Promille im Schweiß messen 27.09.2016, 14:29 Uhr

Alkohol: Dieses Pflaster sagt Bescheid, wenn das Auto stehen bleiben muss

Forscher haben ein Sensor-Pflaster entwickelt, das über den Schweiß der Haut den Alkoholgehalt im Blut messen kann. Mit diesem Klebe-Tattoo kann der Partygast noch vor dem Ende der Sause mit einem Blick auf sein Smartphone erkennen, ob er das Auto besser stehen lässt. Gefährliche Autofahrten unter Alkoholeinfluss können so vermieden werden.

Und Prost: Beim Münchner Oktoberfest wird reichlich Bier getrunken. Vergangenes Jahr wurde Promi Stefan Effenberg mit 1,3 Promille am Steuer erwischt. Führerschein weg. US-Forscher haben jetzt ein Pflaster entwickelt, dass über den Schweiß den Alkoholgehalt misst – und auf dem synchronisierten Smartphone warnt. So frühzeitig und präzise, dass noch die Wahl besteht zwischen Weitertrinken und Taxi oder umsteigen auf Wasser und selbst fahrtüchtig bleiben. 

Und Prost: Beim Münchner Oktoberfest wird reichlich Bier getrunken. Vergangenes Jahr wurde Promi Stefan Effenberg mit 1,3 Promille am Steuer erwischt. Führerschein weg. US-Forscher haben jetzt ein Pflaster entwickelt, dass über den Schweiß den Alkoholgehalt misst – und auf dem synchronisierten Smartphone warnt. So frühzeitig und präzise, dass noch die Wahl besteht zwischen Weitertrinken und Taxi oder umsteigen auf Wasser und selbst fahrtüchtig bleiben. 

Foto: Felix Hörhager/dpa

Soviel ist mal klar: Wer auf einer Party oder einem anderen bierseligen Event wie aktuell dem Münchner Oktoberfest Alkohol getrunken hat und sich ans Steuer setzt, riskiert viel. Und beginnt zu schwitzen, wenn er in eine Verkehrskontrolle kommt. Schließlich hängt vom Ergebnis des Atemtests ab, ob die Fahrerlaubnis für einige Monate futsch ist. Forscher von der University of California in San Diego wollen die Trinker schon viel früher ins Schwitzen bringen, um über den Körperschweiß einen Alkoholnachweis durchzuführen.

Raffinierte Kombination von Chemie und Elektronik

Mit einer raffinierten Kombination von Chemie und Elektronik hat das Team um Joseph Wang ein Sensor-Pflaster entwickelt, welches durch einen leichten Stromreiz den Arzneistoff Pilocarpin in die Haut bringt. Dieses Alkaloid steigert die Sekretion exokriner Drüsen und regt den Schweiß-, Speichel- und Tränenfluss an. Sobald die Haut unter dem Sensor-Pflaster zu schwitzen beginnt, reagiert ein spezielles Enzym im Pflaster auf kleinste Mengen von Alkohol im gebildeten Schweiß. Diese elektrochemische Reaktion erzeugt dann ein Signal in den Messelektroden des Pflasters.

Präzisere Werte als der klassische Atemtest

„Das tattoo-basierte Biosensor-System liefert damit verlässliche Informationen über Alkoholwerte auch unter Alltagsbedingungen“, sagt Wang. Der Wissenschaftler betont, das Pflaster liefere präzisere und verlässlichere Ergebnisse, als der klassische Test mit dem Atem-Alkoholtestgerät, den die Lübecker Firma Dräger sogar für den privaten Nutzer zum Selbsttest anbietet. Denn Atem-Alkoholtester können durch den Gebrauch von Mundwasser oder durch Dämpfe in der Umgebungsluft falsche Werte anzeigen.

Das Pflaster regt zunächst die Schweißbildung an, dann misst es im Hautschweiß den Alkohol. Der Messwert wird dann drahtlos an das Smartphone übermittelt.

Das Pflaster regt zunächst die Schweißbildung an, dann misst es im Hautschweiß den Alkohol. Der Messwert wird dann drahtlos an das Smartphone übermittelt.

Foto: Wang et al./ACS Sensors

So kann ein lasergestütztes Alarmsystem von der Universität Würzburg zwar erkennen, ob in der Fahrgastzelle eines vorbeifahrenden Autos Alkohol in der Luft liegt. Das System kann diesen Alkohol allerdings nicht zweifelsfrei dem Fahrer zuordnen. Das Tattoo-Pflaster hingegen klebt direkt auf der Haut und ist gegen solche störende Einflüsse weitgehend immun.

Trinken im Dienst der Wissenschaft

Wie in der Wissenschaft üblich haben die Forscher um Joseph Wang ihr Sensor-Pflaster zunächst im Labor über den direkten Kontakt zu Alkohollösungen in verschiedenen Konzentrationen getestet. Zuverlässig registrierte der Sensor schon geringste Mengen Alkohol. Im Anschluss kam dann der Mensch ins Spiel: Neun Probanden bekamen das Sensor-Pflaster auf den Unterarm geklebt und mussten im Dienste der Wissenschaft unterschiedliche Mengen an Bier und Wein trinken.

US-Forscher haben ein Alkohol-Testpflaster entwickelt, das günstig und leicht herzustellen ist. 

US-Forscher haben ein Alkohol-Testpflaster entwickelt, das günstig und leicht herzustellen ist. 

Foto: Jan Woitas/dpa

Schon nach dem ersten Glas Wein oder Bier meldete das Pflaster einen erhöhten Promillewert, der dann nach dem zweiten Glas weiter anstieg. Die Messungen waren erfolgreich: Die Werte passten ziemlich genau zu den Blutalkoholwerten, die die Forscher um Wang ebenfalls erfassten. Das Tattoo-Pflaster sendet die Promillewerte dann einfach via Bluetooth an das synchronisierte Smartphone.

Günstig und einfach herzustellen

Das Alkohol-Testpflaster ist günstig und leicht herzustellen. Es eignet sich nach Ansicht der Forscher gut für die Massenanfertigung. „Einmal-Klebe-Tattoos könnten beispielsweise von Barkeepern oder Barbesuchern genutzt werden, um zu erkennen, wer bereits zu viel Alkohol intus hat – und so betrunkenes Autofahren verhindern“, sagt Wang. Weitergedacht kann ein mehrfach zu verwendendes System fest im Fahrzeug eingebaut werden und bei einem zu hohen Promillewert die Zündung blockieren.

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