Stahl 21.05.2004, 18:30 Uhr

Mittelständler können Materialkosten kaum noch schultern

VDI nachrichten, Düsseldorf, 21. 5. 04 -40 000 der insgesamt 440 000 Arbeitsplätze in der Stahl und Metall verarbeitenden Industrie seien wegen der exorbitant hohen Stahlpreise in Gefahr, mahnen die Branchenverbände. Auf einem kleinen Stahlgipfel am Freitag voriger Woche in Berlin waren sich die Marktteilnehmer einig, Probleme „gemeinsam“ zu lösen.

Die mittelständischen deutschen Stahl- und Metallverarbeiter sind mit 15 Mio. t Verbrauch, ein Drittel der deutschen Produktion, wichtige Kunden der Stahlindustrie – aber nicht die stärksten, weil die Branche sehr zersplittert ist. Da stehen die Automobilkonzerne mit ihrer Marktmacht besser da.
Wenn für einen der mittelgroßen Stahlverarbeiter mit einem Jahresbedarf von 50 000 t der Stahlpreis um 50 €/t angehoben wird, bedeutet das eine zusätzliche Kostenbelastung von 2,5 Mio. €, hat der Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung(WSM), Düsseldorf, berechnet. Die bislang absehbaren Preiserhöhungen würden für die WSM-Unternehmen zu Mehrbelastungen von 2,25 Mrd. € führen (seit 2002).
Denn die Materialkostenanteile liegen bei einem typischen Stahl- und Metallverarbeiter zwischen 25 % und 60 %. Häufig bestehen langfristige Liefervereinbarungen mit marktmächtigen Kunden. „Eine kurzfristige Erhöhung der Stahlpreise z. B. um bis zu 30 % hat verheerendeFolgen, wenn sie nicht an die eigenen Abnehmer weitergegeben werden kann“, sagt WSM-Geschäftsführer Andreas Mühlenkamp. Die steigende Zahl von Insolvenzen in den einzelnen WSM-Branchen belege, dass „viele Unternehmen mit dem Rücken zur Wand stehen.“
In den letzten Wochen überschlugen sich schon die Hiobsbotschaften: „Es ist fünf nach zwölf! Unternehmen wegen hoher Stahlpreise zu Kurzarbeit gezwungen. Endkunden müssen Preiserhöhungen akzeptieren. Automobilstandort Deutschland in Gefahr.“ Vor allem der letzte Punkt hat wohl gefruchtet, denn am 14. Mai trafen sich Branchenvertreter von der Stahlseite, die Endabnehmer (Automobilindustrie) und die zwischen die Mahlsteine geratenen Zulieferer im VDA-Haus in Berlin zu einem klärenden Gespräch.
„Wir werden die Probleme der gestiegenen Stahl- und Rohstoffpreise nur gemeinsam lösen.“ Dies betonten Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Arnold Kawlath, Präsident des Deutschen Gießereiverbandes (DGV), und Jürgen Thumann, Präsident Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung (WSM).
Diplomatisch wurde verlautbart: „Das Gespräch, das der Fortsetzung der gegenseitigen Information und der Verständigung diente, fand in konstruktiver Atmosphäre statt.“ Die Beteiligten seien sich darüber im Klaren, dass Verbände dabei nur eine moderierende Rolle spielen könnten. „Vertragspartner sind die Unternehmen“, so das Resümee.
Damit die nicht ganz im Regen stehen bleiben, „sollen gravierende Störungen in der Lieferkette oder gar existenzielle Bedrohungen von Marktteilnehmern vermieden werden“. Aber angesichts der Komplexität und der Vielfalt der Einzelfälle könne es keine pauschalen Regelungen geben. „Automatisches Durchreichen steigender Kosten würde auch nicht den Abläufen in einer marktwirtschaftlichen Ordnung entsprechen“, so VDA-Präsident Bernd Gottschalk, der für den industriellen Endkunden steht. Wichtig sei es, dass die Unternehmen im Einzelfall darlegten, inwieweit ihre Produkte mit Mehrkosten belastet werden. Ihre Forderung nach noch mehr Transparenz richteten Hersteller und Zulieferer gemeinsam an die Stahlhersteller: „Wir brauchen mehr Berechenbarkeit für die kommenden Monate, auch um Luftbuchungen und Hamsterkäufe zu verhindern, die zur Verschärfung der Lage beitragen. Insbesondere benötigen wir Klarheit, welche Kostenkomponenten sich in dem jeweiligen Rohstoff wie stark auswirken.“
Das wird die 4400 vorwiegend familiengeführten Stahl- und Metallverarbeitungsbetriebe, die mit 440 000 Beschäftigten rund 58 Mrd. € Umsatz erwirtschaften freuen.S. KÄMPFER

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