Neues Werk in England 06.12.2013, 09:35 Uhr

Titanpulver könnte zukünftig 75 Prozent günstiger werden

Ein englisches Unternehmen will Titanpulver zukünftig in einer neuen Großanlage wesentlich günstiger gewinnen. Große Ohren bekommt die Automobilindustrie, die im Leichtbau derzeit noch auf Aluminium setzt. 

Wenn sich Titanpulver zukünftig günstiger herstellen lässt, könnten verschiedenste Technologien Auftrieb erfahren: unter anderem der 3D-Druck, der auch immer häufiger beim Bau von Kleinteilen für Flugzeugmotoren zum Einsatz kommt. 

Wenn sich Titanpulver zukünftig günstiger herstellen lässt, könnten verschiedenste Technologien Auftrieb erfahren: unter anderem der 3D-Druck, der auch immer häufiger beim Bau von Kleinteilen für Flugzeugmotoren zum Einsatz kommt. 

Foto: Metalysis

Titan, das hochfeste und besonders leichte, zugleich aber bisher auch teure Wundermetall, steht allem Anschein nach vor einem Siegeszug in der Automobil-, der Luftfahrt- und Raumfahrtindustrie sowie beim 3-D-Printing von Metall.

Laut Dion Vaughan, Vorstandschef von Metalysis, dürfte der Preis für Titan schon bald stark sinken. Das noch kleine Unternehmen in Rotherham im südlichen Yorkshire könne mit seinem Verfahren Titanpulver 75 Prozent billiger gewinnen als mit dem bis heute allgemein üblichen, 80 Jahre alten so genannten Kroll-Prozess.

Metalysis bereitet den Bau eines großen Titan-Werks vor

Metalysis befindet sich nach Angaben von Vaughan in „weit fortgeschrittenen“ Gesprächen mit industriellen Partnern zum Bau einer 500 Millionen Pfund, umgerechnet rund 600 Millionen Euro, teuren Grossanlage zur Produktion von Titanpulver. 

Die zum indischen Tata-Konzern gehörende Automobilgruppe Jaguar Land Rover (JLR) hat schon Interesse signalisiert. Mark Barrington, bei JLR verantwortlich für die  Entwicklung von Prototypen, ist sich sicher, dass Titan bei so weit reduzierten Preisen bei den Automotives und in vielen anderen Industrien schnell einen hohen Marktanteil erobern kann. Derzeit nutze die JLR-Gruppe hochfestes Aluminium als Alternative zu Stahl, um das Gewicht bei den Fahrzeugen zu reduzieren.

Weitere Produktionwerke wären gefragt

Allerdings hängt der künftige Erfolg des Titanpulvers nicht nur vom Preis, sondern auch von der verfügbaren Menge ab. Während 2012 der Weltverbrauch von Titan bei 140.000 Tonnen lag, betrug jener von Aluminium 48 Millionen Tonnen und der von Stahl sogar 1,5 Milliarden Tonnen. Wenn Titan als Folge der Preisreduzierung den erwarteten Absatzerfolg hat, müssten schnell viele weitere Produktionskapazitäten geschaffen werden.

Starker Auftrieb auch für das 3D Printing

Wenn Titan künftig wirklich bis zu 75 Prozent  weniger kostet, verändere das die Wirtschaftlichkeitsberechnungen in ganzen Branchen, stellt Martin Jackson fest, Dozent an der Universität Sheffield. Besonders dem 3D-Printing, dem dreidimensionalen Drucken, könnte ein erschwinglicheres Titanpulver kräftig Auftrieb geben.

2012 hatte der Weltmarkt für 3D-Printing zwar erst ein Volumen von 1,7 Milliarden US-Dollar. Aber nach einer Prognose von Roland Berger, dem deutschen Strategie-Consultant, vervierfacht sich das Volumen in den nächsten zehn Jahren, wenn die Kosten sinken. Der Preis für Titanpulver spiele dabei eine wesentliche Rolle.

Metalysis zielt mit der neuen Fabrik laut Vaughan just auf diesen Markt. Denn grosse Konzerne wie General Electric und Rolls-Royce setzen künftig 3D-Printing mit Metallen ein, beide wie bereits angekündigt vor allem beim Bau von Kleinteilen für Flugzeugmotoren. 

Von Peter Odrich

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