Stahl 11.10.2002, 18:22 Uhr

Russische Technik-Aufrüstung

Gas, Öl und Rohstoffe gegen Industriegüter. Nach dem Krisenjahr 1998 mit RubelAbwertung hat sich auch die Stahlindustrie erholt. Es wird in West-Technik investiert, um wettbewerbsfähiger zu werden.

Rund 3500 deutsche Firmen sind in Russland vertreten, davon 1330 mit Joint Ventures, 813 sind Tochterfirmen. In Moskau bilden die 2700 deutschen Firmen die größte Business-Community. Deutschland ist größter Handelspartner Russlands mit einem Gesamtvolumen von 24,7 Mrd. ! in 2001. Um 54 % auf 10,3 Mrd. ! stiegen die deutschen Exporte nach Russland in 2001, im 1. Hj. 2002 waren es auch schon wieder 24 %. Kein Wunder, dass z. B. Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer in China, aber auch „in Russland, einem anderen großen Land, vernünftige Wachstumsraten“ sieht.
1853 begann Siemens & Halske mit dem Bau des russischen Telegrafennetzes über 10 000 km von Finnland bis zur Krim. Damals war Siemens in Russland größer als in Deutschland. 2002 fand dann zwar der erste UMTS-Anruf Russlands bei Siemens in Moskau statt, aber der Umsatz aller Siemensbereiche zusammen erreichte 2001 gerade mal 550 Mio. !, immerhin jedoch eine Steigerung von 28 % gegenüber dem Vorjahr, die Auftragseingänge betrugen 750 Mio. !. Viel verspricht sich Siemens vom staatlichen Programm „Elektronisches Russland“, das auf 16 Mrd. ! angelegt ist. Dabei geht es aber im Anlagenbau wenig um neue Werke auf der grünen Wiese. 60 bis 70 % des Marktvolumens bei der Metall und Hüttentechnik entfällt auf Modernisierung.
900 solcher Projekte bei Eisen/Stahl und Metallurgie in Russland hat Andrej Kiseljow vom Bereich Industrial Solutions & Services bei Siemens in Moskau für die nächsten fünf Jahre ausgemacht: Durchschnittlich 1 Mio. ! pro potentiellem Auftrag, das addiert sich zu immerhin 1 Mrd. !. Ausgehend von einem Elektroanteil von 20 bis 25 % bliebe auch noch für den zuliefernden Siemens-Bereich Automation & Drives noch genug übrig.
Rafkat Tachautdinov, stv. Generaldirektor des Magnitogorsker Metallurgischen Kombinats MMK setzt auf solche Zusammenarbeit. Seit 1997 wurden viele hundert Mio. ! investiert, davon 60 Mio.! für ein Kaltwalzwerk von SMS Demag mit Siemens-Automatisierung, das am 19. Juli zum 70. Gründungstag des MMK offiziell in Betrieb genommen wurde.
Noch ist der russische Markt der wichtigste für MMK, doch Tachautdinow weiß z. B., dass sich der Bedarf an kaltgewalztem Automobilblech von 830 000 t in 2000 auf 1,6 Mio. t in 2010 verdoppeln wird. In Richtung Automobil zielt auch die neue Feuerverzinkung von Danieli (Italien) mit einer Jahreskapazität von 500 000 t. Rafkin Tachautdinow hat noch viele Verbesserungen vor mit MMK: „Dieses Programm wird alljährlich unter Berücksichtigung der Konjunktur und der finanziellen Möglichkeiten des Kombinats aktualisiert.“
Voriges Jahr kam MMK, das ehemals größte Stahlhüttenwerk der Welt, auf einen Umsatz von 1,7 Mrd. ! und versucht seine besondere Stellung in Russland durch horizontale Integration zu halten. Tachautdinow: „Wir wollen einen metallurgischen Hightech-Komplex, der auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig ist mit Spezialisierung auf Flacherzeugnisse und tiefziehfähige Stähle.“
Eher auf vertikale Integration setzt hingegen das im nordrussischen Gebiet Wologda ansässige Eisenhüttenunternehmen Severstal, das 2001 auf 1,8 Mrd. ! Umsatz kam. Zu den Aktiva von Severstal-Auto gehören die entscheidenden Anteile an dem Uljanowsker Automobilwerk UAZ. Severstal-Ressource hält Aktienpakete und Anteile an Bergwerken zur Eigenversorgung (Karelische Pellets, Kusbassugol-Kohle, Nord-Niob).
„Mit Panzern schützen wir unser Land“, hieß das Motto bei der Gründung des Kombinats am 20. Juni 1940 in Tschernopowez zwischen Moskau und Leningrad: 1500 km zum Eisenerz aus Karelien, 2000 km zur Kohle aus Workuta. Aber erst 1955 war der erste Hochofenabstich. „Heute erzeugen wir Stahl für den Verbraucher“, hat Severstals Generaldirektor Anatoly Kruchinin erkannt. Und er nimmt den Verbrauch selbst in die Hand, z.B. über den Kleinlaster- und Geländewagenbauer UAZ, der 90 % seines Stahlbedarfs von Severstal bezieht.
„Hineingehen“, lautet Kruchinins Devise also z. B. in den Automobilbau, in die Energietechnik (geschweißte Rohre, Elektrobleche), in den Maschinenbau, in den Transport mit Schiffen. Zur externen Expansion des Konzerns kommt eine interne Verbesserung. Im „Technischen Entwicklungsplan“ bis 2010 sind dafür 900 Mio. ! vorgesehen, z.B. für eine neue Laminarkühlung im Warmwalzwerk. Die muss dann vom Feinsten sein, nämlich gesteuert mit neuronalen Netzen, die sich der Anlagenrealität anpassen und die Ausbeute und die Produktqualität steigern. Lieferant: Siemens. S. KÄMPFER

Die größten Stahlkonzerne 2001
Rang 1: Arcelor (F,E,L,D) = 43,1 Mio. t Rohstahl
Rang 2: Posco (Südkorea) = 27,8 Mio. t Rohstahl
Rang 3: Nippon Steel (J) = 26,2 Mio. t Rohstahl
Rang 4: Ispat (GB, Rumänien, USA, D, Kasachstan)=19,2 Mio.t Rohstahl
Rang 5: Shanghai Baosteel (China) = 19,1 Mio. t Rohstahl
Rang 6: Corus (GB, NL) = 18,1 Mio. t Rohstahl
Rang 7: ThyssenKrupp (D) = 16,2 Mio. t Rohstahl
Rang 8: Riva (I) = 15,0 Mio. t Rohstahl
Rang 13: Nucor (USA) = 11,2 Mio. t Rohstahl
Rang 14: Sail (Indien) = 10,8 Mio. t Rohstahl
Rang 15: Magnitogorsk (RUS) = 10,3 Mio. t Rohstahl
Rang 16: China Steel (Taiwan) = 10,3 Mio. t Rohstahl
Rang 19: Severstal (RUS) = 8,1 Mio. t Rohstahl
Rang 21: Novolipetsk (RUS) = 7,9 Mio. t Rohstahl
Rang 23: Wuhan (China) = 7,1 Mio. t Rohstahl
Rang 28: Iscor (Südafrika) = 6,5 Mio. t Rohstahl
Rang 37: Salzgitter (D) = 5,1 Mio. t Rohstahl

Quelle: IISI

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