Kunststoffe 28.03.2003, 19:24 Uhr

Wachstums-Fäden ziehen alle Branchen an

Mit großem Selbstbewusstsein werden über 830 Aussteller auf der internationalen Fachmesse „Techtextil“ ihre Innovationen vom 8. bis 10. April in Frankfurt am Main präsentieren. Denn Marktanalysen versprechen den Herstellern von Hochleistungsfasern, Vliesen und Geweben für anspruchsvolle technische Anwendungen ein hohes zweistelliges Wachstum bis ins Jahr 2005.

Der Wachstumsboom bei Technischen Textilien ist ungebrochen. Bis zum Jahr 2005 prognostizieren Branchenkenner ein Marktwachstum von 20 % – bezogen auf den im Jahr 2000 erreichten Produktionswert. Das britische Consultingbüro David Rigby Ass., Manchester, veranschlagt den Weltmarkt für Technische Textilien in zwei Jahren beispielsweise auf gut 72 Mrd. Dollar. Im Jahr 1995 habe er lediglich 50 Mrd. Dollar betragen bei einer weltweiten Produktion von etwa 9,3 Mio. t.
Bis zum Jahr 2005 erwartet Rigby, dass die Produktionsmenge auf etwa 14 Mio. t anwachsen wird. Im Zeitraum bis 2005 unterstellt das britische Consultingbüro dabei eine jährliche Mengenzunahme um 3,9 % und erwartet ein wertmäßiges durchschnittliches Wachstum von jährlich 3,8 %.
Während beim großen Absatzmarkt Bekleidung, in den noch immer fast die Hälfte der deutschen Textilproduktion fließt, Kaufzurückhaltung die Produktionsmengen schrumpfen lässt, zeigen sich damit die Abnehmer aus Bau-, Automobil- und Investitionsgüterindustrie noch immer in deutlich besserer Orderlaune. Die Entwicklung von „intelligenten“ textilen Strukturen ist deshalb für deutsche Hersteller eine gute Chance, sich weltweit dringend benötigte neue Wachstumsfelder zu erschließen.
„Auf der Suche nach neuen Märkten bieten Technische Textilien mit neuen oder substitutiven Funktionseigenschaften ein facettenreiches Spektrum an Einsatzmöglichkeiten, die dem Anwender einen hohen Nutzen bringen“, begründet Corina Hillebrand den anhaltenden Aufwärtstrend für innovative Faserprodukte. Kaum ein Industriebereich, so die Marktexpertin der IKB Deutsche Industriebank AG, Düsseldorf, komme künftig ohne den Einsatz von Technischen Textilien aus.
Buildtech, Geotech, Mobiltech und Protech nennt die Messe Frankfurt als besondere Schwerpunkte der „Techtextil“, denn in diesen Marktbereichen liegen die höchsten Volumina und die größten Wachstumsraten, die den Anteil der Technischen Textilien am gesamten Textilumsatz in der Bundesrepublik bereits über die 40 %-Schwelle hoben und damit eine tragende Säule der deutschen Textilindustrie bilden.
Im Bereich Geotech steht der Tunnelbau besonders im Blickfeld der Textilhersteller. „Immerhin sind derzeit circa 5000 Tunnel im Bau oder in Planung – und das nur innerhalb Deutschlands“, erklärt Bauexperte Dr. Fokke Saathoff von der BBG Bauberatung Geokunststoffe, Lemförde. Die Delcotex – Delius Conze & Colsmann Techtex aus Bielefeld wird auf der Techtextil eine neuentwickelte Tunnelfolie vorstellen. Dabei handelt es sich um ein Drehergewebe mit neuen Verfestigungspolymeren als Ersatz für herkömmliche Gelege. Laut den Herstellerinformationen haben diese eine verbesserte Affinität zu den Beschichtungspolymeren und seien im Schnittkantenbereich den Gelegen überlegen.
Gegen Lärm, Feuchtigkeit und Kälte weiß das französische Unternehmen Protechnic eine Antwort. Zu ihren Neuentwicklungen gehören Membranfolien aus Polyurethan oder Polyester. Beide Kunststoffmaterialien werden direkt mit heißklebenden Vliesen beschichtet und bilden so auf Textilien, Schaum oder Glasfaserwolle eine Lärm- und Feuchtigkeitsbarriere. Mit Rollenware kaschiert kann das fertige Produkt hinter Mauern, unter Dächern oder hinter den Rahmen von Fenstern und Türen zum Schutz vor Lärm und Kälte eingesetzt werden.
Ein Gewebe zur Schalldämmung zeigt das Unternehmen Julius Heywinkel aus Bramsche. Das Technische Textil besteht aus aus zwei Lagen, die mittels eines durchgewebten Fadensystems verbunden sind, aber auf Abstand fixiert werden. Gefüllt mit Dämmstoffen, wie zum Beispiel Quarzsand, kommt es unter anderem als Lärmschutz an verkehrsreichen Straßen und in Wohnanlagen zum Einsatz. Laut den Herstellerangaben wird das Polyvinylchlorid (PVC), mit dem das Gewebe beschichtet ist, auch nach Jahren nicht durch Umwelteinflüsse beschädigt.
Elektrostatische Aufladung spielt im Bereich der Luftfiltration eine gefährliche Rolle. Hier können Staubexplosionen durch ungewollte Entladungen entstehen. Die Firma J.H. Ziegler aus Achern präsentiert für diesen Bereich auf der Techtextil Vliesstoffe, mit denen die Oberflächenspannung permanent reduziert wird. Dabei bleiben die anderen Materialeigenschaften bezüglich Festigkeit, Dicke oder Haptik vollständig erhalten. Neu sind auch flammkaschierbare Vliesstoffe, die eine preiswerte Kombination mit Dekortextilien – und damit die Herstellung sortenreiner Verbünde – sicherstellt. Die Ziegler-Technik führte zur Entwicklung von Produkten, die sich laut den Unternehmensangaben auf den üblichen Flammkaschieranlagen verarbeiten lassen.
Zum Schwerpunktbereich „Protech“ und zum Thema „Intelligente Textilien“ gibt es im Rahmen des Techtextil-Symposiums (7. bis 10. April) während der internationalen Fachausstellung sogar eigene Vortragsblöcke im Congress Center Messe Frankfurt, die auf vier Branchentrends besonders eingehen.
Trend Nr. 1 bei Berufsbekleidung heißt „Softwear“. Um die „Wohlfühl-Ansprüche“ der Träger erfüllen zu können, konzentriert die Schutzbekleidungsbranche ihre Entwicklungsarbeit auch auf ein wichtiges Parallelziel: Den Tragekomfort weiter zu erhöhen sowie die Pflegbarkeit und damit die Langlebigkeit ihrer Produkte zu steigern. Denn körperliches Wohlbefinden fördere den Arbeitsprozess in jeder Berufssparte. Unter der Bezeichnung „Softshells“ erobern neue leichte und weiche Jacken mit hoher Funktionalität immer mehr den Markt. Sie sind atmungsaktiv, winddicht, wasserabweisend und sehr strapazierfähig.
Ein weiterer Trend zielt auf neue Verarbeitungstechnologien zur Erhöhung der Funktionalität wie beispielsweise individuell einstellbare Thermoisolation, Verbesserung des antistatischen Verhaltens oder längfristig auch die Integration von Elektronik in die Schutzkleidung. Im Hygiene-, Gesundheits- und Nahrungsmittelbereich wird zusätzlich eine antimikrobielle Ausrüstung gewünscht.
Als Spezialist auf dem Gebiet der Laminierungsverfahren wird das Unternehmen Trans-Textil, Freilassing, auf der Messe ein 3-Lagen-Laminat vorstellen, das neben sehr guter Atmungsaktivität und hohem Tragekomfort mehrere Protech-Funktionen wie Wetter- und Flammschutz in sich vereint.
Die wachsende Anzahl ganz unterschiedlicher Materialien mit funktionellem Zusatznutzen stellt jedoch zugleich auch höhere Anforderungen an die Verarbeitungstechnik. Hierfür präsentiert die Gerber Technology aus München auf der Techtextil mit „Cutworks 5.0“ eine neu entwickelte Software als „Gehirn“ für die automatischen Zuschnittanlagen DCS 1500 bis DCS 3500 sowie für alle „Taurus“-Lederschneideprogramme.
ROLF MÜLLER-WONDORF/Si

Von Rolf Müller-Wondorf/Jürgen Siebenlist

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