Zukunftsprognosen 16.07.2010, 19:47 Uhr

Auf dem Weg zur „kollektiven Intelligenz“

Zwei aktuelle Studien werfen einen Blick in die Welt von morgen. Der Technologiereport von Prognos zeigt Trends der kommenden Jahre auf, die State-of-the-Future-Studie des Millennium-Projekts greift darüber hinaus auch allgemeinere gesellschaftliche Trends auf. Klar scheint vor allem eins: Die Geschwindigkeit des Wandels nimmt zu.

„Setzen sich die gegenwärtigen Trends bei Bevölkerungswachstum, Ressourcenschwund, Klimawandel, Terrorismus, organisiertem Verbrechen und Krankheiten in den nächsten 50 Jahren bis 100 Jahren fort, kann man sich leicht eine instabile Welt mit katastrophalen Folgen vorstellen. Wenn aber die gegenwärtigen Trends bei der Selbstorganisation der Menschen über zukünftige Internetstrukturen, bei transnationaler Kooperation bei den Materialwissenschaften, den alternativen Energien, den Kognitionswissenschaften, den zwischenreligiösen Dialogen, der synthetischen Biologie und der Nanotechnologie anhalten und einander ergänzen, dann kann man sich leicht eine Welt vorstellen, in der alle Menschen ihr Auskommen haben.“ So der jüngst veröffentliche Report des Millennium-Projekts: „State of the Future 2010“.

Solche Studien versuchen, große Breschen in die Zukunft zu schlagen, große Perspektiven aufzuzeigen – manche aktuellen Entwicklungsaspekte werden deshalb ausgeblendet manche, die derzeit eher unbedeutend erscheinen, deutlicher herausgearbeitet.

Wieder andere Studien versuchen, eng am Markt Technologietrends aufzuspüren, die von unmittelbarer gesellschaftlicher, vor allem aber wirtschaftlicher Bedeutung sein können.

Eine solche Untersuchung hat das Marktforschungsunternehmen Prognos mit seinem aktuellen „Technologiereport 2010“ vorgelegt.

Die Prognos-Studie geht davon aus, dass im Wesentlichen sechs große Trends die technologische Entwicklung in den nächsten Jahren prägen werden. Dabei legt die Studie einen gewissen Schwerpunkt auf die Lebenswissenschaften.

– Demnach wird in den kommenden Jahren die molekulargenetische Diagnostik weiter an Bedeutung gewinnen, wobei zugleich die Preise für solche Verfahren sinken. Zudem wird sich auf der Basis miniaturisierter Mikrochips die Diagnostik von Chromosomen deutlich verbessern.

– Das mobile Computing wird benutzerfreundlicher und intelligenter. In Zukunft werden sich solche Systeme vermehrt durch Handzeichen, Sprache, möglicherweise aber auch allein über die Augenbewegungen steuern lassen.

– Verbundwerkstoffe, werden sich, getrieben von ökologischen und Kostengründen, weiter durchsetzen. Treiber sind hier die Automobilbranche, die Flugzeughersteller, aber auch die Bauindustrie.

– Der Einsatz der Lasertechnologie wird sich auf immer neue Gebiete ausdehnen. Demnach wird der Laser zunehmend in der Optik- und Elektronikfertigung Einzug halten, oder zur Bereitstellung von Prozesswärme dienen.

– Einen ganz wesentlichen Sprung nach vorn, so die Autoren des Prognos-Berichts, dürfte in den kommenden Jahren die Medizintechnik machen und zwar vor allem durch die Mikroelektronik und die Nanotechnologie. Intelligente Implantate werden Organe steuern, miniaturisierte Sensoren Krankheitsverläufe überwachen. Auch die berührungsfreie Diagnostik wie die verbesserte Therapie mit Hilfe von nanotechnischen Produkten dürfte sich in den nächsten Jahren deutlich verbessern.

– Und schließlich werden längerfristig, wenngleich das heute erst in Ansätzen erkennbar ist, Umweltaspekte und energiepolitische Instrumente die Entwicklung und die industrielle Produktion von neuen Produkten immer nachhaltiger beeinflussen.

Wesentlich breiter auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen hin angelegt ist die Zukunftsstudie des Millennium-Projekts „State of the Future 2010“. In deren Prognosen über die Welt von morgen spielen die erwarteten Fortschritte etwa beim Zugang zu sauberem Trinkwasser, bei der Alphabetisierung und bei der Lebenserwartung, aber auch bei der Anzahl der Frauen in den Parlamenten weltweit eine wichtige Rolle.

Dennoch gibt es durchaus Trends in beiden Studien, die in die gleiche Richtung weisen: Beide Studien gehen davon aus, dass dem Internet in in Form des „semantic web“ (Web 3.0) eine enorme Bedeutung zukommen wird. Das könnte, so die Prognos-Studie, ab 2014 bis 2020 der Fall sein.

Zugleich würden zunehmend auch die Menschen, die in ländlichen Gebieten leben, an des Netz angeschlossen. Was nicht ohne Konsequenzen bleiben wird, so der Millenniums-Bericht: Schon heute fallen pro Jahr gut 40 Mio. t Elektronikschrott an. Der dürfte in den kommenden Jahren „dramatisch anwachsen“, so der Report.

Es gibt auch widersprüchliche Trends: Um den Technologien, die der Prognos -Bericht als wesentliche Trends heraus stellt, auch zum Durchbruch zu verhelfen, sind massive Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) notwendig. Die europäischen Staaten zumindest versuchen schon seit Jahren ihre FuE-Ausgaben auf 3 % des Bruttoinlandsprodukte zu erhöhen – ohne signifikanten Erfolg.

Auch der Millennium-Report sieht für die Zukunft keine großen Fortschritte bei den FuE-Ausgaben, bestenfalls eine Stagnation. So zitieren die Autoren des Millennium-Reports besorgte Stimmen, die fordern, dass sich die USA und China zu einer großangelegten Forschungsinitiative – ähnlich dem Apollo-Programm der USA – zusammentun sollten, um eine globale Forschungsstrategie gegen den Klimawandel anzustoßen.

Trotz aller Fortschritte in den nächsten Jahren dürften der Menschheit Krisen wie die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko oder die Luftfahrtkrise nach dem Vulkanausbruch in Island erhalten bleiben. Allerdings könnte sich der Umgang mit solchen Krisen ändern.

So sieht der Millennium-Report in naher Zukunft eine „kollektive Intelligenz“ entstehen. Diese kollektive Intelligenz wird als „Eigenschaft definiert, die als Folge der Synergien von Mensch, Software und Information entsteht, und über kontinuierlichen Feedback Just-in-time-Wissen produziert, das besser ist als das Wissen der jeweiligen Elemente allein“.

Das mag eine Entwicklung sein, die noch in ihren Anfängen steckt, erste Anwendungen gibt es aber bereits.

Sicher scheint jedoch, dass sich der Umfang dessen, was sich in den nächsten 25 Jahren ändert, weit größer sein wird als das, was sich in den letzten 25 Jahren geändert hat, „weil sich die Elemente dieses Prozesses beschleunigen: Computerleistung Internetbandbreite, Miniaturisierung, synthetische Biologie und die Globalisierung“, so der Millennium-Report. moc

Von Wolfgang Mock

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