Stahlhersteller in der Krise 15.08.2013, 11:44 Uhr

Rote Zahlen und Stellenabbau auch bei Salzgitter

Nach ThyssenKrupp macht nun auch Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller Salzgitter mit massiven Stellenstreichungen und schlechten Geschäftsprognosen von sich reden. Für den Salzgitter-Konzern ist die verlustreiche Tochter Peiner Träger derzeit die größte Sorge, bei ThyssenKrupp sind es die Stahlwerke in Brasilien und den USA.

Die Krise in der Stahlhersteller-Branche hat nun auch Salzgitter erreicht.

Die Krise in der Stahlhersteller-Branche hat nun auch Salzgitter erreicht.

Foto: ThyssenKrupp

Die Krise in der Stahlhersteller-Branche hat nun auch Salzgitter erreicht. Der Konzern aus Niedersachsen, der insgesamt rund 25 000 Mitarbeiter beschäftigt, sprach von einer „Personalreduzierung oberhalb von 1500 Stellen“. Für die personalbezogenen Maßnahmen sei zwischen dem Unternehmen, dem Konzernbetriebsrat und der IG Metall eine als „Zukunftsvertrag“ bezeichnete Rahmenvereinbarung verhandelt worden.

Gewerkschaft bestätigt die Sparvereinbarung bisher nicht

IG-Metall-Vorstand Hans-Jürgen Urban, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef im Salzgitter-Konzern ist, wies das Sparziel von gut 1500 Stellen allerdings als „spekulativ und überflüssig“ zurück. Er wollte die Zahlen weder bestätigen noch akzeptieren und forderte statt „operativer Hektik“ mehr strategischen Weitblick.

In der Halbjahresbilanz des Konzerns stehen neben dem genannten Sparziel auch tiefrote Zahlen. Hatte der Nachsteuerverlust des MDax-Konzerns im ersten Quartal bei rund 17 Millionen Euro gelegen, summierten sich die Verluste während des zweiten Quartals auf 315,2 Millionen Euro. In seiner korrigierten Geschäftsprognose rechnet Salzgitter für das laufende Jahr mit einem Vorsteuerverlust von 400 Millionen Euro.

Wie die gesamte Branche kämpft auch Salzgitter mit der Strukturkrise in der europäischen Stahlindustrie. Die Nachfrage in Südeuropa ist nach dem Ende des Immobilien-Booms in Spanien abgestürzt und führt zu schlechten Auslastungen in den Stahlunternehmen. Vor allem der Salzgitter-Tochter Peiner Träger GmbH (PTG) macht das zu schaffen. Der Standort Peine, in dem rund 1100 Beschäftigte Stahlträger für die Bauindustrie herstellen, musste 185 Millionen Euro Abschreibungen auf sein Anlagevermögen und hohe Vorsteuerverluste hinnehmen.

Stellenstreichungen auch bei ThyssenKrupp

Auch Deutschlands Marktführer ThyssenKrupp versucht, sich mit Sparrunden und Stellenabbau gegen die Krise zu stemmen. Im Februar hatte der Konzern angekündigt 2000 Stellen im europäischen Stahlgeschäft streichen zu wollen. Im Mai ging das Sparprogramm mit dem Abbau von 1600 Verwaltungsstellen in Deutschland in die nächste Runde.

Bereits damals hieß es, dass hohe Abschreibungen auf die amerikanische Stahlsparte „Steel Americas“ mit den beiden Stahlwerken in Brasilien und den USA wesentliche Ursachen für die hohen Verluste gewesen seien. ThyssenKrupp wollte in Brasilien billig Rohstahl produzieren und in den USA weitervertreiben. Das Projekt gilt als gescheitert; nun ist von riesigen Verlusten in Höhe von zwölf Milliarden Euro die Rede. Die Werke sollten schon 2012 „zeitnah“ verkauft werden, aber Kaufinteressenten springen der Reihe nach ab. Jetzt soll nur noch der brasilianische Stahlkonzern CSN ernsthaft dabei sein.

Kapitalerhöhung nicht mehr ausgeschlossen

Insgesamt bleibt ThyssenKrupp tief in den roten Zahlen. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2012/13 lag das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) im Konzern bei 332 Millionen Euro. Das ist zwar immer noch mehr, als die Analysten prognostiziert hatten, ergab aber trotzdem einen Nettoverlust von 283 Millionen Euro. Die Eigenkapitaldecke sackte im vergangenen Quartal um weitere 1,5 Prozentpunkte auf acht Prozent ab, der mit Abstand schlechteste Wert alle Industrieunternehmen im Dax. Zum 30. Juni weist der Konzern ein Minus von 1,205 Milliarden Euro aus.

Das Verhältnis der Netto-Finanzschulden zum Eigenkapital, das sogenannte Gearing, liegt außerdem bei kritischen 185,7 Prozent. Mit den Banken hatte der Konzern sich darauf geeinigt, die Marke von 150 Prozent einzuhalten. Jetzt droht Ärger, falls der Wert auch am Geschäftsjahresende (30. September) überschritten wird. ThyssenKrupp betonte zwar, der Konzern verfüge über ausreichend freie Liquidität zur Deckung der anstehenden Fälligkeiten. Eine Kapitalerhöhung ist für die Konzernmanager aber nun nicht mehr ausgeschlossen. 

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