Forschung 07.10.2005, 18:40 Uhr

Anlaufstellen für den innovativen Mittelstand

Forschung ist nicht nur etwas für Großunternehmen. 200 zumeist mittelständische Betriebe nutzen über das Institut für Werkstofftechnik in Bremen die Dienste der Wissenschaft.

Brillenträger erinnern sich mit Grausen an das Problem: Bis vor einigen Jahren verursachten schon kleinste Staubkörner dicke Kratzer auf den Kunststoffgläsern. „Seitdem es gelungen ist, die Oberfläche mit einer hauchdünnen Keramikschicht zu schützen, ist das Problem beseitigt“, sagt Prof. Dr.-Ing. Hans-Werner Zoch, geschäftsführender Direktor des Instituts für Werkstofftechnik (IWT) in Bremen.
Das Beschichten und Härten von Oberflächen mit Werkstoffen in Molekülstärke, allerdings eher für Maschinenbauteile wie Zahnräder oder Wälzlager, gehört zu den Spezialitäten des Institutes. Doch die 175 IWT-Beschäftigten interessieren sich für derartige Prozesse nicht nur aus der Perspektive der Grundlagenforscher. Zwei Drittel ihrer Projekte widmen sie der angewandten Forschung für die Industrie zum überwiegenden Teil nutzen kleine und mittlere Unternehmen die Ergebnisse.
Die Aktivitäten des Bremer IWT sind die Antwort auf ein typisches Problem des Mittelstandes: Aus Kostengründen und wegen des möglicherweise hohen Risikos von Fehlschlägen gehen die Forschungsinvestitionen kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) seit Jahren kontinuierlich zurück, stellt die KfW-Bank in ihrem Mittelstandsmonitor 2005 fest. Forschen für innovative Produkte oder verbesserte Verfahren ist zudem nach Erkenntnis des Mannheimer Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) vor allem ein Thema für Großbetriebe: 79 % von ihnen betreiben kontinuierlich Forschung und Entwicklung (FuE), im Mittelstand sind es dagegen nur 21 %.
Dabei können sich die Mittelständler sogar Hilfe vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit holen. 100 Mio. € stellt das BMWA den KMU allein in diesem Jahr für Forschungsvorhaben zur Verfügung. „Allerdings,“ so schränkt Zoch ein, „werden die Fördermittel nicht für firmenspezifische Vorhaben vergeben, sondern für grundsätzliche neue Erkenntnisse, die von allen Unternehmen genutzt werden können – in der so genannten industriellen Gemeinschaftsforschung.“
Am IWT bestimmen derartige Forschungsaufgaben den Alltag. Rund 200 Betriebe stehen als Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Wärmebehandlung und Werkstofftechnik (AWT) hinter dem Institut, das seit 15 Jahren auf dem Bremer Uni-Campus angesiedelt ist und als eigenständige Stiftung von der AWT und dem Land Bremen getragen wird.
Nicht die einzelnen Firmen wenden sich an das IWT – es sei denn, sie wollen auf eigene Kosten eine unternehmensspezifische Frage geklärt wissen. Was in den Bremer Laboren erforscht werden soll, bestimmen vielmehr Fachausschüsse der AWT. So soll sichergestellt werden, dass sich die wissenschaftlichen Kapazitäten auf Aufgaben konzentrieren, die für einen breiten Mitgliederkreis interessant oder für die Branche von grundlegender Bedeutung sind.
Zoch nennt ein Beispiel: „Bei der Entwicklung neuer Verfahren zur Beschichtung arbeiten wir nicht an dem konkreten Bauteil eines Herstellers, sondern beschäftigen uns an Modellbauteilen damit, wie beispielsweise reibungsarme und verschleißfreie Oberflächen von Getriebeteilen beschaffen sein müssen.“ Die Ergebnisse werden allen Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Daraus ein verkaufsfähiges Produkt zu entwickeln, ist dann deren Sache.
Dass die wissenschaftlichen Ergebnisse Allgemeingut werden, ist Vorbedingung für die Förderung durch das BMWA. Über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke e.V.“ (AiF) vergibt das Ministerium seine Forschungszuschüsse.
Jedes beantragte Projekt wird dabei von Industriefachleuten und in AiF-Gutachtergremien darauf überprüft, ob es der jeweiligen Branche zu Innovationen und damit zu mehr internationaler Wettbewerbsfähigkeit verhilft. Mindestens die Hälfte der das Projekt begleitenden Industriekreise muss aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bestehen. Eigene Barmittel müssen die Firmen nicht aufbringen – das BMWA fördert Projekte bis auf gewisse geldwerte Leistungen der Industrie zu 100 %.
Im Gegensatz dazu finanziert das Bundesforschungsministerium Projekte nur mit einem Anteil von rund 50 %. Allerdings nehmen an diesen Projekten auch nur einzelne Unternehmen und nicht weitgehend alle Firmen einer Branche teil.
Die Forschungsaktivitäten am IWT sind für die AWT-Mitglieder deutlich günstiger: Sie müssen nur ihren Jahresbeitrag entrichten – obwohl ein zweijähriges Projekt am Institut schnell einige 100 000 € kosten kann. Zoch nennt einen weiteren positiven Effekt, den es ebenfalls gratis gibt: „Mit den jungen Wissenschaftlern, die über Zeitverträge an den Forschungsvorhaben arbeiten, lernen die Unternehmen vielleicht auch neue Mitarbeiter und Spezialisten für ihre Firmen kennen.“
Manchmal profitiert auch die Öffentlichkeit auf direktem Wege von den eigentlich für die Firmen entwickelten Innovationen: In einem ähnlichen Verfahren wie bei der Brillenglas-Beschichtung „vergoldet“ das IWT zur Zeit Nägel, die im Straßenpflaster der Bremer Innenstadt den Weg zu besonderen Sehenswürdigkeiten markieren. W. HEUMER

Von W. Heumer

Stellenangebote im Bereich Forschung & Entwicklung

Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen Entwicklungsingenieur Leistungselektronik und elektrische Motoren (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
Fresenius Kabi Deutschland GmbH-Firmenlogo
Fresenius Kabi Deutschland GmbH Entwicklungsingenieur / Innovation & Development Engineer (m/w/d) Bad Hersfeld
B. Braun Avitum AG-Firmenlogo
B. Braun Avitum AG Entwicklungsingenieur Elektrotechnik (m/w/d) Melsungen
XENIOS AG-Firmenlogo
XENIOS AG Projektleiter R&D (m/w/d) im Bereich Neuproduktentwicklung Heilbronn
ADMEDES GmbH-Firmenlogo
ADMEDES GmbH Werkstoffwissenschaftler (m/w/d) Für den Bereich Technologie und Innovation Raum Pforzheim
Murrelektronik GmbH-Firmenlogo
Murrelektronik GmbH Senior Konstrukteur (m/w/d) Oppenweiler
KOSTAL-Firmenlogo
KOSTAL Entwickler für Leistungselektroniken (m/w/d) Dortmund
KOSTAL-Firmenlogo
KOSTAL Systemingenieur / Designer Elektromobilität (m/w/d) Dortmund
KOSTAL-Firmenlogo
KOSTAL Testingenieur für Elektromobilität (m/w/d) Dortmund
Carl Zeiss AG-Firmenlogo
Carl Zeiss AG Leiter der Gruppe Mechanical Design (m/w/x)

Alle Forschung & Entwicklung Jobs

Top 5 Forschung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.