Forschung 14.12.2007, 19:32 Uhr

BMW finanziert Freude am Forschen  

VDI nachrichten, München, 14. 12. 07, rus – Müssen Wissenschaftler eine Ausstrahlung wie Pop-Stars haben, um Erkenntnisse in die Gesellschaft zu tragen, um für Akzeptanz zu werben, Begeisterung zu verbreiten? Darüber stritten Wissenschaftler in einer Diskussion anlässlich der Verga-be des BMW-Scientific Award.

Gabriele Zuna-Kratky, Direktorin des Technischen Museums Wien, sorgte für Aufregung mit ihrer These: „Wir haben dem Lustprinzip zu folgen.“ Denn, so ihre Argumentation, wer etwas vermitteln wolle, sollte die Menschen dazu kriegen, sich freiwillig mit den Ausführungen zu beschäftigen. Ein Lösungsvorschlag der engagierten Wienerin: „Die Wissenschaft braucht Ikonen. Die frühen Ikone sehen sie als Büsten in Museen.“

Büsten in Museen ziehen nur bedingt öffentliches Interesse auf sich. Museumsdirektorin Dr. Gabriele Zuna-Kratky schlägt als zeitgemäßen Weg zu mehr Akzeptanz und Öffentlichkeit für die Wissenschaft vor: „Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie stehen. Wir müssen heute Informationen in einer Minute oder weniger rüberbringen. Deshalb müssen Wissenschaftler auch Show-Men sein.“

Astronaut Ulrich Walter, Jury-Vorsitzender des BMW Scientific Award und Professor an der TU München, ergänzte: „Den Menschen interessiert der Mensch. Es geht daneben, wenn jemand abends im Fernsehen die neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse vorliest.“

Noch pointierter formulierte Prof. Ernst Peter Fischer von der Uni Konstanz die Herausforderung an Wissenschaftler: „Ich bin dafür, dass die Wissenschaft sich Stars aufbaut.“ Er ließ offen, ob die Wissenschaftler selbst die Stars seien oder die Vermittler der Erkenntnisse populär auftreten sollten. Auf jeden Fall solle der Vermittler eine Ausstrahlung haben, dass man fühlt, der weiß, wovon er redet.

Ein weiteres Manko laut Fischer: „Deutsche sind Grübler. Souveränität, Gelassenheit, Freundlichkeit fehlen den Berichterstattern und Vermittlern von Wissenschaft. Amerikaner treten ganz anders auf. Sie vermitteln Wissenschaft mit Witz und Humor, mit Wortspielen. Sie schrecken nicht durch hochgestochenen Sprachstil ab.“ Die direkte Folge im deutschen Sprachraum laut Fischer: „Wissenschaft hat kein Gesicht.“

Einer, der prominent ist und wissenschaftliche Ergebnisse in drei Sätzen mit Charme und Humor vermitteln kann, ist Astronaut Walter. Das war auch seine Aufgabe während der Vergabe der Preise des BMW Scientific Award im Ehrensaal des Deutschen Museums in München am 6. Dezember. Doch selbst der geübte Moderator Walter meinte. „Ich möchte doch lieber Wissenschaftler bleiben. Das interessiert mich mehr.“

Gar nicht einverstanden mit dem „Star-Kult“ um Wissenschaftler ist Jurymitglied Volker Schindler, Professor an der TU Berlin: „Ich will mich nicht mit dem Gehabe eines Stars verbiegen müssen. Ich erwarte von einem Wissenschaftler vor allem eines: präzise Informationen.“

„Die Öffentlichkeit erwartet Stars“, warf Astronaut Ulrich Walter ein: „Die Leute gucken Formel 1, weil da Schumi und Co. dabei sind, nicht weil da ein paar Autos im Kreis fahren.“

Walters Mahnung: „Jeder Wissenschaftler sollte für seinen Teil der Arbeiten auch die Person sein, die Ergebnisse kommunizieren kann.“ Kommunikation sei Teil der Wissenschaft, Teil der Akzeptanz für wissenschaftliche Arbeiten. Wenn Entdeckungsdrang und Begeisterung der Wissenschaftler auf Teile der Bevölkerung übersprängen, sei es leichter, Fördermittel zu erhalten.

Der ehemalige Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber wünschte sich in diesem Zusammenhang, „den Geist von Innovation dorthin zu bringen, wo die Weichen für gesellschaftliche Entwicklungen gestellt werden.“

„Mediengängige“ Personen aus Natur- und Ingenieurwissenschaften werden noch aus einem ganz anderen Grund gebraucht: Anwerbung von Nachwuchs.

BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Draeger mahnte in seiner Rede anlässlich der Preisvergabe des Scientific Award an junge Nachwuchswissenschaftler eindringlich: „Bereits heute bereitet uns die ungenügende Anzahl qualifizierter Absolventen in naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen Sorge. Das muss sich dringend ändern.“

Klaus Draeger: “ Es wird entscheidend sein, dass wir die Freude am Forschen besser vermitteln.“

Visionäre Projekte brauchen Promoter mit langem Atem und große Überzeugungskraft. Das erfahren beispielsweise die Befürworter des Paradigmenwechsels vom Öl zum Wasserstoff. Das wird Jahrzehnte dauern und eine konzertierte Kraftanstrengung der Gesellschaft erfordern. Draeger: „Regenerartiv erzeugter Wasserstoff bietet die saubere Mobilität der Zukunft.“

„Gerade weil wir wissen, wie schwierig es manchmal ist, Innovationen zum Erfolg zu führen, fördern wir“, so Entwicklungsvorstand Draeger, „gezielter etwas, das mit Geld nicht zu bezahlen ist: Innovationsgeist. Damit meine ich: Mut, Kreativität, Freiraum und Begeisterung für Neues.“

Der BMW Scientific Award ist – nach Konzernangaben – mit 70 000 € einer der höchstdotieren Preise für Nachwuchswissenschaftler weltweit. Er soll in zwei Jahren wieder verliehen werden. R. SCHULZE

Von R. Schulze

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