Forschung 24.09.1999, 17:22 Uhr

Daniela Düsentrieb – allein in einer Männerwelt

Frauen sind in Technikberufen immer noch selten vertreten. Schule und Elternhaus sollten daher überholte Erziehungsmuster über Bord werfen und auch bei Mädchen das – sicherlich vorhandene – Technikinteresse fördern, meinen erfahrene Ingenieurinnen.

Natürlich konnte Walt Disneys Comic-Figur und leidenschaftlicher Ingenieur nur Daniel und nicht Daniela Düsentrieb heißen. Die traditionelle Vorstellung, die mit dem Beruf des Ingenieurs verbunden wird, ist immer noch der Mann, der mit seiner genialen technischen Erfindung den Markt erschließt und ein Unternehmen aufbaut.
„Der Ingenieurberuf ist noch immer auf Männer zugeschnitten, die eine Ehefrau haben, die sie unterstützt, sich um die Kinder kümmert und ihnen den Rücken freihält“, sagt Hildegard Tesch, die vor ihrer Emeritierung als Professorin im Fachbereich Versorgungstechnik an der Fachhochschule Köln lehrte. „Frauen entsprechen oft nicht den Klischee-Erwartungen des Arbeitgebers und müssen sich deswegen auch schon viel öfter bewerben als Männer.“
Dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden zufolge hat sich zwar die Zahl der Studienanfängerinnen in den vergangenen 20 Jahren von 11,3 % auf 20,7 %, die Zahl der Absolventinnen von 7,2 % auf 15,1 % und die Zahl der Professorinnen von 0,8 % auf 3,5 % erhöht. Doch die Lösung für den schwierigen Stand der Frau im Ingenieurberuf ist damit noch lange nicht in Sicht. Zu den Problemen gehört nämlich auch, daß in Deutschland immer noch zuwenig Frauen für die Ingenieurlaufbahn zu begeistern sind. Ein Grund für diese angeblich weibliche Technikfeindlichkeit ist für Hanna Willemer, Ingenieurin und Beraterin verschiedener Unternehmen in Köln, die weitverbreitete und altmodische Tendenz in der Kindererziehung, Mädchen von klein auf von allem Technischen fernzuhalten. „Meine Eltern hatten darauf bestanden, daß wir als Kinder nicht nur kochen und nähen, sondern auch unsere Fahrradreifen flicken lernten“, sagt Hanna Willemer. Das Umdenken müsse bereits im Elternhaus beginnen und später in den Schulen mit einer bewußten Förderung der Naturwissenschaften und der Technik vertieft werden.
„Frauen können ihre spezifischen Interessen und Neigungen bei der jetzigen Studiengestaltung noch zu wenig umsetzen“, meint Annelore Chaberny, Mitarbeiterin im Referat für Frauenbelange der Bundesanstalt für Arbeit. Deswegen hätten viele Ingenieurinnen Probleme, später einen adäquaten Arbeitsplatz zu finden. „Die Möglichkeiten der individuellen Studiengestaltung sind noch viel zu stark auf die Interessen und Neigungen der männlichen Studierenden abgestellt.“ Ein Coaching von Absolventinnen der Ingenieurwissenschaften in den Beruf fände kaum statt.
Viele Männer halten eine Verbindung zwischen Frau-Sein und Kompetenz für unmöglich. Die Alternativen sind entweder kompetent und Mannweib oder Weib und inkompetent. Die Folge ist oft ein permanenter Kompetenznachweis, oder aber Frauen werden nicht ernst genommen.
In der Rolle des scheinbar Schwächeren fühlt sich Catrin Münchow gar nicht unwohl. „Es macht Spaß, unterschätzt zu werden“, sagt die 37jährige Ingenieurin. Der Erwartungsdruck sei nicht so hoch, und wenn man dann die Kollegen von der eigenen Leistung überzeugen könne, sei die Befriedigung um so größer. Von vornherein groß aufzutragen, läge Frauen eben nicht. Frauen müßten mit Qualität überzeugen. Seit 15 Jahren arbeitet Catrin Münchow erfolgreich in einem Ostberliner Ingenieurbüro: „Als ich 1985 in der DDR meine Ausbildung abgeschlossen hatte, war der Berufseinstieg zunächst noch leicht. Doch der Berufsalltag war wie im Westen von männlich orientiertem Denken beeinflußt.“ Als bedauerlich empfand die alleinerziehende Mutter diesen Umstand jedoch nicht. „Ich arbeite mit Männern, die im besten Sinne selbstbewußt sind, sogar lieber zusammen als mit Frauen. Zwar können Frauen mehr Dinge zugleich berücksichtigen und sind daher auch viel konsensfähiger als Männer. Doch Männer sind zielgerichteter.“
Nicht jede Ingenieurin wird jedoch auf eine technisch dementsprechende Erziehung zurückgreifen oder mit Hilfe ihres Charakters und ihrer Mentalität das berufsspezifische Frau-Mann-Problem lösen können. Deswegen empfiehlt Jutta Saatweber, Unternehmensberaterin und Mitarbeiterin des VDI-Bereichs „Frauen im Ingenieurberuf“, den Ingenieurinnen, vor allem auf die ständigen Veränderungen im Arbeitsleben zu reagieren. „Ingenieurinnen sollten sich, wenn sie arbeitslos werden oder wenn sie Beruf und Familie vereinbaren wollen, fortgesetzt engagieren, um nicht den Anschluß an die sich rasant ändernde Technik zu verpassen“, sagt Saatweber.
So würden heutzutage neue unternehmerische Konzepte statt eines autoritären lieber einen kooperativen Führungsstil bevorzugen. Zu diesem Managertypus paßten eher weibliche Eigenschaften. Frauen, die eine Babypause planen, sollten rechtzeitig nach individuellen Möglichkeiten mit ihrem Arbeitgeber suchen, meint Saatweber. Wichtig seien technische Hilfsmittel wie Fax, E-Mail, Inter- und Intranet, die während der Erziehungspause einen engen Kontakt zum Arbeitgeber ermöglichten – ein Kontakt, der jetzt entstehen müsse, denn schließlich sei der für das Jahr 2000 erwartete Ingenieurmangel vor allem für Frauen eine große Chance.
MARTIN ROOS
Literatur: Moniko Greif, Kira Stein (Herausgeber); Ingenieurinnen, Daniela Düsentrieb oder Florence Nightingale der Technik, in: Schriftenreihe Frauen in Naturwissenschaften und Technik e.V., Band 3, Talheimer Verlag, 1996, Mössingen, 180 S., 34 DM.
Drachen oder Vamp – zwischen diesen Bildern gibt es für viele Männer keine Alternative. Wenn Frauen in eine Männerdomäne einbrechen, finden solche Klischees schnell ihre Anhänger.

Von Martin Roos

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