Stahl 02.10.2009, 19:43 Uhr

Welt-Stahlmarkt beruhigt sich auf niedrigem Niveau  

VDI nachrichten, Frankfurt/Main, 2. 10. 09, Si

Nur gedämpfte Zukunftsaussichten für die weltweite Stahlindustrie prognostizierten Marktexperten Anfang September auf dem Dow-Jones-Stahltag 2009 in Frankfurt am Main. „Wir hören von der Automobilindustrie, dass der eine oder andere Exportmarkt wieder nach oben tendiert, sodass die Prognose für 2010 auf ein Plus von knapp 3 % angesetzt worden ist“, zeigte sich Hartwig Kockläuner, Geschäftsführer Markt der Georgsmarienhütte Holding, für 2010 noch leicht optimistisch. Doch Roland Döhrn, Leiter des Kompetenzbereichs Wachstum und Konjunktur beim Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), Essen, ging während des Stahltags weiterhin von einem Stagnationsszenario aus.

Laut einer Wirtschaftsprojektion des Internationalen Währungsfonds IWF vom Juli droht nach Ansicht von Döhrn ein Schrumpfen des Welt-Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,4 % im Jahresdurchschnitt 2009. Und dies werde zu einem Rückgang des Stahlverbrauchs um 15 % in diesem Jahr führen. Bei einer Prognose von 2,5 % für das Wachstum des Welt-BIP in 2010 rechnet er im nächsten Jahr nur mit einem Stahlverbrauch etwa auf dem Vorjahresniveau.

Etwas optimistischer zeigte sich Thomas Ludwig, Vorstandsvorsitzender der Klöckner & Co SE, Duisburg, als Vertreter des Stahlhandels. Er sieht die Krise der europäischen Stahlindustrie am Wendepunkt, bei zwar noch niedriger Kapazitätsauslastung der Stahlwerke sei derzeit wieder eine Ausweitung der Bestellfristen zu beobachten.

Aus der Sicht der Stahlverarbeiter analysierte Torsten Althaus, als Vizepräsident von Rittal für den weltweiten Einkauf des Herborner Unternehmens verantwortlich, die Aussichten bezüglich der Stahlpreise. Seit einem Tief im Mai hat sich der Preis von Legierungsnutzstahl laut seinen Marktinformationen bis September wieder knapp verdoppelt. Im Oktober erwartet er wieder leicht fallende Einkaufspreise, weil die Nickelpreise etwas gesunken seien. Andererseits werde von den Chromminen ab diesem Monat eine neue Preisrunde eingeläutet werden, so dass von dieser Seite wieder mit Verteuerungen zu rechnen sei. Dennoch glaubt Althaus in naher Zukunft nicht an hohe Preisschwankungen. Seine Stahlpreisprognose für das nächste Jahr: „Nicht mehr ganz so volatil.“ ULRICH SCHAMARI

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