Forschung 01.06.2001, 17:29 Uhr

BDI bemängelt Effizienz staatlicher Forschung

Gerade bei den öffentlichen Forschungsinvestitionen, von denen die Politik behauptet, sie förderten die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, konstatieren Industrievertreter einen „eklatanten Effizienzmangel“. Noch in dieser Legislaturperiode fordern sie deshalb von der Politik einschneidende Reformen.

Ginge es nach dem Willen der Industrie, dann stünde die deutsche Forschungslandschaft vor einer Revolution. Anfang dieser Woche legten BDI und DIHT gemeinsam ihr Thesenpapier „Die öffentliche Forschungslandschaft in der Wissengesellschaft“ vor. Darin wird gerade für den Einsatz jener Mittel, die von Bund und Ländern in anwendungs- und marktnahe Forschungsprojekte investiert werden, ein „eklatanter Effizienzmangel“ konstatiert, so der DaimlerChrysler-Forschungschef und Vorsitzende des BDI-Forschungsausschusses, Klaus-Dieter Vöhringer.
Die fehlende Effizienz ist nach Vöhringer weniger ein Verschulden einzelner Wissenschaftler, sondern Folge des verkrusteten deutschen Wissenschafts- und Innovationssystems.
Für BDI und DIHT ergeben sich daraus vier Schlussfolgerungen:

  • Die Forschungseinrichtungen in Deutschland brauchen mehr Wettbewerb, aber auch mehr Chancengleichheit beim Einwerben neuer Fördergelder.
  • Die institutionelle Förderung – langfristige gebundene Mittel für Gebäude und technische Großgeräte – soll gegenüber der Programm- und Projektförderung deutlich zurückgefahren werden.
  • Die Forschungseinrichtungen brauchen mehr Eigenverantwortung und Selbststeuerung.
  • Die Wirtschaft muss sofort in die Entscheidungen des Staates einbezogen werden, wenn es um die Vergabe von Fördermitteln geht, die auf die Steigerung der technologischen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zielen.

Die Konsequenzen die Forderungen für die Mehrheit der öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen in Deutschland wären erheblich. Denn Chancengleichheit heißt für DIHT und BDI eine für alle Forschungseinrichtungen vergleichbare staatliche Finanzierungsbasis, die sich an der Fraunhofer-Gesellschaft orientiert. Die Fraunhofer Institute bekommen gut 40 % institutionelle Mittel vom Staat, akquirieren aber fast 60 % ihrer Mittel im Wettbewerb. Zum Vergleich: Die Großforschungseinrichtungen erhalten nur 25 % ihrer Mittel über im Wettbewerb ausgeschriebene Forschungsvorhaben, die Hochschulen 33 %, die Max-Planck-Institute im Durchschnitt nur magere 7 %.
BDI und DIHT schlagen nun vor, die institutionelle Förderung insbesondere bei den 16 Großforschungseinrichtungen und den über 80 Einrichtungen der sog. „Blauen Liste“ in den kommenden Jahren um jährlich 10 % zu reduzieren, da die stetig anwachsenden institutionellen Fördermittel die Flexibilität der Forschung lähmen. (Siehe Grafik)
Die durch die Kürzung der institutionellen Fördermittel freiwerdenden Gelder will die Industrie stärker im Wettbewerb ausschreiben. Rein rechnerisch stünden dann, so der BDI, gut 6,5 Mrd. DM im Jahr für die anwendungsnahe Forschung und die gleiche Summe für längerfristige, wissenschaftliche Projekte zur Verfügung. Diese könnten dann über Ausschreibungen vergeben werden, wobei, so die Idee von DIHT und BDI, letztlich der Erfolg im Kampf um diese Mittel ein Maßstab auch für die institutionellen Fördergelder sein soll.
Wesentliches Ziel der Industrieposition ist das Aufbrechen der Verkrustung der Forschungslandschaft, verbunden mit der Überzeugung, dass diese sich effizienter organisieren würde, wenn sie nur dürfte.
So sehen BDI und DIHT auch die Zusammenführung der ehemaligen Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD)mit der Fraunhofer-Gesellschaft oder die neue, zentralistisch ausgerichtete Struktur der in der Helmholz Gemeinschaft zusammengefassten Großforschungseinrichtungen mit gemischten Gefühlen. „Ideal wäre natürlich“, so Wolf Klinz, Vorsitzender des DIHT-Ausschusses für Industrie und Forschung, „wenn die Forschungseinrichtungen die Spielräume hätten, sich selbst zu organisieren. Solange das nicht der Fall ist, muss eben die Politik nachhelfen“.
Auch im Fall der Helmholz-Gemeinschaft fürchte die Industrie, dass ihr keine Möglichkeit gegeben wird, bei Entscheidungen über marktnahe Forschungsvorhaben Einfluss zu nehmen.
Ob die Politik jedoch hier nachhilft, und angesicht des näher rückenden Wahlkampfes die radikalen Forderungen der Industrie zur Reformierung der deutschen Forschungslandschaft unterstützt, bleibt fraglich. moc

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Mock

    Redakteur und Reporter VDI nachrichten. Fachthemen: Wissenschafts- und Technologiepolitik, Raumfahrt, Reportagen.

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