Marvin Minsky 26.01.2016, 16:27 Uhr

Der Altvater der Künstlichen Intelligenz ist tot

Der große Pionier der Künstlichen Intelligenz Marvin Minsky ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 88 Jahren in Boston. Die Künstliche Intelligenz war nicht sein einziges Forschungsgebiet. 

Marvin Minsky (l.) 2011 im Gespräch mit dem Sprachwissenschaftler Noam Chomsky am Massachusets Institute of Technology: Minsky gehörte zu den ersten Forschern, die sich mit künstlichen neuronalen Netzen beschäftigten. Der Altvater der künstlichen Intelligenz starb am Sonntag im Alter von 88 Jahren.

Marvin Minsky (l.) 2011 im Gespräch mit dem Sprachwissenschaftler Noam Chomsky am Massachusets Institute of Technology: Minsky gehörte zu den ersten Forschern, die sich mit künstlichen neuronalen Netzen beschäftigten. Der Altvater der künstlichen Intelligenz starb am Sonntag im Alter von 88 Jahren.

Foto: Dominick Reuter/MIT

Er war der Altvater der Künstlichen Intelligenz. Am 24. Januar 2016 ist Marvin Minsky im hohen Alter von 88 Jahren an einer Gehirnblutung im Boston Brigham and Womens Hospital gestorben. Minsky begründete im Jahr 1956 gemeinsam mit anderen Forschern auf der Dartmouth Conference den Begriff der Künstlichen Intelligenz.

Diese Konferenz war ein Forschungsprojekt, das von Minsky und anderen Pionieren an der Eliteuniversität Dartmouth College in Hanover im US-Bundesstaat New Hampshire geplant und durchgeführt wurde. Sie gilt als die Geburtsstunde der Künstlichen Intelligenz als akademisches Fachgebiet.

Minsky gründete 1959 Labor für Künstliche Intelligenz 

Drei Jahre nach dieser Konferenz gründete Minsky gemeinsam mit John McCarthy das Labor für Künstliche Intelligenz am renommierten Massachusetts Institut of Technology (MIT). Der 1927 in New York geborene Minsky gehörte zu den ersten Forschern, die sich mit künstlichen neuronalen Netzen beschäftigten, die maschinelles Lernen ermöglichen.

Marvin Minsky mit seinem berühmten Roboterarm Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre: Dieser Arm verfügte über eine Videokamera und wurde von einem Computer gesteuert. Bei diesem Experiment baut der Minsky-Arm mit Bauklötzen einen Turm.

Marvin Minsky mit seinem berühmten Roboterarm Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre: Dieser Arm verfügte über eine Videokamera und wurde von einem Computer gesteuert. Bei diesem Experiment baut der Minsky-Arm mit Bauklötzen einen Turm.

Foto: MIT Museum

So baute er bereits 1951 gemeinsam mit Dean Edmonds den Stochastic Neural Analog Reinforcement Calculator (SNARC). Diese Maschine war ein neuronaler Netzcomputer, der das Verhalten einer Maus in einem Labyrinth simulierte.

Konfokalmikroskop erfunden

Minsky forschte nicht nur abstrakt über neuronale Netze sondern auch konkret an Gehirnen. Als er 1955 Gehirnschnitte unter dem Mikroskop untersuchen wollte, kämpfte er mit starkem Streulicht im dichten Hirngewebe.

Marvin Minsky im Jahr 1968 bei einem Vortrag in Detroit: 1963 baute Minsky eine erste frühe VR-Brille.

Marvin Minsky im Jahr 1968 bei einem Vortrag in Detroit: 1963 baute Minsky eine erste frühe VR-Brille.

Foto: GJS/MIT

Er sann auf Abhilfe und erfand mit dem Konfokalmikroskop den ersten Punktscanner. Das Ergebnis: wesentlich kontrastreicherer Bilder. 1957 meldete er seine Idee zum Patent an.

Minsky baute 1963 erste VR-Brille

1963 baute Minsky eine erste frühe VR-Brille, die als Vorläufer für die heute verbreiteten VR-Systeme wie Google Glass oder Oculus Rift gelten kann. Marvin Minsky erhielt 1969 den Turing-Award – die weltweit höchste Auszeichnung im Bereich der Informatik. Er wurde damit für seine Pionierarbeit und Mentoring-Rolle auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz ausgezeichnet.

„Schillernde Figur“

Minsky war seiner Zeit gelegentlich zu weit voraus. So erklärte er schon früh, es werde bald möglich sein, „Emotionen in eine Maschine hinein zu programmieren“. 1970 prognostizierte er, dass es in drei bis acht Jahren Maschinen mit der durchschnittlichen Intelligenz eines Menschen geben werde, die Shakespeare lesen und Autos warten würden.

Einer seiner Studenten, der deutsche Autor Bas Kast, schreibt über Minsky, er sei „eine schillernde Figur, und kaum jemand, der ihn trifft, kann sich des Eindrucks erwehren, dass es sich bei ihm um ein Genie handelt“. Nun ist das Genie für immer fort.

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