Stahl 18.01.2002, 17:32 Uhr

ThyssenKrupp sieht Aufschwung im Herbst

Nach dem Aufräumen einiger verlustreicher „Großbaustellen“ im Unternehmen wird ThyssenKrupp im Geschäftsjahr 2001/2002 eine dem „Ergebnis angemessene Dividende“ ausschütten können, prognostizierte Vorstandsvorsitzender Ekkehard Schulz auf der Essener Bilanzpressekonferenz am Dienstag dieser Woche.

Seit Oktober hat Schulz die immer wieder kritisierte „Doppelspitze“ mit Gerhard Cromme bei dem Düsseldorfer Montan- und Maschinenbau-Konzern abgelöst. Ob ThyssenKrupp im ersten, nur von Schulz zu verantwortenden Quartal von Oktober bis Dezember 2001 Verluste geschrieben hatte, konnte der Vorstandsvorsitzende noch nicht sagen. Ende Februar wisse man mehr. Aber, so merkte Schulz am 15. Januar in Essen an: „Auch im 4. Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahrs ist der Konzern nicht in die roten Zahlen gerutscht – obwohl das viele im Markt erwartet hatten.&rdquo

Insgesamt hat der ThyssenKrupp-Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000/01 ein Ergebnis vor Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter von 876 Mio. Euro erzielt. Im Vorjahr waren es noch 1,09 Mrd. Euro. Ohne Sondereinflüsse, vor allem durch den Verkauf von Firmen wie einer brasilianischen Erzgrube, waren es 500 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag nach Angaben von Schulz mit 3,3 Mrd. Euro rund 100 Mio. Euro unter dem Vorjahr. Der Auftragseingang sank um 1,0 Mrd. auf 37,9 Mrd. Euro. Gleichzeitig erhöhte sich der Konzernumsatz trotz der schwachen Konjunktur um 2 % und erreichte 38 Mrd. Euro. Die Netto-Schulden, und dies war Schulz wichtig, sanken von 7,7 Mrd. Euro um 1,3 Mrd. auf 6,4 Mrd. Euro. Nach der Vorjahresdividende von 75 Cent sollen nun 60 Cent je Aktie ausgeschüttet werden.

Konjunktursorgen bereitet Schulz derzeit die Stahlsparte, die noch 2 Monate kurzarbeitet, sowie der Automotive-Bereich. „Schnellstmöglich aufgeräumt werden” müssten zudem einige „Baustellen“ im Konzern. Das gelte vor allem für das leidige Thema Zerspanungstechnik in Form des US-Werkzeugmaschinenherstellers Giddings & Lewis. Dieser Bereich – der mit vielen Hoffnungen zugekauft worden war – kostet inzwischen viel Geld. Frühestens in einem Jahr dürften schwarze Zahlen erreicht werden. Bis dahin „zerspant” das US-Engagement sprichwörtlich Kapital aus Düsseldorf. In Kanada wird der zugekaufte Automobilzulieferer Kitchener sogar noch zwei weitere Jahre „Anlaufverluste” produzieren.

Der traditionsreiche Dortmunder Anlagenbauer Uhde, den Gerhard Cromme noch zu Krupp-Zeiten für rund 800 Mio. DM unter das Konzerndach geführt hatte, riss 2000/01 den gesamten Anlagenbau in die roten Zahlen. Über die genaue Höhe der Verluste schweigt Schulz, zumal diese Baustelle „weitgehend aufgeräumt” worden sei.

Neben Uhde ist nach Angaben von Schulz auch das Verlustloch in der Multimedia-Technik mittlerweile gestopft. Statt eines Gewinns fiel im letzten Jahr in dem jetzt unter dem Namen „Serv” firmierenden Dienstleistungsbereich ein Verlust von 54 Mio. Euro an.

Würden im Konzern alle Verlustquellen gestopft, ergebe dies eine Gewinnverbesserung um 500 Mio. Euro, rechnete Schulz vor. In strategischen Überlegungen wäre so eine Verdopplung des letztjährigen Gewinns aus dem laufenden Geschäft möglich gewesen. Da dies aber nur Theorie ist, werden die Investitionen der nächsten Jahren erst einmal gedrosselt. Das entschied jüngst der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Gerhard Cromme.

Neben der Zurückhaltung bei den Investitionen will sich ThyssenKrupp weiter von „Randaktivitäten” trennen. Dazu gehören beispielsweise auch die gutverdienenden Werften und – wie mehrfach angekündigt – der Anlagenbau. Käufer speziell für den Anlagenbau sind derzeit aber nicht in Sicht.

Trennen werden sich die Düsseldorfer auch von ihrem 4,7-%-Anteil an der Ruhrgas AG. Für 486 Mio. Euro geht dieser an den Düsseldorfer Energieversorger E.ON. Damit endet die Geschichte dieses Aktienpakets, das ursprünglich der Hoesch AG in Dortmund gehörte, mit der Hoesch-Übernahme durch die Fried. Krupp AG nach Essen und nun nach der Krupp-Thyssen-Fusion nach Düsseldorf wanderte. Dieses Aktienpaket garantierte immer eine gute Dividende und nachhaltige Wertsteigerung, weil die Ruhrgas AG aus Eigenmitteln ihr Kapital aufstockte. Erst mit der Entflechtung deutscher Energieunternehmen wurden die Ruhrgas-Anteile auch verkäuflich und bringen einen Buchgewinn von 250 Mio. Euro ein.

Der ist laut neuster Gesetzgebung seit Januar diesen Jahres sogar steuerfrei. Überhaupt zahlt ThyssenKrupp kaum Geld an den Fiskus. „So gut wie nichts” würde in Deutschland ans Finanzamt überwiesen, erklärt dazu ThyssenKrupp-Finanzvorstand Gerhard Jooss. Die ausgewiesenen Steuern fallen vor allem in Brasilien an, wo beim Verkauf einer Mine „stille Reserven” mobilisiert wurden.

Für das Geschäftsjahr 2001/2002 wird ThyssenKrupp – so Schulz – erneut eine „dem Ergebnis angemessene” Dividende ausschütten können. Er dementiert damit, dass das Unternehmen rote Zahlen schreiben wird. Weltweit stehen knapp 194 000 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste von ThyssenKrupp. Mittlerweile sind 45,6 % aller Mitarbeiter bei Gesellschaften außerhalb Deutschlands tätig.

MARTIN ROTHENBERG/Kip

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