Forschungsnetzwerk 27.08.2010, 19:48 Uhr

AiF sammelt kleine Firmen im gemeinsamen Labor

Ohne die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ (AiF) wären viele kleine und mittlere Firmen nicht zur Forschung in der Lage. Die neue Geschäftsführerin Stefanie Heiden will den Bekanntheitsgrad der AiF steigern und die Netzwerkarbeit intensivieren.

Elektrofahrzeugen gehört aller Voraussicht nach die Zukunft. Schon jetzt forschen rund 50 überwiegend mittelständische Unternehmen an elf Forschungsinstituten, wie kostengünstig elektrische und hybride Antriebsstränge produziert werden können.

Das für vier Jahre geplante Projekt „E-Antrieb.NET“, das in den ersten zwei Jahren mit 2 Mio. € budgetiert ist, ist eines von rund 1500 Projekten, die das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) jährlich über das Förderprogramm „Industrielle Gemeinschaftsforschung“ (IGF) finanziert. 128,2 Mio. € steckte das BMWi 2009 in das Förderinstrument. Es soll besonders die Forschungstätigkeit kleinerer und mittlerer Unternehmen (KMU) in Deutschland unterstützen.

Verantwortlich für die Umsetzung der IGF ist die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ (AiF) – ein Dachverband, der mehr als 100 industrielle Forschungsvereinigungen vereint, in denen sich Unternehmen zahlreicher Branchen mit dem Ziel gemeinsamer Forschung zusammengeschlossen haben.

Wie wichtig das Förderinstrument der AiF für den Maschinenbau ist, weiß Dietmar Goericke. „Vor allem die KMU, die nicht so viel Geld in anwendungsorientierte Forschung investieren können, können mit wenig Aufwand an aktueller vorwettbewerblicher Forschung teilnehmen.“ Der Ingenieur ist beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) als Geschäftsführer für das Gebiet Gemeinschaftsforschung zuständig. Für die Firmen sei die Teilnahme an den Projekten finanziell günstig, da sie lediglich Material für die Forschungsversuche beisteuern müssten. Vor allem der Aufbau stabiler Branchennetzwerke ist für die Unternehmen nach Goerickes Meinung ein wichtiger Pluspunkt.

Das „weltweit einzigartige Förderprogramm“ (Goericke) wissen viele Firmen zu schätzen. Alleine beim VDMA arbeiten 800 der insgesamt 3000 Mitgliedsunternehmen in insgesamt 18 Forschungsvereinigungen mit. Kostenlos ist die Mitgliedschaft für die Firmen in den als Vereinen aufgebauten Forschungsvereinigungen nicht. Zwischen 2500 € und 10 000 € sind jährlich für mittlere Unternehmen fällig. Dafür, so Goericke, bekämen sie aber Einblick in die Ergebnisse aller IGF-Forschungsvorhaben.

Den Nutzen der IGF hat im Mai ein Gutachten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen und der Beratungsgesellschaft Wirtschafts- und Sozialforschung belegt. Demnach nutzen im Schnitt 3,3 Unternehmen die Forschungsergebnisse im eigenen Betrieb.

Tatsächlich dürfte deren Zahl weit höher liegen, da durch den offenen und vorwettbewerblichen Charakter der IGF keine genaue Erfassung aller wirtschaftlichen Umsetzungen möglich ist. Für Goericke ist aber ein anderer Aspekt wesentlich: der Ausbildungseffekt.

Pro IGF-Projekt schreiben im Schnitt ein Doktorand und zwei Studierende ihre Abschlussarbeiten in einem Unternehmen. „Die jungen Menschen bringen wichtige Innovationen in den Betrieb“, freut er sich. Dies mindere die Nachwuchsdefizite der Ingenieure im F&E-Bereich. Doch so beliebt das Förderprogramm bei den Unternehmen ist – es wird auf politischer Ebene oft unterschätzt. „Im Bewusstsein der Politiker und der Ministerien ist das Programm oft nicht präsent“, sagt Goericke.

Ändern könnte das Stefanie Heiden. Mit der 43-jährigen Biologieprofessorin rückte im Mai erstmals eine Frau als Hauptgeschäftsführerin an die Spitze der AiF. Heiden, die bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt Kooperationen zwischen Forschung und Wirtschaft in der Biotechnologie anschob, will die Dachorganisation stärker in Szene setzen. „Die AiF soll sich neu im Forschungsumfeld positionieren, stärker profilieren und intensiver mit ihren Netzwerkpartnern kooperieren“, erläutert Stefanie Heiden.

Das neue Selbstbewusstsein will die Wissenschaftsmanagerin auch in die Öffentlichkeit transportieren. Optisch, indem sie Homepage und Logo moderner machen und eine neue Marketingstrategie entwickeln will. Und vor allem inhaltlich, weil sie deutlich offensiver als bislang die unternehmerischen Stärken des Forschungsnetzwerks zum Ausdruck bringen möchte. Heidens Ziel: „Ich will die AiF als starke Marke etablieren. BENJAMIN HAERDLE

www.aif.de

Von Benjamin Haerdle

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