Stahl 23.06.2006, 19:22 Uhr

Stahlrecycler mit Asien-Ambitionen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 23. 6. 06, swe – Die B.U.S. Steel Services GmbH, Duisburg, die sich auf das Recycling von Stahlwerkstäuben spezialisiert hat, erweitert derzeit ihre Kapazitäten im französischen Gravelines, 10 km südlich von Dünkirchen. Dort betreibt die Tochter B.U.S. Valera S.A.S. bereits eine Anlage, mit der jährlich bis zu 70 000 t Stäube von Edelstahl-Herstellern aufgearbeitet werden können. In diesem Jahr wird dort für mehr als 15 Mio. € ein zweiter Elektro-Widerstandsofen mit 40 000 t Jahreskapazität errichtet.

Damit reagieren wir auf die Marktentwicklung, nicht zuletzt auf den Neubau eines Arcelor-Stahlwerkes im belgischen Charleroi“, berichtet CEO Oliver Jäger. „Wir sind ein Dienstleister“, erläutert er das Selbstverständnis seines Unternehmens, der B.U.S. Steel Services GmbH. „Wir übernehmen die Aufarbeitung der Filterstäube, die bei der Produktion von Stahl und Edelstahl anfallen, und gewinnen die darin enthaltenen Nichteisenmetalle zurück.“

Parallel zum Ausbau im französischen Gravelin werden die Kapazitäten der schwedischen Tochter B.U.S. ScanDust A.B. in Lands- krona, 40 km nördlich von Malmö, von 60 000 auf 70 000 Jahrestonnen ausgebaut. Die B.U.S. investiert in diesem Jahr insgesamt mehr als 25 Mio. €.

Die Investitionen rechnen sich, auch für die Stahlhersteller. Denn der Stahlmarkt boomt. „Allein China hat die Rohstahlproduktion innerhalb weniger Jahre mehr als verdreifacht“, sagt Jäger. So wird die weltweite Stahlproduktion, noch Ende der 90er Jahre im Umfang von 1 Mrd. t, in diesem Jahr 1,3 Mrd. t erreichen. „Die Rohstoffpreise sind enorm gestiegen, der Erzpreis beispielsweise allein 2005 um 72,5 %.“

Das hat Auswirkungen auch auf das Geschäft mit veredelten Stählen. So hat Edelstahl am Stahlmarkt zwar den kleinsten Anteil – „26 Mio. t Jahresproduktion, das entspricht etwa 3 %“, so Jäger. Doch dieses Segment verzeichnet jährlich 5 % Zuwachs weltweit, auch in den Industrieländern. Die Recyclingquote sei mit ca. 90 % „sehr hoch“. Der Schrottpreis für Edelstahl beträgt derzeit, je nach Legierung und Marktlage, 800 €/t bis 1300 €/t. Teuer sind auch die Nichteisenmetalle, die zur Herstellung von Edelstahl notwendig sind – Chrom, Nickel, Molybdän und andere.

Das Problem: Beim Aufschmelzen im Elektrostahlofen verdampft ein gewisser Anteil der Metalle. Sie werden in Form von Oxiden als feiner Staub im Filter aufgefangen. Dieser Stahlwerkstaub ist ein Wertstoff. Und die B.U.S.-Gruppe ist in Europa der einzige Recyclingdienstleister mit einem Marktanteil von nahezu 100 %, berichtet CEO Jäger.

In Landskrona wird Edelstahlwerkstaub mit einem Plasmaverfahren aufbereitet, in Gravelin mit dem Elektroreduktionsverfahren. „Diese Methode ist robuster, und die Investitionen sind geringer“, erklärt Jäger. Im Lichtbogenofen werden dabei unter Zusatz von Koks und einem Schlackebildner Metall und Schlacke getrennt.

Im Ergebnis entsteht eine Legierung, die an den Edelstahlhersteller zurückgeliefert wird. Der Preis für den Einkauf der darin enthaltenen Metalle wäre wesentlich höher als die Kosten für die Aufbereitung, betont Jäger.

Der Transport rechnet sich über Distanzen von bis zu 2000 km. In Zukunft möchte die B.U.S.-Gruppe auch neue Märkte erschließen: „Wir haben uns kürzlich in Shanghai auf einem Edelstahlkongress vorge- stellt“, berichtet Jäger. „Und wir denken darüber nach, uns möglicherweise in Südostasien zu engagieren.“

Bei der Wiedergewinnung von Zink aus dem Staub von Elektrostahlwerken beschränkt sich der Recyclingspezialist ganz bewusst auf Europa: „Bei der Verarbeitung von Schrott geht es derzeit noch um relativ regionale Märkte“, begründet Jäger. „In den Industriestaaten wurde in den vergangenen 15 Jahren der Einsatz von Zink zum Korrosionsschutz, beispielsweise von Fahrzeugkarosserien, massiv erweitert.“ Deshalb werde auch der Zinkgehalt im Stahlwerkstaub weiter steigen.

Eine besonders effiziente Technologie für die Zink-Rückgewinnung wurde bei der B.U.S. Zinkrecycling Freiberg GmbH entwickelt: Das so genannte SDHL-Verfahren, prämiert mit dem Innovationspreis des Freistaates Sachsen, reduziert den Energieverbrauch und damit die Emission, erhöht den Durchsatz und verbessert die Ausbeute.

Damit wurde der traditionelle Wälzprozess fit für einen Wettbewerb, der vor allem über die Kosten entschieden wird. Denn das Recycling konkurriert mit der Entsorgung im Altbergbau – etwa in stillgelegten Kali-Gruben – oder auf Deponien. Die Einnahmen von B.U.S in diesem Geschäft, so Jäger: „Eine Entsorgungsgebühr plus die Erlöse aus dem Verkauf des Wälzoxides.“

Dank solcher Innovationen gelang es den Freiberger Metallurgen, die Kapazitäten am Standort innerhalb von zehn Jahren von 42 000 auf 220 000 Jahrestonnen auszubauen. In der Bergstadt werden heute in zwei großen Drehrohröfen industrielle Reststoffe wieder aufbereitet. Seit 1998 wurden dort insgesamt 35 Mio. € investiert. Das Werk mit seinen 85 Beschäftigten, davon sechs Azubis, ist das größte der B.U.S-Gruppe. Zwei weitere Werke in Duisburg und in Frankreich arbeiten ebenfalls mit dieser Technologie.

Seit Jahresbeginn 2005 ist Star Capital Partners, London, Eigentümer der B.U.S.-Gruppe. „Wir haben dieses Engagement sehr begrüßt“, sagt der CEO. „Der Finanzinvestor gibt uns Spielraum und den finanziellen Rückhalt, den wir für den Ausbau unserer Kapazitäten benötigen.“ ANKE MÜLLER

Von Anke Müller
Von Anke Müller

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