Werkstoffe 05.02.1999, 17:20 Uhr

Schott schärft die Chip-Kompetenz

„Schott Glas ist bei all seiner Internationalität in Deutschland verwurzelt”, sagt Vorstandssprecher Leopold von Heimendahl. Auch in der alten Unternehmensheimat Thüringen wird investiert, obwohl 60 % des Weltumsatzes hierzulande gemacht, aber 65 % des Ertrages aus dem Geschäft der Auslandstöchter resultiert.

Für 1999 erwartet der Spezialglashersteller Schott ein verlangsamtes Wachstum. Dennoch plant Vorstandssprecher Dr. Leopold von Heimendahl Rekordinvestitionen von 500 Mio. DM. Schon im Geschäftsjahr 1997/98 bis 30. September erreichten die Investitionen in Sach- und Finanzanlagen mit 470 Mio. eine erste Rekordmarke.
Überhaupt war dies das beste Jahr in der 114 jährigen Firmengeschichte. Der Umsatz stieg – bei erweitertem Konsolidierungskreis – um 8 % auf gut 3 Mrd. DM. Mit einem Betriebsergebnis von 230 Mio. DM – ein Plus von 28 % – gewann das Unternehmen weiter an Ertragsstärke. Die Eigenkapitalquote beträgt inzwischen 40 %.
Überproportional trugen wiederum die internationalen Aktivitäten zum Ergebnis bei. Schott beschäftigt zu Beginn dieses Jahres 17 800 Mitarbeiter, davon 10 400 in Deutschland. Trotz Wirtschaftskrise setzt Schott weiter auf Asien. Dort soll bis 2002 der Umsatz aus dortiger Produktion auf 400 Mio. DM steigen und sich damit vervierfachen. Bisher schon liegt der Auslandsanteil der Schott-Gruppe insgesamt bei 72 %.
„Wir liegen voll auf Kurs, den in unseren Strategiezielen vorgegebenen Weltumsatz von 4 Mrd. DM im Jahr 2002 zu erreichen“, sagt Vorstandssprecher von Heimendahl. Zusätzliche Wachstumschancen sollen vor allem neue Geschäftsfelder eröffnen, z. B. Dünngläser für Displays und High-Tech-Komponenten für Halbleiter.
Mit seinem Thüringer Mikrolithographieunternehemen greift Schott die amerikanisch-japanische Dominanz bei der Chip-Herstellung an. In dem ostdeutschen High-Tech-Unternehmen wurden drei Betriebe zusammengefaßt. So bestand schon in Eisenberg/Thüringen ein Unternehmen der Schott-Gruppe, das mit der Entwicklung und Fertigung von Zuchtkristallen (Kalziumfluoridkristallen) eine führende Position in der Halbleiter-Hochtechnologie einnimmt. Ca F2-Kristall-Optiken ermöglichen in den Projektionsobjektiven von Wafer-Steppern die Übertragung feinster Strukturen und damit die Herstellung komplexer und leistungsfähiger Chips.
1998 übernahm Schot t von der Sico Jena GmbH in Jena-Burgau die Produktionseinrichtungen und das Herstellungsverfahren für synthetisches Quarzglas. Damit verfügt der Thüringer Spezialist jetzt über sämtliche derzeit benötigten optischen Materialien zur Herstellung von Projektionsobjektiven im der Mikrolithographie.
Als „vertikalen Integrationsschritt“ bezeichnet von Heimendahl den Erwerb des Bereichs Dünnschichttechnologie aus der ehemaligen Robotron GmbH in Meinigen. Dort wird mit höchsten Anforderungen an Partikelfreiheit und Klima in Reinsträumen das Quarzglas aus Jena-Burgau bearbeitet und anschließend mit photoempfindlichem Lack zu unbelichteten Photomasken, den „Mask Blanks“, beschichtet. Nach der Belichtung in externen Maskenhäusern verwenden Chip-Fabriken sie bei der Herstellung integrierter Schaltkreise.
In Thüringen investierte Schott seit der Wende weit über 300 Mio. DM davon allein 280 Mio. DM bei Jenaer Glas. In der Mikrolithographie wurden 125 Arbeitsplätze.gesichert. Etwa 200 werden es sein, wenn Schott einen weiteren dreistelligen Millionenbetrag investiert haben wird.
Neben dem thüringischen Engagement in der Mikrolithographie zur Herstellung von Glaselementen für die Chip-Produktion hat Schott in den vergangenen Jahren kräftig in die Entwicklung von Dünnstglas investiert. Hier bestand angesichts der internationalen Konkurrenz aus Japan und den USA ebenfalls Nachholbedarf. Rund 100 Mio. DM hat die Anlage bei Schott-Desag in Grünenplan bei Hannover gekostet: Heute ist man mit neuen Produkten in diesem Markt vertreten, der jährlich um 10 % wachsen wird.
Dünnstgläser werden vor allem für flache Bildschirme von Laptops und Notebooks, benötigt, aber auch für Displays von Mobiltelephonen und Autonavigationssystemen eingesetzt. Ein wichtiger künftiger Markt sind großflächige Fernseher.
Die Schott-Gruppe setzt vor allem bei ihren Kerntechnologien weiterhin auf den Standort Deutschland. So wurden allein bei der Schott Auer GmbH in Bad Gandersheim, 40 Mio. DM in ein Kompetenzzentrum für Beschichtungstechnologie investiert und damit siebzig neue Arbeitsplätze geschaffen. Schott Auer erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr mit 450 Mitarbeitern einen Umsatz von 80 Mio. DM.
Dort will der führende Hersteller von Kaltlichtreflektoren – auf fünf Anlagen entstehen über 50 Millionen Kaltlichtreflektoren jährlich – das „Zukunftsfeld Beschichtung“ vorantreiben: Die Weiterentwicklung der Schott-Spezialität PICVD- Beschichtung (Plasma-Impuls Gasphasenabscheidung), ein neues Projekt „Reflektoren für besondere technische Anwendungen“, wie sie z. B. für Projektionsfernsehen benötigt werden. Außerdem geht es die Innenbeschichtung von Gläsern für den Pharmabereich oder auch die Werkstoffveredlung, die bei der Vorstellung einer besonders kratzfesten Beschichtung für Kunststoffbrillengläser demonstriert wurde.
M.PYPER/KÄM
Kalziumfluorid-Einkristalle verbessern die Waferstepper-Optik, z. B. für die 193 nm- Lithographie von Chips: Im Bild natürlich gewachsene Kristalle (rechts), von Schott in Eisenberg gezüchteter Einkristall (links) und ein bearbeiteter Kristall (hinten). Substrate aus synthetischem Quarzglas von Schott in Jena werden in Meiningen mit Chrom und photoempfindlichem Lack beschichtet. Diese Mask Blanks werden von Firmen zu Strukturmasken (links) belichtet und sind ein wesentliches Element für die Halbleiterherstellung. Foto (2): Schott

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