KOMETENFORSCHUNG 08.07.2015, 13:16 Uhr

Auf Tschuri könnte es Leben geben

Zwei britische Astronomen glauben, dass es auf dem unwirtlichen Himmelskörper Tschuri Mikroorganismen geben könnte. Tatsächlich ist dort organisches Material nachgewiesen worden. 

Sieht eher ungemütlich aus: Komet Tschuri. Britische Forscher halten die dortigen Lebensbedingungen für besser als in der Antarktis. 

Sieht eher ungemütlich aus: Komet Tschuri. Britische Forscher halten die dortigen Lebensbedingungen für besser als in der Antarktis. 

Foto: ESA/Rosetta/NAVCAM CC-BY-SA IGO 3.0

70 °C – unter Null natürlich – beträgt die durchschnittliche Oberflächentemperatur des Kometen 67/Tschurjumow-Gerrasimenko, besser bekannt unter seinem Kosenamen Tschuri. Philae, die Sonde, die auf ihm gelandet ist, hat das gemessen. In der Antarktis oder der Arktis werden solche Temperaturen auch erreicht. Dennoch gibt es dort Leben. Das hat zwei britische Astronomen auf eine kühne Idee gebracht:

Auch auf dem von der Erde hunderte Millionen Kilometer entfernten kleinen Himmelskörper könnte sich Leben in Form von Mikroorganismen entwickelt haben. Immerhin hat Rosetta, das Mutterschiff der Sonde Philae, organisches Material auf dem Kometen entdeckt, also Wasserstoff und Kohlenstoff. Das sind die Grundbausteine allen Lebens.

Gase produzierende Kleinstlebewesen im Untergrund?

Max Willis und sein Kollege Chandra Wickramasinghe, Astronomen an der Universität Cardiff in Großbritannien, haben ihre Theorie jetzt auf der Konferenz der Royal Astronomical Society in Wales vorgestellt. Die zerklüftete Oberfläche deute darauf hin, dass der Komet „kein tiefgefrorener inaktiver Körper, sondern geologisch aktiv“ sei, sagten sie. Mikroorganismen, die im Untergrund lebten, hätten möglicherweise Gase produziert, die in Hohlräumen eingeschlossen waren. Als der Druck zu stark wurde, seien diese Taschen explodiert. Eis, Gestein und organisches Material seien hinausgeschleudert worden.

Bessere Bedingungen als in Arktis und Antarktis?

Andere Wissenschaftler erklären die Oberflächenform mit dem Einsturz kleiner Höhlen. Von Leben könne überhaupt keine Rede sein. Der Physiker Matt Taylor sagte der britischen Zeitung „The Telegraph“: „Das ist pure Spekulation. Es ist sehr unwahrscheinlich.“ Der Komet biete nach allem, was man bisher wisse, keine Bedingungen für die Entstehung von Leben. Was die beiden Astronomen aus Cardiff aber nicht beirrt. Die Umweltbedingungen seien dort tief im Weltall sogar besser als in den kältesten Regionen der Erde.

Die Wissenschaftler des Osiris-Teams unterteilten den Kometen Churuymov-Gerasimenko (Tschuri) in 19 unterschiedliche Regionen. Osiris ist das Kamerasystem der europäischen Raumsonde Rosetta. 

Die Wissenschaftler des Osiris-Teams unterteilten den Kometen Churuymov-Gerasimenko (Tschuri) in 19 unterschiedliche Regionen. Osiris ist das Kamerasystem der europäischen Raumsonde Rosetta.

Quelle: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA

Das Raumfahrzeug Rosetta hatte vor rund einem Jahr nach zehnjährigem Flug den Kometen erreicht und war in eine Umlaufbahn eingeschwenkt. Nachdem die wissenschaftlichen Geräte an Bord Tschuri zunächst aus der Ferne beschnüffelt hatten, setzte Rosetta die Sonde Philae aus, die auf dem Kometen landete, um kurz darauf in einen monatelangen Tiefschlaf zu versinken, weil es an Energie fehlte.

Mittlerweile ist sie wieder aufgewacht und schickt Aufsehen erregende Erkenntnisse zur Erde, über die sich auch trefflich spekulieren lässt. Tschuri setzt unterdessen seinen Weg zur Sonne fort. Die zunehmende Temperatur wird im Laufe der Zeit sein Eis schmelzen lassen. Letztlich wird er verdampfen.

 

Von Wolfgang Kempkens

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