Werkstoffe 19.03.1999, 17:20 Uhr

NE-Metalle im Kreislauf obenauf

Die Erlöse sinken, weil die Metallpreise weltweit niedrig sind. Volkswirtschaftlich positiv jedoch: Recycling nimmt zu.

Aufbruchstimmung herrscht gerade nicht in der deutschen NE-Metallindustrie, denn die Kunden halten die Orderbücher geschlossen: Die Bauindustrie als größter Nachfrager von Produkten aus Nichteisen-Metallen, z. B. Aluminium für Fenster oder Kupfer für Wasserrohre sieht zwar nach langen Jahren erstmals wieder einen Lichtstreif am Horizont, doch der könnte sich durch die Steuerpolitik der Bundesregierung wieder verdunkeln. Bei der Elektroindustrie und der chemischen Industrie muß mit einer negativen Entwicklung gerechnet werden. Auch von den Krisenregionen Rußland, Asien und Lateinamerika ist dieses Jahr nicht mit Impulsen für die bundesdeutsche NE-Metallindustrie zu rechnen, prognostiziert die Düsseldorfer Wirtschaftsvereinigung Metalle (WV Metalle) für das laufende Jahr 1999.
„Von den heimischen Faktoren werden die Tarifabschlüsse sowie die Steuerbeschlüsse der Bundesregierung zu Belastungsproben“, klagt Werner Marnette, Präsident der WV Metalle. Die starken Lohnerhöhungen würden einen erneuten Kostenschub auslösen, der nicht durch Produktivitätssteigerungen aufgefangen werden könne. „Besonders stark werden die Halbzeugwerke und Gießereien, deren Personalkosten zwischen 50 % und 60 % der Veredlungskosten betragen, in Mitleidenschaft gezogen“, geht Marnette auf die Ertragsentwicklung in 1999 ein.
Dem rauhen Jahr 1999 ging jedoch zumindest eine gute Mengenkonjunktur in 1998 voraus. Wie der Präsident der WV Metalle am 10. März in Düsseldorf erläuterte, haben sich Produktion und Absatz insgesamt positiv entwickelt. Bedingt durch die hohen Lagerbestände hätten die Notierungen an der Londoner Metallbörse zum Teil aber historische Tiefstände erreicht und waren 1998 rückläufig – sie lagen bei Kupfer, Zink und Nickel um mehr als 20 %, bei Aluminium und Blei um 14 % unter dem Jahresdurchschnitt des Vorjahrs.
Die Entwicklung der Branche in den nächsten Jahren hängt – Marnette zufolge – stark von den wirtschafts- und finanzpolitischen Zielvorstellungen und Rahmenbedingungen der neuen Bundesregierung ab. „Die zum 1. April 1999 in Kraft tretende Ökosteuer ist eine Mogelpackung“, sagte Marnette. Sie sei nichts weiter als eine Energiesteuererhöhung auf Öl, Gas, Kraftstoffe und die Neueinführung einer Stromsteuer. Die deutsche NE-Metallindustrie fordere daher als Minimum, auf die in den nächsten Jahren geplante zweite und dritte Stufe der ökologischen Steuerreform zu verzichten.
Der geplante Ausstieg aus der Kernkraft ohne Alternative ist für Marnette industriepolitisch gefährlich: „Wenn die Bundesregierung den Ausstieg aus der Kernenergie plant, steht sie in der Pflicht, den Unternehmen alternative, tragfähige Versorgungskonzepte anzubieten“. Die Unternehmen der NE-Metallindustrie benötigen eine langfristig garantierte, preisgünstige Energieversorung, die auch im internationalen Wettbewerb standhalte.
Auch bei der Neuregelung der Unternehmensbesteuerung hat Marnette klare Zielvorstellungen. Das ab April geltende „Steuerentlastungsgesetz“ berücksichtige nicht die Forderungen der Industrie. Eine „Unternehmenssteuerreform“ müsse die Nettoentlastung der Unternehmen als vordringliches Ziel beinhalten, und zwar die maximale Besteuerung der Unternehmenseinkünfte zum 1. Januar 2000 in Höhe von 35 % inklusiver Gewerbesteuer.
Ein positives Bild zeichnet Marnette von den Recyclinganstrengungen der Branche. Die Erzeugung von Metallen aus sekundären Vorstoffen habe sich in den letzten Jahrzehnten immer stärker an die Primärerzeugung von Metallen angenähert. So wurden im vorigen Jahr 48 % aller in Deutschland erzeugten NE-Metalle aus sekundären Vorstoffen hergestellt, 52 % aus primären Vorstoffen. In absoluten Zahlen handelt es sich um rund 1,25 Mio. t Sekundärproduktion für Deutschland.
Der überwiegende Anteil der Metallerzeugung geht in längerlebige Produkte mit einer Nutzungsphase, die vielfach Generationen überdauert. Die produktbezogenen Recyclingraten der deutschen NE-Metallindustrie liegen zwischen 80 % und 100 %. Marnette wies auf die positiven Umwelteffekte hin: „Die NE-Metalle werden mit nur geringem Energieaufwand eingeschmolzen und stehen anschließend ohne Qualitätsverlust, ähnlich wie nachwachsende Rohstoffe, einer erneuten Nutzung zur Verfügung. Das spart Primärrohstoffe und Energieressourcen.“
Kritisch äußerte sich Marnette zu einer „integrierten Produktpolitik“. Dabei handele es sich um Konzepte auf nationaler und europäischer Ebene, die auf eine dirigistische Produktpolitik hinausliefen. Das Spektrum der in Bonn und Brüssel diskutierten Maßnahmen reiche bis zu Material- und Produktverboten. Eine solche Politik greife in erheblicher Weise in das Marktgeschehen ein und stelle die Produktentwicklung in den Unternehmen und die Konsumentenentscheidungen unter einen Staatsvorbehalt. Eine Weiterentwicklung der Umweltpolitik müsse statt dessen auf dezentrale Innovationen zur ökologischen Verbesserung von Produkten setzen.
Marnette: „Der Staat sollte sich auf Definition umweltpolitischer Ziele beschränken und der Wirtschaft die Freiheit bei der Umsetzung dieser Ziele lassen.“
KÄM
Aluminium-Recycling: Insgesamt wurden 1998 48 % aller in Deutschland erzeugten NE-Metalle aus sekundären Rohstoffen hergestellt, das sind 1,2 Mio. t.
Sekundäre Rohstoffe sind zu tragenden Säulen der deutschen NE-Metallproduktion geworden. Je nach Metall werden zwischen 70 % und 95 % Energie gespart.

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