Forschung 09.09.2005, 18:40 Uhr

Der Forschung auf die Sprünge helfen  

VDI nachrichten, Bonn, 9. 9. 05 – Wo im deutschen Wissenschaftssystem welche Mängel und Lücken bestehen, darüber wird ab Oktober das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung berichten. Als Spitzel der Deutschen Forschungsgemeinschaft will Leiter Stefan Hornbostel das Institut nicht verstanden wissen, eher als Wasserstandsmelder.

Alles unter Kontrolle. Wenn schon die deutsche Wissenschaft nicht auf allen Gebieten Spitze sein kann, so war deren Administration – deutscher Bürokratie-Tradition sei Dank – immer auf dem Laufenden. Als Selbstverwaltungseinrichtung öffentlich geförderter Forschung war die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) über alle wissenschaftlichen Vorgänge an hiesigen Hochschulen und Instituten bestens unterrichtet.

Davon zumindest ging man bis Anfang der 90er Jahre aus. Eine internationale Expertenkommission stellte jedoch bei der Evaluation von DFG und Max-Planck-Gesellschaft fest, dass erhebliche Wissenslücken über die Ergebnisse und Erfolge der Förderung bestanden. Diese Lücken erschwerten es den DFG-Mitarbeitern, zu entscheiden, wo die Hebel effektiverer Forschungsbemühungen anzusetzen sind. Das soll es jetzt ein Ende haben.

Als Wasserstandsmelder der DFG soll von Oktober an das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) fungieren. „Wir untersuchen das ganze DFG-Spektrum, von der Nachwuchsförderung über koordinierte Programme bis hin zur klassischen Einzelförderung“, erläutert IFQ-Leiter Stefan Hornbostel die Aufgaben des künftig in Bonn ansässigen Instituts. An ein Ranking deutscher Forschungsinstitute sei nicht gedacht, strukturelle Fragen stünden im Vordergrund: „Wie sehen Kooperations- und Vernetzungsstrukturen aus? Wo sind in einer Disziplin schwach entwickelte Bereiche? Wie entwickeln sich Wissenschaftskarrieren?“ Wirkungsvolle Evaluation ließe sich aber nur erzielen, wenn man über den DFG-Tellerrand hinausschaue. „Wenn wir nicht wissen, wie es in den einzelnen Fachgebieten aussieht, wenn wir also keine Vergleiche ziehen können, ist unsere Arbeit wenig aussagekräftig.“

Dazu gehört auch der Kontakt zur deutschen Nachbarschaft. Hornbostel: „Forschung ist nicht an nationale Grenzen gebunden. Mein Wunsch ist es, gleich beim Start des IFQ die Fühler nach Europa auszustrecken, da es auf dem Gebiet der europäischen Wissenschaftsberichterstattung und Kooperation noch immer viele Baustellen gibt. Vieles ist zudem nicht kompatibel. Es wäre schön, wenn wir Problemstellungen länderübergreifend angehen könnten und kooperationswillige Partner fänden, die Interesse an ähnlichen Fragestellungen haben wie wir.“

Dabei war das Bedürfnis nationaler Hochschulen, sich einem kritischen Blick in den Spiegel zu unterwerfen, in der Vergangenheit auch nicht sonderlich ausgeprägt. Empirische Hochschulforschung wird hierzulande stiefmütterlich behandelt. Institute in Bielefeld, Kassel und Halle/Wittenberg bestätigen als Ausnahmen die Regel.

Die Gefahr, das IFQ könne in den Ruf des Big Brother der deutschen Forschung kommen, sieht der Sozialwissenschaftler Hornbostel nicht. „Evaluationsmaßnahmen wie die Überprüfung einzelner Studiengänge kamen in Deutschland sehr spät, dafür aber geballt und unkoordiniert.“ Diese allgegenwärtige und dauerhafte Kontrolle bedeute für die Forscher eine grenzwertige, mitunter Kreativität hemmende Belastung. Die IFQ-Mitarbeiter werden den Wissenschaftlern nicht permanent über die Schulter schauen. „Wir wollen den Aufwand für Primärerhebungen möglichst gering halten und zahlreiche Informationen, die aus vorliegenden Daten gewonnen werden können, für unsere evaluativen Zwecke nutzen.“ Weniger statt mehr Evaluation ist ebenso erklärtes Ziel wie die effiziente Koppelung an die Bedürfnisse der Wissenschaft – ein Dienstleister der Forschung also, kein Spielverderber.

Das IFQ wird sich nicht allein auf das Wissen von Referenten und Gutachtern stützen. In gleichem Maße greift Hornbostel auf die in Anträgen und Abschlussberichten dokumentierten Erfahrungen und die in Literaturdatenbanken erkennbaren Resonanzen der Forschung zurück. Da die Leitung des IFQ mit dem neu geschaffenen Lehrstuhl für Forschungsevaluation an der Humboldt Universität verbunden ist, wird Hornbostel zwischen Bonn und Berlin hin und her tingeln müssen. Das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung wird von der DFG in den ersten beiden Jahren mit 1,4 Mio. € gefördert. W. SCHMITZ

www.dfg.de/ifq

Von W. Schmitz

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