Kunststoffe 26.02.1999, 17:20 Uhr

Neue Automodelle geben Kunststoff neuen Schub

Innovative Karosserie-Entwicklungen bringen wieder mehr Kunststoffe ins Auto. Welche Chancen sich den Polymeren dadurch eröffnen, weitere Stahl-Domänen zu erobern, diskutieren Experten demnächst auf einer VDI-Tagung in Mannheim.

Polymere Karosserieteile steigern den Fahrzeugwert

Die Tragfähigkeit des Bauteils, so der Konstruktionsingenieur der Bayer AG, Leverkusen, erhöht sich um bis zu 80 % gegenüber der einstofflichen Lösung. Hinzu komme die deutlich verbesserte Energieabsorbtion, die durch den Spritzgießprozeß vereinfachte Funktionsintegration und die Möglichkeit, hochpräzise Bauteile ohne kostenintensive Nachbearbeitungsschritte produzieren zu können.
Die Vorteile von vertikalen Karosserieteilen wie etwa vordere und hintere Kotflügel, Türkarosserie oder Heckklappenaufsätze aus Polymeren hat der amerikanische Autobauer Saturn Corporation, Troy (Michigan), bereits vor Jahren erkannt. Seit der Firmengründung im Januar 1985 und dem Produktionsstart im Jahre 1990 hat die 100 %ige Tochter der General Motors Corporation (GM), Detroit (USA), mehr als 2 Mio. Fahrzeuge mit korrosionsfreien, schlagzähen Karosserien aus Kunststoff verkauft. Laut B. Philip Minaudo waren die in einer Marktuntersuchung befragten Kunden sogar bereit, für diese Fahrzeuge einen Aufpreis zu zahlen. „Es hat sich herausgestellt, daß Karosserieteile aus Polymeren großen Anklang bei den Kunden finden und als Extra anerkannt werden, das einen Aufpreis wert ist“, erklärt der leitende Karosseriebauingenieur von Saturn, der auf der Jahrestagung „Kunststoffe im Automobilbau `99“ der VDI-Gesellschaft Kunststofftechnik, Düsseldorf, am 17. und 18. März in Mannheim detailliert über die Gründe berichten wird. So würden beispielsweise die Kunden die Schlagfestigkeit bei einem langsamen Aufprall, etwa von einem Einkaufswagen, als überaus positiv bewerten. Darüber hinaus trage die Kunststoffkarosserie zur Geräuschminderung bei. Das Fahren werde ruhiger als bei gleichrangigen Kfz mit Stahlkarosserie.
Weitere Pluspunkte der Polymer-Karosserien sind laut Minaudo die geringen Reparaturkosten, der höhere Wiederverkaufswert der Fahrzeuge und die durch die Polymer-Teile erreichte Gewichtsreduktion von bis zu 50 % gegenüber der Stahlvariante. Selbst die fertigungsbedingten größeren Spaltmaße der Saturn-Karosserie wurde entgegen der Bedenken der Fahrzeugtechniker und -designer in der Marktbefragung nicht als störend empfunden. So gelten die Saturn-Modelle mit Rohrrahmen und Polymer-Karosserie nach Minaudo´s Informationen sogar auf dem japanischen Markt als innovativ und als etwas besonderes. Für eine erfolgreiche Anwendung in einer hochwertigen Karosserie muß der Werkstoff aber ein hohes Maß an die Produkteigenschaften erfüllen und diese über die Lebensdauer eines Fahrzeuges beibehalten, wie Minaudo hervorhebt. Die Saturn Corporation hat für die vorderen und hinteren Kotflügel daher eine PPE/PA66-Legierung (Blendsystem aus Polyphenylenether und Polyamid) eingesetzt, die hervorragende Lackoberflächen und Chemikalienbeständigkeit bietet. Die Stirn- und Eintrittsteile bestehen aus einer aufprallbeständigen PP/EPDM (TPO)-Legierung (Blendsystem aus Polypropylen und Ethylen/Propylen/Dimer-Kautschuk), die Türkarosserie und der Heckklappenaufsatz aus PC/ABS (Blendsystem aus Polycarbonat und Acrylnitril/Butadien/Styrol-Terpolymerisat).
Auf weiterführende Kunststoff-Außenanwendungen setzt laut Dipl.-Ing. Heino Wentzien auch die Adam Opel AG, wenngleich das Rüsselsheimer Unternehmen die Werkstoffsubstitution beim Kotflügel des Opel-Modells „Astra“ bis zur Prozeß- und Werkstoffoptimierung zunächst verschoben hat. Allerdings, will der Opel-Entwicklungsingenieur dies nicht als Rückzug verstanden wissen: Vielmehr, so Wentzien, „sollten die werkstoffseitigen Probleme als Herausforderung an die Rohstoffindustrie verstanden und als potentiell neues Geschäftsfeld für kreative Zulieferer gesehen werden“.
ROLF MÜLLER
Die charakteristischen Kotflügel des „Beetle“ sind durch den Materialwechselvon Stahl auf Kunststoff deutlich leichter und kostengünstiger zu produzieren als ihr früheres Pendant im „VW Käfer“.

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