von der Industrie verwertet werden. Es war daher auch möglich, die verschiedenen Akteure an einen Tisch zu bekommen.“

Deutschland war nach seiner Aussage über Jahrzehnte ein Vorbild für Finnland, das sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs binnen weniger Jahrzehnte vom Agrarland zur Industrienation hocharbeitete. Inzwischen hat sich die Blickrichtung aber gewandelt und Finnland gilt in vielen Bereichen als Musterland. Nokia, Errungenschaften in der Biotechnologie, Pisa haben aufhorchen lassen. Auch den finnischen Weg, technologische Hochleistungen öffentlichkeitswirksam auszuzeichnen, sollte man sich hierzulande einmal etwas genauer anschauen.

JOHANNES WENDLAND

Der Preis soll bewusst machen, welche Rolle Technik im Alltag spielt

Von Johannes Wendland

Stellenangebote im Bereich Forschung & Entwicklung

ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften-Firmenlogo
ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Dozent/-in Additive Manufacturing als Schwerpunktleiter/-in Advanced Production Technologies (APT) Winterthur (Schweiz)
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen Entwicklungsingenieur Leistungselektronik und elektrische Motoren (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
Fresenius Kabi Deutschland GmbH-Firmenlogo
Fresenius Kabi Deutschland GmbH Entwicklungsingenieur / Innovation & Development Engineer (m/w/d) Bad Hersfeld
B. Braun Avitum AG-Firmenlogo
B. Braun Avitum AG Entwicklungsingenieur Elektrotechnik (m/w/d) Melsungen
XENIOS AG-Firmenlogo
XENIOS AG Projektleiter R&D (m/w/d) im Bereich Neuproduktentwicklung Heilbronn
ADMEDES GmbH-Firmenlogo
ADMEDES GmbH Werkstoffwissenschaftler (m/w/d) Für den Bereich Technologie und Innovation Raum Pforzheim
Murrelektronik GmbH-Firmenlogo
Murrelektronik GmbH Senior Konstrukteur (m/w/d) Oppenweiler
KOSTAL-Firmenlogo
KOSTAL Entwickler für Leistungselektroniken (m/w/d) Dortmund
KOSTAL-Firmenlogo
KOSTAL Systemingenieur / Designer Elektromobilität (m/w/d) Dortmund
KOSTAL-Firmenlogo
KOSTAL Testingenieur für Elektromobilität (m/w/d) Dortmund

Alle Forschung & Entwicklung Jobs

Top 5 Forschung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.