Forschung 10.11.2006, 19:24 Uhr

Deutschland dümpelt weiter im Mittelfeld  

VDI nachrichten, Berlin, 10. 11. 06, ps – Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat zum zweiten Mal die Innovationsfähigkeit führender Industrienationen untersucht. Deutschland liegt auf Platz 7 von 17. Mängel sehen die Forscher vor allem bei Bildung, Mut zur Selbstständigkeit und Unternehmensfinanzierung.

Bildung muss das Megathema für Deutschland werden“, forderte der Ex-Außenminister und heutige Vorsitzende der Deutschen Telekom Stiftung Klaus Kinkel am Mittwoch in Berlin. Als Auftraggeber des „Innovationsindikator Deutschland 2006“, in dem das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zum zweiten Mal die Innovationskraft der 17 führenden Industrienationen untersucht, zeigte sich Kinkel über das schlechte Abschneiden des hiesigen Bildungssystems besorgt.

„Bei allen untersuchten Indikatoren zur Bildung – ob Finanzierung, Zahl der Absolventen, Qualität der Sekundarausbildung oder Niveau der Hochschulen und Weiterbildung – liegen wir im Vergleich hoch entwickelter Länder unter dem Durchschnitt“, sagte Studienleiter Prof. Axel Werwatz vom DIW. Weit abgeschlagen hinter dem Spitzentrio Dänemark, USA und Schweiz landet Deutschland hier auf Platz 11.

Einer der Gründe: nur 20 % eines Jahrgangs schließt hierzulande ihr Studium ab. Im OECD-Schnitt sind es fast 15 Prozentpunkte mehr. Während diese Schwäche laut Studie geradewegs zu Fachkräftemangel führt, beklagte Kinkel, „dass Deutschland schon heute die Hälfte seines Potenzials auf der Reservebank lässt“. Frauen seien hierzulande nämlich kaum in Innovationsprozesse eingebunden. Auch hier liegt Deutschland im DIW-Ranking im untersten Drittel.

Einen weiteren Mangel machen die Forscher bei Unternehmensgründungen aus. „Deutschland ist hier abgeschlagen und erreicht auf unserer Skala von eins bis sieben nur zweieinhalb Punkte“, so Werwatz. Das hat zwei Gründe: Es fehlt an Mut zur Selbstständigkeit – nur Österreicher schneiden hier schlechter ab als die Deutschen – und die Finanzierungsbedingungen lassen zu wünschen übrig.

Trotz einer im internationalen Vergleich guten staatlichen Förderlandschaft sei es für innovative Betriebe schwer, an Startkapital zu kommen. „Der mangelnde Zugang zu Risikokapital ist eine bedenkliche Schwäche des Innovationsstandortes Deutschland“, warnt die Studie.

Vorbildlich ist dagegen die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft und unter den Unternehmen. Auch die Übersetzung von Wissen in Produkte stimmt hierzulande: knapp hinter der Schweiz, Japan und Irland sehen die DIW-Forscher Deutschland beim Vermarkten wissensintensiver Dienstleistungen und Produkte auf Platz vier.

Doch auch hier geben sie Warnsignale weiter: innerhalb der Unternehmen sei die Innovationskultur hierzulande wenig ausgeprägt, was sich unter anderem in einem Mangel an Weiterbildung manifestiert. „Von allen Erwerbspersonen zwischen 24 und 64 Jahren nahmen 2003 nur 11,5 % an einer Weiterbildungsmaßnahme teil“, kritisiert die Studie und nennt Dänemark als Vorbild, wo sich fast 40 % aller Beschäftigten fortbildeten.

Ebenfalls bedenklich: Deutschland ist weit vom selbst gesteckten Ziel entfernt, seine F&E-Quote (Anteil von Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt) auf 3 % zu steigern. Viele Länder Skandinaviens erreichen diese Quote seit Jahren.

Gerade bei F&E-Ausgaben ist die Analyse Chinas und Indiens interessant, die das DIW außer Konkurrenz angestellt hat. „China steigert seine F&E-Quote noch schneller als das Bruttoinlandsprodukt“, stellte Werwatz fest. Und beide Länder investieren massiv in Bildung, mit der Folge, dass China 350 000 Ingenieure im Jahr ausbildet.

„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis beide von Massen- auf Qualitätsstrategien umschwenken“, warnte DIW-Präsident Prof. Klaus Zimmermann. Um der dadurch drohenden Verschärfung des internationalen Wettbewerbs gewachsen zu sein, müsse Deutschland weit mehr in Bildung investieren, als bisher.

Die DIW-Forscher haben auch Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen untersucht. Während das Musterländle bei der Umsetzung von Innovation im internationalen Vergleich Maßstäbe setzt (Platz 1) und beide Bundesländer auch in Sachen Forschung gut dastehen, schlägt sich die deutsche Bildungsmisere auch bei ihnen nieder. „Bildung ist ein gesamtdeutsches Problem“, fasste BDI-Chef Jürgen R. Thumann zusammen.

Mehr Wettbewerb, so der Industrie-Präsident, könnte für Abhilfe sorgen. Schulen bräuchten mehr Freiheit, um etwa Lehrer selbst auszuwählen und qualitätsorientiert bezahlen zu können und notfalls auch Fachlehrer mit höheren Gehaltsangeboten von anderen Schulen abzuwerben. Bei Hochschulen hofft der BDI-Chef auf zügige unbürokratische Umsetzung der Forschungsprämie.

Der Bund will den Unis Prämien zahlen, wenn sie Drittmittel aus der Industrie werben. Die Pläne sehen vor, dass Berlin ihnen jeweils ein Viertel des Auftragsvolumens zu ihrer freien Verfügung beisteuert. „Genau solche Anreize brauchen wir, um die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft zu intensivieren und Forschungserfolge schneller in Produkte zu übersetzen“, erklärte Thumann. Wenn das gelinge, sei ihm um die Innovationskraft des Landes nicht bange. P. TRECHOW

Von P. Trechow

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