Werkstoffe 31.10.2008, 19:38 Uhr

Über diese Brücke kannst Du gehen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 31. 10. 08, rok – Die Aussteller der „glasstec 2008“, der weltweit wichtigsten Leistungsschau der Branche, präsentierten bis letzte Woche, welche Möglichkeiten in dem uralten und hochaktuellen Werkstoff Glas stecken. Als Konstruktionswerkstoff zeigte eine gläserne Brücke, dass Glas durchaus große Kräfte aufnehmen kann, Funktionsbeschichtungen demonstrierten die wichtige Rolle im energie-effizienten Bau und antibakterielles Glas eröffnete ganz neue Einsatzgebiete.

Vorsicht Rutschgefahr, warnt ein Schild in großen Lettern vor dem Betreten der Glasbrücke im Düsseldorfer Messegelände. Ein Schildbürgerstreich? Nein! Hier geht es um die Demonstration des heute technisch Machbaren im konstruktiven Glasbau.

„Ein absoluter Hingucker“, so Joachim Schäfer, Geschäftsführer der Glasstec 2008, die gerade zu Ende ging. Er spricht von der glasklaren gebogenen Brücke aus kalt geformtem Glas der Firma Seele, Gersthofen, in Halle 11 des Messegeländes. Die Kaltbiegetechnik ermöglicht es erstmals, Glas mit einer Spannweite von 7 m ohne Einsatz von Hitze zu verformen. So entsteht eine klare und reine Oberfläche und die Tragfähigkeit des Werkstoffes entspricht den Sicherheitsanforderungen des konstruktiven Glasbaues. Kaltgebogene Gläser eignen sich damit besonders für die Gestaltung von weit spannenden Fassaden oder Dächern.

Ein anderes Beispiel von „tragender Transparenz“ sind Säulen aus Glas. Hergestellt von Hi-Tec-Glas-Grünenplan in Delligsen, aus hochtransparentem, chemisch resistentem, thermisch belastbarem Borosilicatglas. Das Hightech-Glasrohr besteht aus dem innen liegenden Kernrohr, das mit Spezialkleber dauerhaft mit einem segmentierten Hüllrohr verbunden ist. Der Verbund beider Rohre, bei dem das Innere trägt und das Äußere schützt, stellt eine Einheit dar, die über sicherheitsglasähnliche Eigenschaften verfügt. Die zulässige Druckfestigkeit beträgt mindestens 60 N/mm². Ein einzelnes Verbundglasrohr von 200 mm Außendurchmesser und 9 mm Wanddicke kann also eine Last von rund 33 t aufnehmen.

Die Technologie für energieeffizientes Bauen schreitet in großen Schritten voran und wird angesichts stetig steigender Energiepreise und der Notwendigkeit eines verstärkten Klimaschutzes zunehmend bedeutsamer. Dem Werkstoff Glas kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu – als großflächige Dach- oder Fassadenverkleidung, als selektives Fensterglas und zunehmend auch als Bestandteil von Photovoltaik- oder Solarthermie-Modulen.

„Einfaches Flach- und Hohlglas war gestern“, spitzte es Siegfried Glaser, Vorsitzender des Forums Glastechnik im VDMA und Vorsitzender des Glasstec-Ausstellerbeirats zu. „Multifunktionale Gläser, Dreifach-Isoliergläser, die höchste Wärmeschutzanforderungen erfüllen, Funktionsbeschichtungen, die das Härten und Biegen beschichteter Gläser ermöglichen, sowie neue schaltbare und Licht streuende Gläser liegen in Deutschland und Europa im Trend.“

Auch im Bereich der veredelten Gläser für die Innenanwendung bieten die Weiterentwicklung von Sieb- und Digitaldruck sowie Einlaminierung unterschiedlicher Materialien wie Holz oder Metall interessante neue Gestaltungsmöglichkeiten.

„Glas und Energie“ war das Motto der Sonderschau „glass technology live“ und des fünftägigen Fachsymposiums, bei dem Mitarbeiter aus Architekturbüros, Unternehmen und Forschungseinrichtungen über gebäudeintegrierte Solaranlagen, ultraweiße und schaltbare Gläser, Vakuumgläser und Dünnschicht-Solarmodule diskutierten. Und der internationale Architekturkongress von Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und TU Delft unter dem Motto „Transparenz! Glas und Fassadentechnologie“ präsentierte Produkte, Technologien, Trends und Forschungsergebnisse.

Die Glasstec feierte in diesem Jahr ihr 20. Jubiläum. Seit 1970 findet sie im zweijährigen Rhythmus statt. Und „sie bricht im Jubiläumsjahr alle Rekorde“, freute sich Messechef Schäfer. „Erstmals wurde eine Nettofläche von über 73 000 m² belegt, was einer Steigerung von 8 % entspricht. 6 % mehr Aussteller haben sich angemeldet, insgesamt 1300 Unternehmen aus 48 Nationen präsentierten ihre Innovationen etwa 55 000 Besuchern, 58 % von ihnen kamen aus dem Ausland.“ Ferner strich er heraus, dass „zur Glasstech 2008 viele spektakuläre Entwicklungen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurden, die sicherlich in kürzester Zeit auch in wichtige Lebensbereiche des Menschen einziehen werden. Dazu zählt zum Beispiel antibakterielles Glas, das bis zu 99,9 % aller Bakterien abtötet und somit ideal für den Einsatz in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder auch in privaten Haushalten ist.“

Die zunehmende Bedeutung von Spezialgläsern mit Metallbeschichtung, reflexionsarm, antibakteriell, Schmutz abweisend, sieht auch der Präsident der Glasstec, Paul Neeteson. Angesichts steigender Energiepreise ist er sicher, dass „die Zukunft Produkten gehört, die Energie einsparen, und solchen, die Energie generieren.“

Sorge bereitet ihm, dass Altglas als Sekundärrohstoff immer knapper wird. Scharf kritisierte er die EU-Richtlinie zu CO2-Emissionen, die sich auf die Branche negativ auswirke. In den ersten Monaten dieses Jahres sei der Umsatz der Branche der Glashersteller um 1,5 % auf 4,4 Mrd. € gestiegen. Angesichts der weltweiten Finanzkrise rechnet er aber mit einem Rückgang von 15 % bis 20 % in den nächsten Monaten: „Erste Signale aus der Automobilindustrie sind schon da.“

Diese Signale sind beim Maschinenbau noch nicht angekommen. So prognostiziert Siegfried Glaser, Vorsitzender der Fachabteilung Glasmaschinen und -anlagen im VDMA: „Auftragseingänge und Umsätze sind auf einem guten Kurs. Der Gesamtumsatz der Branche wird 2008 voraussichtlich deutlich über den bisherigen Prognosen von 800 Mio. € liegen. 2007 hatte die Branche noch einen Umsatz von 740 Mio. € erwirtschaftet. Damit verzeichnet die deutsche Glasmaschinenindustrie ihr fünftes Wachstumsjahr in Folge.“

Martin Nagel, Bundesinnungsmeister der Glaser, reklamiert die Glasstec als „Erfindung des Glaserhandwerks“ für seinen Verband. Schon immer hätten sich Handwerker zum Erfahrungsaustausch getroffen, und dabei habe es auch begleitende Leistungsschauen gegeben: die Keimzellen der heutigen internationalen Messe. Obwohl ihm die angesichts der Finanzkrise zurückgenommene Kreditvergabebereitschaft für das Handwerk Sorge bereitet, ist er optimistisch: „Handwerk wird immer nachgefragt.“ ECKART PASCHE

Von Eckart Pasche

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