Tipp für Vielflieger 22.02.2016, 09:40 Uhr

Den Jetlag einfach wegblitzen

Wer regelmäßig weite Geschäftreisen mit dem Flugzeug unternimmt, weiß, was ständiger Zeitzonenwechsel mit dem Körper anstellen kann: Schlafstörungen, mangelnde Konzentration und mehr. Mit einer speziellen Lichtblitz-Therapie in der Nacht vor Reiseantritt wollen US-Forscher den lästigen Jetlag einfach abstellen. 

Flughafen Frankfurt am Main: 2015 wurden an Deutschlands größtem Verkehrsflughafen 61 Millionen Passagiere gezählt. Wer regelmäßig weite Geschäftreisen mit dem Flugzeug unternimmt, kann ein Lied vom Jetlag singen. US-Forscher haben entdeckt, dass Lichtblitze helfen können.

Flughafen Frankfurt am Main: 2015 wurden an Deutschlands größtem Verkehrsflughafen 61 Millionen Passagiere gezählt. Wer regelmäßig weite Geschäftreisen mit dem Flugzeug unternimmt, kann ein Lied vom Jetlag singen. US-Forscher haben entdeckt, dass Lichtblitze helfen können.

Foto: Christoph Schmidt/dpa

Bei der Landung am Morgen todmüde, abends im Hotel ärgerlicherweise hellwach. Die Folgen eines plötzlichen Zeitzonenwechsels, der sogenannte Jetlag, lassen sich eben nicht so einfach abstellen. Doch! Das sagen zumindest Mediziner der Stanford University in Kalifornien. Mithilfe von Lichtblitzen. „Diese könnten es den Menschen ermöglichen, sich deutlich schneller an Zeitzonenwechsel anzupassen, als das mit anderen Methoden möglich ist“, sagt Jamie Zeitzer, Assistenzprofessor für Psychiatrie in Stanford. Zusammen mit Raymond Najjar vom Singapore Eye Research Institute untersuchte er bereits in einer früheren Studie, ob sich Dauerlicht dafür nutzen lässt, die innere Uhr auszutricksen und dem Körper Wachheit vorzugaukeln, obwohl er schläft. Das Ergebnis: Ja, aber…

Bestrahlungen mit Dauerlicht und Lichtblitzen verglichen

Wesentlich eindeutigere Ergebnisse bekamen die beiden Schlafforscher, als sie in einer weiteren Studie das Dauerlicht durch kurze Blitze ersetzten. Das Experiment: Eine Hälfte der knapp 40 Probanden mit regelmäßigem Wach-Schlaf-Rhythmus wurde kurz nach dem Einschlafen mit zwei Millisekunden langen Blitzen vor dem Gesicht bestrahlt. Alle zehn Sekunden wiederholte sich der Blitz. Bei der anderen Hälfte kam Dauerlicht zum Einsatz.

Schnelle Blitzfolge entscheidend

Die Forscher stellten fest, dass jene Studienteilnehmer, die nach dem Einschlafen angeblitzt und nicht etwa per Dauerlicht bestrahlt wurden, am darauffolgenden Tag ganze zwei Stunden später müde wurden als sonst üblich. Zugleich stieg der Spiegel des Schlafhormons Melatonin bei jener Gruppe wesentlich später an als bei jenen Probanden, die mit Dauerlicht bestrahlt wurden.

Lichtblitze könnten es Flugreisenden ermöglichen, sich deutlich schneller an Zeitzonenwechsel anzupassen, als das mit anderen Methoden möglich ist.

Lichtblitze könnten es Flugreisenden ermöglichen, sich deutlich schneller an Zeitzonenwechsel anzupassen, als das mit anderen Methoden möglich ist.

Foto: H.Gousse/master films/Airbus

Den Forschern zufolge ist die hohe Effektivität der Blitze in ihrer schnellen Folge zu begründen. Durch die nur kurzen, wiederkehrenden Intervalle könnten sich die Sinneszellen in der Netzhaut nach jedem Blitz wieder regenerieren, während Dauerlicht eher zu Erschöpfung führe.

Blitz-Therapie ist biologisches Hacking

Forscher Zeitzer betrachtet die Blitz-Therapie als biologisches Hacking: „Das Gehirn wird ausgetrickst, sodass es denkt, der Tag sei länger, obwohl du schläfst.“ Eine konkrete Anwendung sieht der Mediziner in erster Linie bei Vielreisenden – und gibt ein Beispiel: Wer morgens von Kalifornien nach New York fliegt, könne sich mit den Blitzen vor einem Jetlag bewahren.

Heute hier, morgen dort: Zeitzonenwechsel stören den Biorhythmus des Körpers. 

Heute hier, morgen dort: Zeitzonenwechsel stören den Biorhythmus des Körpers. 

Foto: Britta Pedersen/dpa

Wenn der Reisende morgens um acht erwacht, müsse er vorab dafür sorgen, dass die automatisierte Blitzfolge drei Stunden früher einsetze. Bei Ankunft in New York sei die innere Uhr somit schon auf Ostküsten-Zeit eingestellt – die sonst eintretende Müdigkeit bleibt aus.

Auch für Schichtarbeiter geeignet

Die Stanford-Wissenschaftler betonen, dass der Einsatz der Blitze auch für Schichtarbeiter nutzbar sei und zudem risikofrei. Ob letzteres wirklich der Fall ist, sei dahingestellt. Schließlich kann diese Art der Konditionierung als künstliche Manipulation des Biorhythmus betrachtet werden. Ob’s dauerhaft gesund ist? Eine Langzeitstudie gibt es jedenfalls noch nicht.

Für die schnelle biologische Regeneration hat übrigens die amerikanische Fluggesellschaft Delta Airlines bereits 2013 eine „Licht-Dusche“ vorgestellt.

Von Jan-Martin Altgeld

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