SCHLUDEREI BEI DER DATENSICHERUNG 06.01.2014, 16:44 Uhr

Archivierung von Forschungsergebnissen: Veraltete Speichermedien, ungültige Adressen

Rund 80 Prozent der Informationen, auf denen wissenschaftliche Studien aufbauen, sind nach 20 Jahren spurlos verschwunden. Kanadische Experten fordern jetzt eine Speicherung in allgemein zugänglichen Datenbanken.

Rohdaten von Wissenschaftlern sind nach 20 Jahren bereits zu 80 Prozent verschwunden, weil sie nicht richtig gesichert waren.  

Rohdaten von Wissenschaftlern sind nach 20 Jahren bereits zu 80 Prozent verschwunden, weil sie nicht richtig gesichert waren.  

Foto: Wikimedia

Forscher, die Studien anfertigen, bedienen sich gern fremder Informationen. Das ist durchaus legitim, wenn sie es zugeben. Doch diese Rohdaten sind in Gefahr, haben kanadische Wissenschaftler jetzt herausgefunden. Nach 20 Jahren sind bereits 80 Prozent verschwunden, weil sie nicht richtig gesichert waren. Computer samt Festplatten und die darauf gespeicherten Daten landen auf dem Recyclinghof, oder die Daten befinden sich auf einem Träger, für den es  keine Abspielmöglichkeit mehr gibt, etwa auf einer ganzen Batterie Floppy Disks. Wer auf alte Daten angewiesen ist oder ältere Studien überprüfen will landet deshalb oft in einer Sackgasse.

„Viele Daten sind einzigartig und unersetzlich, andere nur mit großem Aufwand zu rekonstruieren“, sagt Timothy Vines von der University of British Columbia in Vancouver, der die Studie anfertigte. Doch bisher gibt es keine Regelung, diese Daten besonders zu schützen oder zentral aufzubewahren. Stattdessen bleibt es jedem Wissenschaftler selbst überlassen, wo und wie er seine Forschungsdaten speichert. Vines fordert die wissenschaftlichen Fachjournale auf, die Daten, die zu den jeweiligen Veröffentlichungen gehören, in einer allgemein zugänglichen Datenbank zu speichern. Das renommierte British Medical Journal macht das bereits. Wenn Daten für die Nachwelt erhalten bleiben hat das noch weitere Vorteile: Fälschungen und Schönfärbereien lassen sich leicht nachweisen.

Fahndung nach der Basis von 516 Studien

Die Kanadier gingen ganz pragmatisch vor. Sie fahndeten nach den Rohdaten von 516 Studien, die zwischen 1991 und 2011 veröffentlicht worden waren. Sie schrieben alle Autoren unter der in den Studien genannten E-Mail-Adressen an und erlebten viele Enttäuschungen. Zahlreiche Adressen existierten nicht mehr, und häufig war auch die Fahndung nach den jeweils aktuellen Adressen erfolglos. Pro Jahr sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass eine E-Mail-Adresse noch gültig ist, um  sieben Prozent, fanden sie heraus.

Auch erfolgreiche Kontakte zu Autoren waren längst nicht immer von Erfolg gekrönt. Viele hatten die Rohdaten einfach verschludert. Die Chance, sie noch zu finden, sinkt mit jedem Jahr um 17 Prozent. „Keiner erwartet, dass es leicht ist, Rohdaten einer 50 Jahre alten Studie zu finden. Aber es war überraschend festzustellen, dass schon nach 20 Jahren fast alle Rohdaten verloren gegangen waren“, so Vines.

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