Organische Elektronik 24.11.2015, 14:34 Uhr

Cyborg-Rosen: Forscher verpassen lebenden Pflanzen elektrische Leitungen

Schwedische Wissenschaftler haben Rosen leitende Kunststoffe implantiert und konnten so analoge und digitale Schaltkreise in der lebenden Pflanze erzeugen. Ihre Forschung eröffne die Möglichkeit, die Energie aus der Photosynthese nutzbar zu machen, glauben die Forscher. Ihre Cyborg-Rosen zum Leuchten bringen können sie auch schon. 

Von wegen romantischer Liebesbeweis: Cyborg-Rosen haben eine andere Mission. Schwedische Wissenschaftler haben ihnen leitende Kunststoffe implantiert und siehe da: In der lebenden Pflanze konnten so analoge und digitale Schaltkreise erzeugt werden. 

Von wegen romantischer Liebesbeweis: Cyborg-Rosen haben eine andere Mission. Schwedische Wissenschaftler haben ihnen leitende Kunststoffe implantiert und siehe da: In der lebenden Pflanze konnten so analoge und digitale Schaltkreise erzeugt werden. 

Foto: Linköping University

Über die winzigen Kanäle, die Wasser und Nährstoffe in der Pflanze verteilen, haben Forscher an der schwedischen Linköping University die wichtigsten Bauteile elektronischer Schaltkreise in Versuchspflanzen installiert. Sie verabreichten Rosen in Wasser gelöste, elektrisch leitfähige Polymere namens PEDOT-S. Die bildeten in den Leitgefäßen der Pflanze einen dünnen Film aus, ohne sie zu verstopfen.

Die Rose als Bio-Transistor

Im Versuch konnten die Forscher so einen Strang aus organischen Halbleitern als Transistor in einem elektrischen Schaltkreis einsetzen. Als Elektrolyt diente der natürliche Pflanzensaft, in dem Ionen, also elektrisch geladene Teilchen, transportiert werden, die Stoffwechselvorgänge auslösen. Den Forschern zufolge funktioniert der Bio-Transistor ähnlich dem siliziumbasierten, der beispielsweise in Smartphones und Computern zu finden ist.

Mit Hilfe organischer Elektronik könnte zum Beispiel gelingen, die bei der Photosynthese entstehehende Energie für Brennstoffzellen zu nutzen. 

Mit Hilfe organischer Elektronik könnte zum Beispiel gelingen, die bei der Photosynthese entstehehende Energie für Brennstoffzellen zu nutzen. 

Quelle: Linköping University

Und nicht nur das. Mit Hilfe einer anderen PEDOT-Variante konnten die Wissenschaftler die Farbe der Rosenblätter verändern. Sie ließen die Polymere zusammen mit Nanocellulose-Fasern ins Blattwerk der Rosen diffundieren, wo die Cellulose eine schwammartige, dreidimensionale Struktur aufbaute. Die Hohlräume füllten sich mit den leitfähigen Polymeren. Zusammen mit den Elektrolyten aus dem Pflanzensaft arbeitete das so entstandene Gewebe den Forschern zufolge so ähnlich wie ein Display. So konnten sie das Grün heller und dunkler dimmen.

Photosynthese-basierte Brennstoffzellen

Zum einen ließen sich anhand ihrer Studien Prozesse innerhalb der Pflanze besser verstehen, fassen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse zusammen.  Die organische Elektronik eröffne darüber hinaus eine ganze Reihe von Möglichkeiten: Denkbar sei zum Beispiel, dass man eines Tages die Energie, die bei er Photosynthese entstehe, für Brennstoffzellen nutzen könnte. Letztlich sei es auch möglich, Wachstum und Entwicklung von Pflanzen zu beeinflussen und zu regulieren – möglicherweise eine Alternative zur Gentechnik.

Endlich könne man im wahrsten Sinne über “Energiepflanzen” reden, stellt Professor Magnus Berggren, der Leiter des Forscherteams vom Laboratory for Organic Electronics, fest. „Wir können Sensoren in Pflanzen platzieren und die Energie nutzen, die im Blattgrün steckt, grüne Antennen produzieren oder neue Materialien“, zeigt er das Potential seines Forschungsgebiets auf. „Alles passiert natürlich, und wir nutzen das hochentwickelte und einzigartige System der Pflanze selbst.“

Ein Beitrag von:

  • Susanne Neumann

    Susanne Neumann ist Webjournalistin. „Inhalt mit Anspruch“ ist das Motto der freien Journalistin und Online-Redakteurin. Sie steht für gründliche Recherche, eine verständliche Darstellung auch komplizierter Sachverhalte und Freude am Thema. Sie hat  Politik-, Theater-, und Kommunikationswissenschaften studiert.

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Forschung & Entwicklung

Airbus-Firmenlogo
Airbus Systems and Test Engineer Flight Simulation (d/m/f) Manching
Airbus Defence and Space GmbH-Firmenlogo
Airbus Defence and Space GmbH A400M Senior Electronic Warfare Systems Engineer (d/f/m) Manching
Forschungszentrum Jülich-Firmenlogo
Forschungszentrum Jülich Leiter der Abteilung "Elektrochemische Prozess- und Systemtechnologie" (w/m/d) Jülich
Forschungszentrum Jülich-Firmenlogo
Forschungszentrum Jülich Postdoc (w/m/d) – Verkehrstechniken und Mobilität Jülich
Forschungszentrum Jülich-Firmenlogo
Forschungszentrum Jülich Postdoc (w/m/d) – Globale Energiesysteme Jülich
über Hahn Personalconsulting-Firmenlogo
über Hahn Personalconsulting Produktentwickler (m/w/d) Bereich Ventiltechnik Bayreuth, Hof, Weiden, Wunsiedel, Selb
ALTEN GmbH-Firmenlogo
ALTEN GmbH Entwicklungsingenieur (m/w/d) HiL / MiL / SiL München
IAV GmbH-Firmenlogo
IAV GmbH Entwicklungsingenieur (m/w/d) Entwicklung & Integration Connected Car Services Gifhorn
IAV GmbH-Firmenlogo
IAV GmbH Entwicklungsingenieur (m/w/d) Fahrerassistenzsysteme / Autonomes Fahren Heimsheim
THD - Technische Hochschule Deggendorf-Firmenlogo
THD - Technische Hochschule Deggendorf Professor oder Professorin (d/m/w) (W2) Präzisionsfertigung optischer Freiformflächen Teisnach

Alle Forschung & Entwicklung Jobs

Top 5 Forschung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.