Gefälschte Expertengutachten 07.04.2015, 06:54 Uhr

Betrügereien bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen

Der renommierte Londoner Wissenschaftsverlag BioMed Central hat nach einer eingehenden Überprüfung seiner 277 Fachzeitschriften in mindestens 43 Fällen schwerwiegende Unstimmigkeiten festgestellt. Das reicht vom missbräuchlichen Benutzen der Namen fremder Wissenschaftler bis zu frei erfundenen Namen angeblicher Wissenschaftler. Vor allem Expertengutachten werden offenbar munter in großem Stil gefälscht.

Bei der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen im Wissenschaftsverlag BioMed Central wurden Betrügereien festgestellt. Wie viele andere Fachverlage auch veröffentlicht er die Beiträge von Wissenschaftlern in der Regel nur nach der Vorlage von Gegengutachten. Agenturen, die Autoren diesen Service anbieten, haben dabei Namen von Experten verwendet, die selbst davon gar nichts wussten oder einfach Namen von Gegengutachten erfunden.

Bei der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen im Wissenschaftsverlag BioMed Central wurden Betrügereien festgestellt. Wie viele andere Fachverlage auch veröffentlicht er die Beiträge von Wissenschaftlern in der Regel nur nach der Vorlage von Gegengutachten. Agenturen, die Autoren diesen Service anbieten, haben dabei Namen von Experten verwendet, die selbst davon gar nichts wussten oder einfach Namen von Gegengutachten erfunden.

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

BioMed Central veröffentlcht wie viele andere Fachverlage  Beiträge von Wissenschaftlern in der Regel nur nach der Vorlage von Gegengutachten. Durch dieses so genannte Peer-Review sollen Verfahrensfehler von vornherein ausgeschlossen werden.

Täter sind vielfach so genannte Spezialagenturen

Inzwischen haben sich jedoch zahlreiche Spezialagenturen am Markt eingenistet, die diese Gegengutachten den Autoren versprechen und auch tatsächlich liefern. Dabei kommt es offenbar zu Betrügereien.

Elizabeth Moylan, Senior Editor bei BioMed Central, erklärte dazu vorsichtig: “Einige der Manipulationen scheinen von Agenturen zu stammen, die Studienautoren Sprachbearbeitung und Hilfe bei der Einreichung ihrer Arbeiten anbieten.” Dann aber wird Moylan deutlicher: “Es ist unklar, ob die Autoren der betroffenen Manuskripte wussten, dass die Agenturen fingierte Reviewer in ihrem Namen vorschlugen oder ob sie selbst die fiktiven Rezensenten ins Spiel brachten.”

Die Zeitschrift Laborwelt in Deutschland erinnert in diesem Zusammenhang an den Fall des koreanischen Klonforschers Hwang Woo Suk, der sich vor Jahren zum Prüfer seiner eigenen Arbeiten aufschwang. Diese Arbeiten hatten damals zu zwar anfangs sensationellen, aber schließlich als falsch erwiesenen wissenschaftlichen Ergebnissen geführt.

Wissenschaftliche Autoren unter massivem Druck

Den Hauptgrund für den geschilderten Betrug sieht Elizabeth Moylan woanders: “Es ist traurige Realität, dass der Hintergrund für dieses Problem auf einer höheren Ebene liegt. Herausgeber allein können es nicht beheben.” Angesprochen wird damit der massive Druck, der heute auf vielen wissenschaftlichen Autoren liegt, die die Ergebnisse ihrer Forschung so schnell wie möglich veröffentlichen sollen, wobei die Qualität dieser Veröffentlichungen vielfach auf der Strecke bleibt.

Die 43 Fälle im BioMed Central-Verlag gelten nur als die Spitze des Eisbergs. Das Committee on Publication Ethics (COPE) hat bereits begonnen mit Herausgebern, deren Verbänden sowie nationalen Behörden Möglichkeiten zu diskutieren, die die derzeitige Situation verbessern könnten.

Der Druck auf die Wissenschaftler ist so groß, dass einzelne Verlage wie zum Beispiel die Nature Publishing Group aus dem Macmillan Verlagskonzern in London seit kurzem den Autoren rund 700 Euro nur dafür berechnen, dass sie versprechen, über die Veröffentlichung eines eingereichten Papiers binnen drei Wochen zu entscheiden.

Chefredakteur Mark Maslin zurückgetreten

Professor Mark Maslin vom University College London hat auf Grund dieser Machenschaften inzwischen seinen Rücktritt vom Posten des Chefredakteurs von “Scientific Reports” aus der Nature Publishing Group bekannt gegeben. Er fürchtet, dass finanziell starke Forscher gegenüber ärmeren Kollegen bei Veröffentlichungen einen solchen Vorteil bekommen, dass es “zu einem Zweiklassensystem” kommt.

Bereits heute nimmt “Scientific Reports” den Autoren jeweils einen Beitrag von 1500 US-Dollar für jede Veröffentlichung ab und begründet das mit den Kosten für Prüfung des Manuskripts, Layout und Publikation.

Verschiedene Formen des Betrugs

Am krassesten ist der Betrug dann, wenn als Gutachter ein fiktiver Wissenschaftler genannt wird. Nicht viel weniger krass ist aber, wenn ein existierender Wissenschaftler genannt wird, der den zu begutachtenden Text überhaupt nicht gesehen hat. So kommt es vor, dass eine Agentur einfach einen Namen benutzt und bei der Veröffentlichung eine Email-Adresse darunter setzt, die nicht jene des Wissenschaftlers ist, sondern die Mail zur ihr selbst leitet. In anderen Fällen geben Gutachter Stellungnahmen ab, die letztlich schlicht und einfach gegen Bares gekauft sind.

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