Stahl 28.05.2004, 18:30 Uhr

Materialnot behindert Lieferfähigkeit

VDI nachrichten, Düsseldorf, 28.5.04 – Spezialstahl, der 50 % teurer ist, führt bei einem 50 %igen Rohmaterialanteil an den Produktkosten zu 25 %iger Kostenerhöhung. Stahlverarbeiter versuchen vergeblich steigende Preise für Stahl sowie Schrott-und Legierungszuschläge an ihre Kunden weiterzugeben.

Michael Kasperski, Geschäftsführer der CDP Bharat Forge GmbH in Ennepetal, wollte es richtig machen, so wie jedes Jahr: „Anfang 2004 haben wir auf der Basis vorliegender Kundenaufträge einen Stahlbedarf von 80 000 t errechnet.“ Insbesondere bei den Pkw-Premiumanbietern, bei den Nfz-Herstellern Mercedes Benz, Volvo-Truck und Scania sowie dem Baumaschinenhersteller Caterpillar seien aber inzwischen deutliche Mengensteigerungen zu verzeichnen. „Zurzeit liegt unsere Hochrechnung für 2004 bei 95 000 t“, sagt Kasperski, dessen Firma, die 1839 gegründete Schmiede Carl Daniel Peddinghaus (CDP), seit 1. Januar zur Bharat Forge Ltd. (BFL) gehört. BFL ist Indiens größter Exporteur von Automobilkomponenten und durch CDP nun weltweit zweitgrößtes Schmiedeunternehmen.
Kasperski dachte eigentlich ganz reell: „15 000 t mehr Stahlabnahme, also niedrigere Preise“, aber das Gegenteil war der Fall. „Wir haben enorme Schwierigkeiten, diese Mehrmenge von den Stahlherstellern in diesem Jahr noch geliefert zu bekommen.“ Die „on-top-Zuschläge“, um die Versorgung abzusichern, würden im zweistelligen Prozentbereich liegen. Verschärft werde die Versorgungssituation und der dramatische Preisanstieg neben dem Thema „China“ durch den Teil- bis Totalausfall osteuropäischer Stahlwerke.
„Existenzgefährdende Entwicklungen sind nur durch partnerschaftliche Lösungen (=Akzeptanz von Preiserhöhungen) mit unseren Kunden zu vermeiden“, weiß Kasperski und spricht damit vielen seiner Branchenkollegen aus dem Herzen (siehe auch VDI nachrichten 21/04, Seiten 1 und 11 bis 13).
Auch der Metallverarbeiter Kohl & Sohn, Rhein. Press- und Ziehwerk GmbH, Köln, leidet unter der Materialbeschaffungskrise. Geschäftsführer Jürgen Hartmann erinnert sich an sein letztes Gespräch mit einem Schlüssel-Stahllieferanten: „So etwas habe ich seit der Korea-Krise nicht mehr erlebt“,sagte der, und klagte: „Nicht nur, dass wir die benötigten Mengen auf dem Markt nicht einkaufen können, auch uns von unserer eigenen Hütte zugesagte Quoten werden ohne Vorankündigung kurzfristig gestrichen“.
Als einkaufendes Unternehmen legte Kohl & Sohn immer schon Wert auf eine Dauer ausgelegte Beschaffungspolitik mit Vorzugslieferanten. „Das zahlt sich jetzt aus“, sagt Geschäftsführer Hartmann. Sonst würde man geringere Mengen zugeteilt bekommen. Heute als neuer Kunde bei einem fremden Stahllieferanten anzufragen, sei nahezu chancenlos. Dass dazu erst in zweiter Linie nach dem Preis gefragt werde, unterstreiche die katastrophale Versorgungssituation.
„Wir gehen davon aus, dass es – nach einem Extrem im 3. Quartal – ab dem 4. Quartal eine Entspannung der Versorgungssituation gibt“ äußert sich Geschäftsführer Hartmann zurückhaltend. “ Bei den Preisen hingegen stellen wir uns nach weiteren Erhöhungen im 3. und 4.Quartal 2004 für 2005 auf ein nahezu unverändert hohes Niveau ein.“
Dass die extremen Mehrkosten am Markt nur teilweise oder gar nicht weitergegeben werden können, ist eine Erfahrung aller stahlverarbeitenden Zulieferer. Einige große europäische OEMs und Zulieferer hätten aber mittlerweile die Brisanz der Situation erkannt und würden zumindest die aktuellen Schrott- und Legierungszuschläge übernehmen, ist eine positive Erfahrung zumindest von Armin Ihle, Vertriebsleiter Hirschvogel Automotive Group, Denklingen. Sie gehört mit 2000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 300 Mio. € zu den größten Anbietern der Massivumformung für die Automobilindustrie.
„Mit manchen Kunden muss weiter verhandelt werden, auch mit der Konsequenz, Geschäfte zurückzugeben, sollte eine wirtschaftliche Produktion der Teile nicht mehr möglich sein“, sagt Armin Ihle.
Jetzt müsse sich zeigen, ob die oft beschworene Partnerschaft zwischen den Zulieferern und der Automobilindustrie auch gelebt werde – oder nur ein „Lippenbekenntnis auf Lieferantentagen ist“.KÄM

 

  • Siegfried Kämpfer

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